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Eberhard Kornfeld : Seine Freunde sind Picasso und Giacometti

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In Bern feierte der Doyen und Sammler Eberhard Kornfeld, Hausherr beim Auktionshaus Kornfeld, seinen 85. Geburtstag. Er gehörte auch zu den Mitbegründern der Art Basel.

          Begegnet man Eberhard Kornfeld, kann man sich weder vorstellen, dass er dieses Jahr seinen 85. Geburtstag feiern konnte, noch, dass er auch nur einen Gedanken an das Ende seiner Arbeit als Kunsthändler verschwendet. Ohne Kunst und Künstler scheint Kornfelds Alltag nicht denkbar. Im Gespräch sind Namen, Begegnungen und Jahreszahlen allgegenwärtig, in rasender Geschwindigkeit reist er gedanklich durch Kunstgeschichte und Kunstgeschichten.

          Kornfeld weiß auch jetzt noch ein gutes Stück mehr über das Zusammenspiel hinter den Kulissen, was daran liegt, dass er viele wichtige Figuren der Kunst des 20. Jahrhunderts noch persönlich kennengelernt hat. Und er gehört zu jenen, die dieses Wissen nur zu gern teilen. Gespannt hört man ihn über einen frühen Atelierbesuch bei Mark Rothko berichten - auch davon, dass Kornfeld dessen Preise, 10.000 Dollar für ein Gemälde, damals für utopisch hielt.

          Fokussiert auf Ernst Ludwig Kirchner

          Kornfeld konnte sich aber in Jahrzehnten viele Wünsche erfüllen: Den Schwerpunkt seiner privaten Sammlung bildet Ernst Ludwig Kirchner; Kornfelds Engagement für das Werk des Brücke-Künstlers ist einzigartig. Kaum ein Kunstwissenschaftler kann für sich in Anspruch nehmen, sich so intensiv mit Leben und Werk des deutschen Expressionisten beschäftigt zu haben, wie der Berner Kunsthändler. Nicht zuletzt ist Kornfeld die Existenz des Kirchner-Museums in Davos zu verdanken.

          Daneben ist Alberto Giacometti eine weitere zentrale Figur; Künstler und Händler waren von 1948 an freundschaftlich verbunden. Im Grunde ist es die Künstlerfamilie Giacometti, die in Kornfelds Sammlung eine Dominante bildet: Bilder, Skulpturen und Möbel von Vater Giovanni und den Söhnen Alberto und Diego. Um diesen Kern gruppieren sich wichtige Werke und Werkgruppen von Chagall, Klee, Schiele und nicht zuletzt Tinguely und Francis, zu denen er ebenfalls enge Beziehungen pflegte.

          Ein leidenschaftlicher Forscher

          Diese Präsenz der Moderne in Kornfelds Leben verdeckt zuweilen, dass er auch ein profunder Kenner früher Druckgraphik ist. Seine Forschungen zum „Meister ES“, den er gern aus seiner Anonymität geholt hätte, sind ebenso wichtige Beiträge wie seine Spurensuche zu Urs Graf oder Goya. Zahlreiche, fundiert recherchierte Bücher, kenntnisreich kommentierte Auktionskataloge und aufwendig zusammengetragene Werkverzeichnisse sind die Zeugnisse dieser Obsession.

          Heute können öffentliche Sammlungen von Kornfelds Fundus profitieren, zuerst von Leihgaben, inzwischen aber auch von Schenkungen: wie dem in knapp sechzig Jahren zusammengetragenen Konvolut von rund hundert Rembrandt-Graphiken, mit dem Kornfeld großzügig eine Lücke im Bestand des Kupferstichkabinetts Basel gefüllt hat.

          Eine lange Freundschaft mit Ernst Beyeler

          Ringsum an den Wänden seines Arbeitszimmers hat er Werke „seiner“ Protagonisten im Blick: Kirchner, die Giacomettis, Picasso, dazwischen Erinnerungsstücke von Künstlerfreunden und Händlern wie dem anderen Doyen des Schweizer Kunsthandels, Ernst Beyeler. Der ein Jahr ältere Galerist und Kunstsammler Beyeler ist ein Jugendfreund aus gemeinsamen Basler Jahren.

          Sie gehörten beide zum Kreis jener, die sich Ende der sechziger Jahre für die Gründung der Art Basel starkmachten. Heute erscheint unglaublich, was anfangs für den Messetermin die Orientierung gab: Es waren die jährlich stattfindenden Kornfeld-Auktionen in Bern, zu denen die Sammler, Händler und Museumsleute aus aller Welt pilgerten. Und da ohnehin schon alle vor Ort war, wollte man auch gleich noch die Galeristen mit ihren Spitzenstücken anlocken.

          Inzwischen freilich profitiert die Berner Galerie vom Auflauf in Basel mehr als umgekehrt - und das wirkt wie ein spätes Dankeschön an ihren Mitgründer. Galerie und Auktionshaus, die heute Kornfelds Namen tragen, gibt es seit 1864. Und der Hausherr hat seit 1951 in mehr als 175 Auktionen seinen Teil zum Renommee beigetragen.

          Jean-Christophe Ammann, der Kornfeld kennenlernte, als er selbst noch ein Kind war, nannte diese Personalunion von Kunstkenner, Auktionator, Ausstellungsmacher, Wissenschaftler, Verleger und Mäzen einen „Fels in der Brandung“. Und vielleicht spült das Meer des Kunstmarkts eines Tages doch noch eine von Kornfeld ersehnte an den Strand: eine Zeichnung von van Gogh - dieser Wunsch blieb ihm bisher unerfüllt.

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