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Dorotheum : Rubens lässt Paris urteilen

  • -Aktualisiert am

Das Dorotheum versteigert am 19. April Alte Meister in Wien. Darunter befinden sich Werke von Hans Memling, Guido Reni und Jan Breughel. Eine Vorschau

          Jahrhundertelang befand sich das Tafelbild in flämischem Adelsbesitz und gelangte erst 1994 bei der Schau zum 500. Todestag von Hans Memling im Groeningemuseum Brügge wieder ans Licht der Öffentlichkeit. Das Altarwerk „Die Geburt Christi“ wurde damals noch einem unbekannten Nachfolger zugeschrieben, geht aber nun in der Altmeisterauktion des Wiener Dorotheums am 19. April als „Hans Memling Werkstatt“ an den Start. An der 99 mal 72 Zentimeter großen Eichenholztafel bestechen der sehr gute, durch Restaurierung nur minimal beeinträchtigte Zustand und die feine Komposition, deren Unterzeichnung auf einen engen Mitarbeiter schließen lässt. Die Heilige Familie wird in einer romanischen Sakralruine dargestellt. Die Delikatesse, die auf das Brokatgewand der kleinen Stifterfigur im Vordergrund oder auf den Perlenkopfschmuck der Engel verwandt wurde, würdigt auch den Schatten eines Strohhalms. Der Prado besitzt ein vergleichbares Flügelbild als Teil von Memlings Triptychon „Anbetung der Könige“; das museale Werk wurde auf 1,2 bis 1,8 Millionen Euro geschätzt.

          Allegorie auf die Unsicherheit

          Das Bildthema der Heiligen Familie war auch der Florentiner Malerei des 15.Jahrhundert wichtig. Jacopo di Arcangelo, genannt Jacopo del Sellaio, fügt seinem idyllischen Tondo den Johannesknaben hinzu (Taxe 180 000/ 220 000 Euro). Mit der Jahreszahl 1563 wurde eine „Heilige Familie mit der heiligen Anna“ des Antwerpener Malers Huybrecht Bueckeleer datiert. Diese Entdeckung aus süddeutschem Privatbesitz unterscheidet die plastische Gestaltung und die lebendige Gestik der Figuren von Huybrechts bekannterem Bruder Joachim (150 000/ 200 000). Mit der Neuzuschreibung an Guido Reni tritt das auf Kupferplatte gemalte Ölbild „Der kreuztragende Christus“ an. Das an Carracci und Raffael geschulte Frühwerk sorgt durch Lichteffekte für viel Ausdruck (400 000/ 600 000). Zur Sammlung des Fürsten Esterházy gehörte einst das zwei Meter hohe Gemälde „Susanna und die beiden Alten“, das Andrea Vaccaro mit seinen Initialen signiert hat; das marktfrische Werk aus dem neapolitanischen Barock dürfte in den fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts entstanden sein (120 000/ 150 000).

          Aus der Familie Brueghel wartet die hochkarätig bestückte Offerte mit einem der so populären Winterbilder auf. Das auf 700 000 bis 900 000 Euro taxierte Tafelbild von Jan Brueghel d. J. erhält seinen Namen durch ein hintersinniges Detail: „Die Vogelfalle“ nimmt darin die Form eines abgestützten Holzbretts an. Sie verweist auch auf das brüchige Eis unter den Füßen der Schlittschuhläufer und ist so eine Allegorie auf die Unsicherheit des Lebens an sich. Ein weiteres Highlight des Künstlers stellt sein „Stillleben mit Tulpen, Rosen und Iris“ dar, ein Kleinod, für das 200 000 bis 300 000 Euro veranschlagt sind. Von Hendrik van Balen I. und Jan Brueghel d. Ä. gelangt aus einer Schweizer Privatsammlung die mythologische Szene „Minerva zu Besuch bei den neun Musen“ auf den Markt. In der sinnlichen Darstellung aus Ovids Metamorphosen, die mit einem auf 1608 datierten Stempel markiert ist, geizt Balen nicht mit weiblichen Reizen (300 000/ 500 000). Bei Johann Georg Platzers ebenfalls mit Öl auf Kupfer gemalter Szene „Im Atelier des Malers“ ist die technische Raffinesse so beachtlich wie ihr Anspielungsreichtum (150 000/ 200 000).

          Zwei stattliche Porträts von Erzherzog Albrecht VII. und seiner Frau Isabella Clara Eugenia (80 000/ 120 000) werden ebenso Rubens’ Werkstatt zugeschrieben wie das Ölbild „Das Urteil des Paris“, das aus belgischem Privatbesitz nach Wien kommt. Das bisher unpublizierte Gemälde hat mit 148 mal 188 Zentimetern fast identische Maße wie das Paris-Urteil in der Londoner National Gallery. Wie Röntgenaufnahmen des Londoner Gemäldes zeigen, dürfte es sich bei dem vorliegenden Bild um Rubens’ originäre Fassung handeln, beziffert auf 400 000 bis 600 000 Euro.

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