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Fälscher-Skandal : Ein Heiliger, ein Porträt, eine Venus und ein David

  • -Aktualisiert am

Das ist ein echter Kunstkrimi: Vier Gemälde aus derselben Quelle stehen unter dem Verdacht, Fälschungen zu sein.

          In dem undurchsichtigen Fall um eine Reihe von Altmeistergemälden mit derselben, rätselhaften Provenienz verdichtet sich der Verdacht, dass es sich um einen Fälscherskandal größeren Ausmaßes handeln könnte. Sotheby’s hat in dieser Woche beim New Yorker Gericht Klage eingereicht gegen den Einlieferer einer Darstellung des heiligen Hieronymus, die das Auktionshaus als ein Bild aus dem Umkreis von Parmigianino im Januar 2012 für 842 500 Dollar verkauft hat. Die kleine Öltafel war 1999 als ein neuentdecktes Werk des manieristischen Meisters publiziert und 2003 als solches in dessen Heimatstadt Parma und im Wiener Kunsthistorischen Museum ausgestellt worden, obwohl die Zuschreibung nicht unumstritten war. Aus diesem Grund hatte Sotheby’s im Auktionskatalog behutsam von einem Werk „aus dem Umkreis“ gesprochen, jedoch hervorgehoben, dass „die besonders hohe Qualität, technische Virtuosität und emotionale Intensität des heiligen Hieronymus“ das Bild „als ungewöhnlich feines Beispiel“ des norditalienischen Manierismus auszeichneten.

          Nach der Auktion hing das Bild vorübergehend als Leihgabe im New Yorker Metropolitan Museum. Nun aber erklärt Sotheby’s, dass wissenschaftliche Untersuchungen des Kunst-Forensikers James Martin von der Firma Orion Analytical, die das Auktionshaus jüngst erworben hat, keinen Zweifel daran ließen, dass es sich um eine Fälschung relativ neuen Datums handle. Martin habe an 21 verschiedenen von Restaurierungen nicht betroffenen Stellen Pigmentproben genommen und in jeder einzelnen dieser Proben Phthalocyaningrün entdeckt, ein synthetisches Pigment, das erst im 20. Jahrhundert in Malfarben verwendet wurde. Sotheby’s hat deshalb die Transaktion rückgängig gemacht und dem Käufer seine Auslagen erstattet. Da der Einlieferer, der in Luxemburg ansässige Lionel de Saint Donat-Pourrieres, der sich 2014 auf der Liste der Bewerber der „Allianz der Demokraten und Unabhängigen“ für den französischen Konsulatsrat als Kunsthistoriker und Kunsthändler bezeichnete, den von ihm erhaltenen Betrag von 67 200 Dollar nicht zurückgezahlt hat, versucht Sotheby’s, das Geld auf dem Rechtsweg einzuklagen.

          Beeindruckende Qualität der Ausführung

          Die Firma hatte sich aufgrund der Provenienz veranlasst gesehen, die Authentiztät des Gemäldes zu prüfen. Es kommt nämlich aus derselben, ins Zwielicht geratenen Sammlung wie ein unlängst als große Neuentdeckung gefeiertes, im Herbst 2016 als Fälschung entlarvtes Porträt von Frans Hals - und wie die von dem Kunsthändler Konrad Bernheimer an den Fürsten von Liechtenstein verkaufte „Venus mit dem Schleier“ Lucas Cranachs d. Ä., die derzeit in Frankreich Gegenstand einer strafrechtlichen Untersuchung ist. Die Beschlagnahme dieser als Leihgabe in Aix-en-Provence ausgestellten Holztafel durch die französische Justiz Anfang März 2016 hat den Stein überhaupt ins Rollen gebracht.

          Aufgrund dieser Zusammenhänge sind auch Zweifel an der Echtheit eines weiteren Werks aus dieser Quelle aufgekommen: Es handelt sich um ein äußerst ungewöhnliches, kleines Ölgemälde auf Lapislazuli mit einer Darstellung des David, der das Haupt Goliaths betrachtet, das 2012 als ein unbekanntes Werk Orazio Gentileschis zum Vorschein kam und nach dem Verkauf an einen Privatsammler kurze Zeit in der Londoner National Gallery zu sehen war. Für dieses Bild gilt dasselbe wie für die anderen drei bislang ins Gespräch gekommenen Gemälde: dass die beeindruckende Qualität der Ausführung angesehene Fachleute der jeweiligen Gebiete bewogen hatte, sich für die Authentizität zu verbürgen, was nicht überall Zustimmung fand. Christie’s hat bei dem Frans Hals und, wie man hört, wohl auch bei der Cranach-Venus die Finger von dem Geschäft gelassen, wegen Bedenken gegenüber der Provenienz und der Zuschreibung.

          Keinerlei Garantien für Echtheit

          Zu den Rätseln, die der Fall aufwirft, zählt die enorme stilistische Bandbreite der vier Werke, die lediglich die Herkunft aus dem Besitz des Italo-Franzosen Giuliano Ruffini verbindet. Gegen ihn ermitteln die französischen Behörden wegen des Verdachts, mehrere moderne Fälschungen als Altmeistergemälde verkauft zu haben, so heißt es in der Klageschrift von Sotheby’s in New York. Ruffini, ein Playboy, der als Restaurator und Kunsthändler tätig gewesen ist, behauptet, die Mehrzahl der Werke in seiner Sammlung durch seine Beziehung zu der Tochter des vermögenden Bauingenieurs André Borie erworben zu haben, der unter anderem an der Untertunnelung des Mont Blanc beteiligt war. Bezeichnend ist, dass Ruffini beim Weiterverkauf keinerlei Garantien für die Echtheit abgegeben hat. Fragen der Zuschreibung habe er stets den Experten überlassen, erklärte er in einem Gespräch mit der französischen Internetzeitung „Roadsmag“. Darin erhob Ruffini auch den Vorwurf, beim Verkauf des Cranach durch den Mittelsmann betrogen worden zu sein, der sich Bernheimer gegenüber als ein Belgier ausgab, in dessen Familienbesitz sich die Tafel seit 150 Jahren befunden habe.

          Um Giuliano Ruffini rankt sich jetzt ein Misstrauen erweckendes Gemisch aus Gerüchten, anonymen Anzeigen, Gegendarstellungen, Widersprüchen und Beschuldigungen wegen des Handels mit Raubgut. Das New Yorker Verfahren dürfte weitere Einzelheiten zutage fördern. Es ist nicht auszuschließen, dass Sotheby’s auch gegen den Londoner Kunsthändler Mark Weiss gerichtlich vorgehen wird, der sowohl am Verkauf des Orazio Gentileschi als auch an dem des Frans Hals beteiligt war. Während das Auktionshaus den Käufer des Hals-Porträts entschädigt hat, lässt die Rückzahlung des Anteils von Weiss an dem Geschäft noch auf sich warten.

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