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Cologne Fine Art : Ein wenig Gegenwart darf’s sein

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Eleganz am Rhein: Die Cologne Fine Art setzt mit der Cofa Contemporary auf eine bunte Mischung - Kunst und Antiquitäten treffen auf zeitgenössische Installationen im Obergeschoss.

          In diesem Jahr scheint die „Cologne Fine Art“ in der Halle 11.1 eine Messe der Tierdarstellungen zu sein. Den lebensgroßen Kudu aus Lindenholz, um 1700 vermutlich in Deutschland geschnitzt (125 000 Euro), hatte Schmitz-Avila aus Bad Breisig bereits auf den Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen im August dabei, nun liegt er, einem Wächter gleich, am Eingang des Stands. Direkt gegenüber hat von Vertes aus Zürich den Pferden von Marino Marini eine ganze Wand gewidmet, darunter die kraftstrotzende Gouache „Cavallo e Cavaliere“ von 1954 (245 000 Euro) und die Bronzeskulptur eines im Sand versinkenden Pferds (Auflage5; 345 000 Euro). An der anderen Wand giften sich „Hahn und KatzeII“ auf einem großen Ölgemälde von Otto Dix aus dem Jahr 1955 an (185 000 Euro). Max Liebermanns schöne Kaltnadelradierung „Reitpferd“ von 1912 hängt bei Vömel aus Düsseldorf (2450 Euro) ebenso wie der Holzschnitt mit abstrahiertem Ross von Ewald Mataré (9800 Euro). In der Koje von Utermann aus Dortmund ziehen großformatige „Cavalli“ von Norbert Tadeusz die Blicke auf sich (53 000 Euro).

          Natürlich darf bei Tiermotiven Heinrich von Zügel nicht fehlen, zwei seiner Schafsbilder präsentiert die Münchner Galerie Gabelsberg auf blauen Stoffwänden (25 000 und 38 000 Euro). Und vor der Galerie Herwig Simons aus Brüssel liegt ein zeitgenössischer Bronzepanther in Lebensgröße vom Belgier Patrick Villas (Auflage 8; 23 000 Euro). Für mehr Aufsehen am Stand sorgt jedoch die 170 Zentimeter große hölzerne Gliederpuppe aus dem späten 18. Jahrhundert (30 000 Euro). Überhaupt gibt es, neben Antiquitäten und Raritäten, auch allerhand Kurioses bei den rund hundert teilnehmenden Galerien zu entdecken: Teppichkunst Hirschberg aus Köln bietet ein Ensemble von mehr als dreißig Spielpuppen aus Indonesien an (7500 Euro). Simonis aus Düsseldorf hat acht Holz-Schrifttafeln aus dem Sahel im Angebot, sie wurden von Kindern zur Übung und Andacht immer wieder neu mit Koranversen beschrieben (500 bis 2400 Euro). Eine Besonderheit hängt beim Kunsthaus Bühler aus Stuttgart: Théodore Rousseau, führender Vertreter der Barbizon-Schule, entwarf um 1860/65 das Gemälde „Bords de l’Oise“. Allerdings beließ er es bei den Vorzeichnungen in Öl, nur an zwei Stellen der Leinwand begann er, die Flächen mit Farbe zu füllen (180 000 Euro).

          Ein großer, weiblicher Akt mit eingekratzter Struktur

          Beim Kunsthandel Hagemeier aus Frankfurt beeindrucken zwei wunderbare Ölgemälde von Josef Scharl. Mit pastosem Duktus und Leuchtkraft hielt der Münchner Künstler 1930 die „Alte Pariserin“ und ein Jahr darauf die „Schlesische Bäuerin“ fest (je 95 000 Euro). Ernst Wilhelm Nays „Dominant Gelb“ von 1959 (650 000 Euro) überzeugt am opulenten Stand von Ludorff aus Düsseldorf, neben Liebermanns anmutigem „Wannseegarten“ von 1924 (690 000 Euro). Hans Hartungs Riesenformat „T1982-U26“ strahlt aus der Koje des Düsseldorfer Händlers Setareh heraus (750 000 Euro). Die Zero-Kunst ist generell weiterhin stark vertreten, allen voran Günther Uecker mit Nagelobjekten, etwa bei Setareh und Ostendorff aus Münster, beide aus den frühen siebziger Jahren (je 280 000 Euro). Auch Otto Pienes, gern rote Feuer-Gouachen schmücken zahlreiche Wände, bei Krümmer aus Hamburg hängt dagegen ein grün-gelbes Exemplar von 1976 (44 000 Euro).

          Bei Thole Rotermund aus Hamburg sind in Petersburger Hängung bezaubernde Kleinformate präsentiert, darunter Franz Marcs Tuschfederzeichnung mit Gouache „Zwei rote Jünglingsakte auf Schwarz“ von 1912 (248 000 Euro). An der Außenwand prangt ein 1910 entstandener, großer weiblicher Akt mit eingekratzter Struktur von Christian Rohlfs (98 000 Euro). Zeichnungen und Gemälde des 1931 im Alter von 32 Jahren frühverstorbenen Malers Helmut Kolle hat Vömel dabei (von 1000 bis 98 000 Euro; Klaus Gerrit Friese aus Berlin widmet seinen Stand fast ausschließlich Karin Kneffel: Neben einer großformatigen unbetitelten Arbeit von 2005 (120000 Euro) gibt es auch feine Aquarelle (8000 Euro) und kleinere Gemälde (15 000 Euro). Direkt gegenüber dem Stand befindet sich die Sonderausstellung für die Gewinnerin des diesjährigen Cologne-Fine-Art-Preises, mit Werken Karin Kneffels aus Privatbesitz. Ein Koje weiter bietet MaxWeberSixFriedrich aus München Thomas Grünfelds amüsante Skulptur „Hau den Lukas“ von 1988 an (25 000 Euro); ein Lederpolster ist dafür vor einem Rundspiegel montiert.

          Das Erweiterungskonzept wurde vom vorigen Jahren übernommen. Dabei hätte man auf die Sonderschau „Style Icons“ samt „Design-Parcours“, bestückt mit Möbeln von Mies van der Rohe, gut verzichten können. In der Halle 11.2 findet nun zum zweiten Mal der Messe-Ableger für Gegenwartskunst „Cofa Contemporary“ statt. 27 rheinische Galerien bespielen das Obergeschoss, zusammen mit 23 Projekträumen aus Köln. Lohnenswert sind hier die utopisch-filigranen Gebäudeskulpturen von Simon Horn bei der Labor Projektgalerie (2000 bis 8000 Euro), der Stand von Ulf Larsson mit einer SoloSchau der Japanerin Ruri Matsumoto, Meisterschülerin bei Katharina Grosse, und die riesigen Gemälde vom Südkoreaner Daecheon Lee bei Philine Cremer (um 8300 Euro).

          Cologne Fine Art mit Cofa Contemporary. Koelnmesse, heute von 11 bis 19 Uhr und am Sonntag, dem 20. November, von 11 bis 18 Uhr. Eintritt 15 Euro, Katalog 10 Euro.

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