https://www.faz.net/-gqz-9bs8v

Bilanz der Auktionen : In London lockt das mittlere Preissegment die Bieter an

  • -Aktualisiert am

Bei den Frühjahrsauktionen mit Moderne und Gegenwartskunst bei Sotheby’s, Christie’s und Phillips hat sich gezeigt, dass die Bieter wählerischer werden. Zunehmend erringen Arbeiten auf Papier und Skulpturen Rekorde. Eine Bilanz.

          Auch die prestigeträchtigen Abendauktionen in New York oder London können längst nicht alles veredeln; man ist wählerischer geworden. Marktfrische Spitzenstücke bleiben gefragt, zunehmend erringen Arbeiten auf Papier und Skulpturen die Rekorde.

          Der Abend mit Impressionismus und Moderne bei Sotheby’s in London hatte mit einem Umsatz von 99,7 bis 124,6 Millionen Pfund gerechnet. Der Erlös blieb jedoch mit 87,49 Millionen Pfund deutlich hinter den Erwartungen zurück; denn zehn von 36 Losen im Angebot blieben unverkauft. Am folgenden Abend bei Christie’s konnte der versammelte Kunsthandel dann wieder aufatmen. Dort fanden 37 von 44 Losen Käufer. Die Erwartung hatte bei 96 bis 134 Millionen Pfund gelegen; 128,08 Millionen Pfund wurden umgesetzt. Dreißig der 37 Lose erzielten Hammerpreise innerhalb ihrer Taxen oder darüber. Christie’s hatte nur zwei Garantien vergeben müssen und konnte sie durch dritte Parteien finanzieren lassen.

          Dabei begann es bei Sotheby’s vielversprechend: Eine wunderbare marktfrische Papierarbeit mit zwei Liebenden in Blau von Chagall, „Le baiser oder Les amoureux en bleu“ stieg auf 960.000 Pfund (Taxe 300.000/500.000). Gleich im Anschluss war Matisse’ „Porträt von Mrs Hutchinson“mit 2,6Millionen Pfund (2/3 Millionen) erfolgreich. Leben kam in den Saal, als Wassily Kandinskys Porträt seiner Partnerin, „Gabriele Münter im Freien vor der Staffelei“, ehemals in der Sammlung des Malerkollegen Alexej von Jawlensky, aufgerufen wurde. Bei 4,5 Millionen Pfund (3/5 Millionen) fiel der Hammer dafür.

          Sotheby's musste viele Garantien vergeben

          Sotheby’s hatte außerdem das teuerste Los der Woche als Zugpferd: Picassos „Buste de femme de profil (Femme écrivant)“ von 1932; die Taxe lag „um 33 Millionen Pfund“. Ein Sammler, mit dem Amy Cappellazzo von Sotheby’s am Telefon animiert diskutierte, ließ sich nicht zu dem offenbar erwarteten Gebot bewegen, daher ging das Bild für 24 Millionen Pfund an seinen externen Garantiegeber.

          Sotheby’s hatte überhaupt viele Garantien vergeben müssen. Acht von insgesamt dreizehn Garantien musste das Haus selbst übernehmen, darunter auch für zwei Monets aus einer amerikanischen Privatsammlung, die zu teuren Rückgängen wurden. Pissarros „Le Boulevard Montmartre, brume du matin“ aus derselben Sammlung wurde für 2,9 Millionen Pfund (3/5 Millionen) am Telefon vermittelt. Das zweitteuerste Los, Alberto Giacomettis Bronze „Le Chat“, war aus der New Yorker Auktion im Mai zurückgezogen worden – und wurde jetzt mit reduzierter Taxe „um zehn Millionen Pfund“ angeboten.

          Sie war, so hieß es bei Sotheby’s, nicht früh genug in New York angekommen, um sie ausreichend vorführen zu können. Offensichtlich brauchte die Auktion in London den Giacometti auch als Umsatzspritze. „Die Katze“ ging für elf Millionen Pfund weg, bewilligt durch eine Mitarbeiterin der Galerie Hauser& Wirth im Saal. Zu den Losen, die nicht den Anforderungen genügten, gehörten ein paar stumpf wirkende Impressionisten und wenig bemerkenswerte deutsche Arbeiten von Max Liebermann, Franz Marc, August Macke und ein später Emil Nolde, die alle unverkauft blieben.

          Die Abendauktion bei Christie’s dann zeigte, dass diese Rückgänge nicht an den Namen der Künstler, sondern an der Auswahl lagen. Denn hier war der deutsche Expressionismus, allen voran Franz Marc, heiß begehrt. Adrien Meyer, Chef der Abteilung Privatverkäufe in New York, setzte sich gegen wenigstens fünf Bieter, darunter die Acquavella Galleries, für Marcs leuchtende „Drei Pferde“ von 1912 durch. Der Hammer fiel erst bei 13,5 Millionen Pfund (2,5/3,5 Millionen), bewilligt vom amerikanischen Kunsthändler Jeffrey Loria (F.A.Z. vom 23.Juni). Zuvor war Conrad Felixmüllers Porträt „Mein Bruder – Bergingenieur“ über seine obere Taxe von 300.000 hinaus auf 500.000 Pfund geklettert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
          Bittet zum Rapport: Gauland bei einem Wahlkampftermin in Thüringen

          Streit in der AfD : Zum Vorsprechen bei Gauland

          Die AfD-Führung zitierte am Freitag einige Unruhestifter zum Rapport – einer kam gar nicht erst, sondern schimpfte auf Facebook. Andere verkündeten den Frieden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.