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Turing-Manuskript bei Bonhams : Babyschritte zum Computer

Ein bisher unveröffentlichtes Notizbuch von Alan Turing wird bei Bonhams versteigert. Auf 56 Seiten lassen sich die Denkprozesse jenes Theoretikers nachvollziehen, der das Grundprinzip heutiger Computer definierte.

          Lügen Computer? Falls Naturprozesse kontinuierlich sind, kann man sie mit maschinellen Rechenschritten immer nur näherungsweise verstehen, denn die sind nicht kontinuierlich, sondern in Päckchen unterteilt. Gottfried Wilhelm Leibniz erforschte das Kontinuierliche vor rund dreihundert Jahren mit Kalkülen, die davon ausgingen, dass es eine unendlich teilbare Welt gibt, deren kleinste Partikel so klein sind, dass es sich dabei nicht einmal mehr um Punkte handelt, sondern um Größen, die zu null werden, wenn man sie mit sich selbst multipliziert.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Der Engländer Alan Turing hat vor etwa einem Dreivierteljahrhundert das Gegenteil dieser Annahme für unser Weltverständnis nutzbar gemacht - er gab eine strenge Definition der Berechenbarkeit von Werten aller Art, indem er die logischen Operationsbedingungen eines rechnenden Automatismus bestimmte.

          Sie tragen das Grundprinzip heutiger Computer. Der Weg dahin führte über Denkprozesse, die Turing unter anderem in einem Notizbuch festhielt, das am 13. April bei Bonhams in New York versteigert werden wird und so hübsche Zeugnisse des Ringens mit den einschlägigen Problemen enthält wie den Ausruf: „Ich finde die Leibniz-Schreibweise dx/dy extrem schwer verständlich, obwohl es diejenige ist, die ich mal am besten verstanden habe!“ Das Notizbuch stammt aus dem Besitz von Turings Freund Robin Gandy. Der erwartete Erlös liegt im siebenstelligen Dollarbereich; ein Teil des Geldes geht an die amerikanische Organisation Human Rights Campaign, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzt - Turing selbst war homosexuell und erlitt dafür üble Verfolgung.

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