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Ein Besuch im Fälschermuseum : Alles falsch hier - oder was?

Bekannt für seine Fälschungen

“Wegen der Beschaffenheit der Leinwand und des Rahmens und wegen des schlechten Farbauftrags vermuteten wir schon kurz nach der Erwerbung, dass dieses Bild nicht von der Hand eines Meisterfälschers stammen konnte“, sagt die Leiterin des Museums. Tatsächlich hat eine angebliche Nichte Kujaus Hunderte Billigbilder aus Asien nachträglich mit der Kujau-Signatur versehen und zu „Originalfälschungen von Konrad Kujau“ deklariert, um sie im Internet und in Galerien für bis zu 3500 Euro zu verkaufen. Der dadurch entstandene Gesamtschaden betrug mehr als eine halbe Million Euro.

Konrad Kujau war Maler und Aktionskünstler und wurde 1983 als Fälscher der „Hitler-Tagebücher“, die er für 9,3 Millionen Mark an die Zeitschrift „Stern“ verkaufte, weltberühmt. Im Prozess um die gefälschten Tagebücher vor dem Hamburger Landgericht wurde er 1985 wegen Betrugs zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, jedoch bereits nach drei Jahren wegen einer Krebserkrankung entlassen. Nach seiner Haftstrafe nutzte Kujau seine neue Popularität und eröffnete ein eigenes Atelier, in dem er „Original Kujau-Fälschungen“ offiziell verkaufte. Gesteigert wurde seine Bekanntheit noch durch die Komödie „Schtonk!“, Helmut Dietls Verfilmung seiner Geschichte.

Ein echter Keating

Nicht nur Fälschungen, sondern eben auch schon gefälschte Fälschungen werden inzwischen auf der ganzen Welt zum Verkauf angeboten: „Fälscher werden auch schon gehandelt wie Maler“, sagt Grobe und fügt hinzu: „Bei Malern handelt es sich aber um Qualität und Anerkennung. Bei Fälschern geht es um Geschichte.“ Immer wieder finden sich nicht nur „schlechte“ Kujaus, sondern auch angebliche Van Meegerens, de Horys oder Keatings, vor allem bei Ebay oder in ähnlichen Auktionen.

Der Brite Tom Keating, von dem eine „echte“ Fälschung im Museum hängt, erreichte nach seinem Tod Kultstatus. Seine Werke wurden zu Sammlerstücken, und man muss für sie inzwischen bis zu 10.000 Pfund bezahlen. Bei solchen Preisen lohnt es sich, schon bekannte Fälscher - eben zu fälschen. Diane Grobe und ihr Mann ersteigern ihre Exponate auf Auktionen; der Keating wurde im Internet erstanden. Meist bezahlen sie dafür zwischen hundert und tausend Euro. Dass Alte Meister immer weniger gefälscht werden, sagt die Museumschefin. Warum? Ganz einfach, „die Arbeit tut sich kaum noch einer an“.

Ein Spezialist für Kopien

Zum Beispiel kann die perfekte Stilfälschung eines 200 Jahre alten Bildes allein in der Herstellung mehrere tausend Euro kosten und Jahre dauern. Man braucht viel Zeit und Mühe, um das Fälscherhandwerk zu erlernen, insbesondere den Pinselduktus des zu fälschenden Künstlers. Altmeisterfälscher ist deshalb ein aussterbender Beruf: Für Fälscher von heute ist es „billiger“, auf ein unsigniertes altes Bild einen relativ bekannten Namen draufzuschmieren“, weiß Grobe aus Erfahrung, und das Ganze dann als „Original“ an Leichtgläubige zu verkaufen, am besten im Internet.

Die Idee zu ihrem Museum kam Diane Grobe, als sie Urlaub an der Ostsee machte. Dort gab es auch ein Museum für Fälschungen; allerdings habe das Dargebotene dort nicht ihren eigenen Standards entsprochen. Sowohl Grobe als auch Christian Rastner stammen aus Deutschland und sind vor eineinhalb Jahrzehnten nach Wien gezogen: „Ich wollte den Supermarkt meiner Eltern in Thüringen nicht übernehmen und habe mir gedacht: Wien ist eine gute Alternative.“ Grobe hat eigentlich Betriebswirtschaft studiert. Nebenbei hat sie auch gemalt und damit sogar Geld verdient.

Rastner kommt aus Bayern und hat in Wien, nach einer Ausbildung als Bauingenieur, ein zweites Studium als Architekt absolviert. Zwar kann man im Fälschermuseum - das sich übrigens als das einzige seiner Art in Europa bezeichnet - natürlich keine Fälschungen bestellen. Doch Kopien durchaus - das heißt, die Nachahmung eines Werks ohne den falschen Hinweis, es sei das Original und mindestens siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers. Diese fertigt Rastner in seinem Drittberuf als Maler an. Er ist spezialisiert auf Schiele und Van Gogh.

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