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Ein Werkstattbesuch in Basel : In Vollendung gerahmt

  • -Aktualisiert am

Vier Ecken, die das Bild bedeuten: In Basel ist Thomas Knöll Bilderrahmer in dritter Generation - ein Blick in seine Werkstatt.

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          Das Schaufenster in der kleinen Basler Altstadtgasse ist unscheinbar und beinah abweisend. Tritt man aber ein paar Schritte näher und die Augen haben sich an das Dunkel hinter dem Glas gewöhnt, schaut man in eine andere Welt: Unter jahrhundertealten Deckenbalken lehnen vergoldete und geschnitzte, winzige und überdimensionierte Bilderrahmen an den Wänden. Patinierte Porträts Unbekannter liegen auf dem Arbeitstisch, großformatige Landschaftsgemälde stehen in offenen Transportkisten. Es ist die kleine und doch so weite Welt von Thomas Knöll, Rahmenmacher - oder, wie er es sagt: Bilderrahmer - in dritter Generation.

          Klingelt bei ihm das Telefon, meldet sich am anderen Ende mitunter die Nationalgalerie Berlin oder der Basler Kunsthändler und Sammler-Doyen Ernst Beyeler. Oder wie zuletzt ein New Yorker Museum, das bei Knöll einen geeigneten Rahmen für ein Gemälde von Lyonel Feininger sucht. Der Bilderrahmer ist dann gefordert: Er muss das Kunstwerk lesen, es aufnehmen und auf sich wirken lassen, um zu ahnen, welche Art von Rahmen hier am ehesten in Frage kommt. Zuerst vor seinem geistigen Auge, später dann im Rahmenlager werden Optionen durchgespielt, Rahmen vermessen und mögliche Kandidaten zurechtgestellt.

          Ein Rahmen auf Dauer

          Wird ein Kunstwerk auf einer Auktion oder in einer Galerie gekauft, heißt das in den allermeisten Fällen, dass erst jetzt die eigentliche Inbesitznahme durch den neuen Eigentümer beginnt - nämlich mit der Überlegung, ob das Bild so bleibt, wie es ist, oder ob es neu gerahmt wird. Darin liegt auch der Grund, weshalb Galeristen sich oft scheuen, wertvolle Werke aufwendig zu rahmen, noch bevor ein Kunde gefunden ist. Wer bei Knöll landet, ist folglich nahezu immer jemand, der ein Werk selbst behalten, für seine Bedürfnisse und seinen Geschmack rahmen lassen möchte. Nicht von ungefähr machen bei großen Ausstellungen mit Bildern aus aller Welt die Leihgaben aus Privathand meist einen individuelleren Eindruck als solche aus öffentlichen Sammlungen.

          In Museumskreisen hat es der Rahmen jedoch schwer: Mit der Idee, die Wirkung eines Bildes mit einem anderen Rahmen zu verstärken, kann man kaum Beifall ernten. Sind schon Ankäufe von Werken nur mit enormem Aufwand zu finanzieren, scheitert das Vorhaben, den idealen Rahmen zu erwerben, oft genug am Geld und zugleich am Mut. Immerhin die Engländer sind traditionell offener in diesen Fragen: Die National Gallery und auch die Tate Gallery leisten sich ein eigenes "Frames Departement" und arbeiten behutsam, aber kontinuierlich an der Neurahmung einiger allzu grobschlächtig oder geschmäcklerisch gerahmter Bilder aus ihren Sammlungen. Und Kuratoren verzweifeln, wenn ein großartiges Werk in grausamem Rahmen als Leihgabe am Ausstellungsort ankommt.

          Umrahmen für Ausstellungen

          Manchmal wird dann doch vorübergehend umgerahmt, um ein Bild nicht nur konzeptionell, sondern auch optisch in eine Ausstellung zu integrieren - natürlich nur mit Zustimmung der Leihgeber. Thomas Knöll wird immer dann konsultiert, wenn ein außergewöhnlicher Rahmen benötigt wird. Spezialisierte Fachleute wie ihn gibt es nicht einmal mehr zwei Dutzend; man kennt und schätzt sich. Seine über Jahrzehnte gewachsene Sammlung bietet den Kunden eine unglaubliche Auswahl aus mehreren tausend Stücken jeden Stils und jeder Größe, die ältesten aus dem Italien des 15. Jahrhunderts, die jüngsten frisch aus eigener Unikat-Produktion.

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