https://www.faz.net/-gqz-9m286

Dorotheum : Mit den Heiligen an der Spitze

  • -Aktualisiert am

Üppiges Angebot in Wien, wieder dabei Artemisia Gentleschi: Die Frühjahrsauktionen mit Alten Meistern und 19.Jahrhundert im Dorotheum.

          3 Min.

          Das Wiener Dorotheum konnte sich bei seiner Herbstauktion im vorigen Jahr über einen Spitzenpreis für Artemisia Gentileschis „Lucretia“ freuen. Bei den Alten Meistern jetzt im Frühjahr tritt am 30. April eine „Maria Magdalena in Ekstase“ von der Barockmalerin an: Das Gemälde wurde ihr erst jüngst zugeschrieben und auf ihre erfolgreichste Periode in den späten dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts datiert. Schon von ihrem Vater Orazio Gentileschi sind ähnliche Versionen der Heiligen vor felsiger Landschaftskulisse bekannt. Für die Eigenhändigkeit sprechen der Auftrag der intensiven Farben sowie die kompakten Formen; der Hintergrund wird Artemisias Kollegen Onofrio Palumbo zugerechnet. Auch der Vergleich mit einer Maria Magdalena in Privatbesitz untermauert die Zuschreibung für das aktuelle Bild, das bei 400.000 bis 600.000 Euro ins Rennen geht.

          Guido Cagnacci hatte ebenfalls ein Faible für die einstige Sünderin: Der Bologneser Künstler steuert zur Offerte eine halbfigurige „Büßende Maria Magdalena“ (Taxe 100.000/150.000 Euro) bei. Auch Artemisia Gentileschis Zeitgenossin Elisabetta Sirani aus Bologna war in der Werkstatt ihres Vaters ausgebildet. Obwohl sie nur 28 Jahre alt wurde, hinterließ sie rund 200 Gemälde und wurde für die Gründung der ersten Malereischule für Frauen bekannt. Ihr Ölbild „Die Auffindung des Mosesknaben“ weist das typische Chiaroscuro und die feine Farbgebung der Künstlerin auf – und gelangt für 150.000 bis 200.000 Euro zum Aufruf. Mit seinem prächtigen Kolorit leuchtet unter den Losen aus Italien die Komposition einer „Heiligen Familie mit heiliger Anna und heiligem Joachim“ von Luca Giordano hervor. Das unpublizierte, zwei Meter hohe Gemälde entstammt wohl einem Altar (120.000/150.000).

          Der Caravaggist Bartolomeo Manfredi widmete sich in einem dramatisch ausgeleuchteten Querformat dem Martyrium seines Namenspatrons. Die dreifigurige Szene, die an die Geißelung Christi gemahnt, hat einen Schätzwert von 300.000 bis 400.000 Euro – und ist damit das zweitteuerste Los im Altmeisterangebot: Als alter Mann dagegen wird der heilige Bartolomäus im Hell-Dunkel von einem Vertreter der Römischen Schule zu Beginn des 17. Jahrhunderts dargestellt (80.000/120.000). Dramatische Lichtgebung zeichnet auch die „Küstenlandschaft mit Schiffswracks und Ruinen“ von Salvator Rosa aus, die später oft kopiert worden ist; für das Ölgemälde liegt die Erwartung bei 100.000 bis 150.000 Euro.

          Eine trinkfreudige Gruppe

          Die flämische Kunst wird preislich von den Brüdern Frans und Ambrosius FranckenII angeführt. Die ungeheuer detailreich dargestellte Staffage macht den besonderen Reiz der Szene „Die Israeliten nach dem Durchzug durch das Rote Meer“ aus: Das in Öl auf eine 93 mal 123 Zentimeter große Holztafel gemalte Tableau, das auch die in den Wellen ertrinkenden Feinde zeigt, soll 150000 bis 250.000 Euro einspielen. Bei seinem Tafelbild „Berglandschaft mit Figuren“ ließ Joos de Momper das Dorfvolk von Jan Bruegheld.J. ausführen (80.000/ 120.000). Dirck Hals, der Bruder von Frans Hals, war auf kleinformatige Konversationsstücke spezialisiert wie die für ihn typische, vorliegende „Fröhliche Gesellschaft“ (80.000/120.000). Während sein Gruppenbild auch das umgebende Interieur zur Geltung bringt, zoomt die „Bordellszene“ von Jan Massys und Werkstatt direkt auf eine trinkfreudige Gruppe (80.000/120.000). Aber die Lasterhaften erwartet Strafe – das führt der in Brügge gewirkt habende Antoon Claeissins drastisch vor Augen: In „Justitia bezwingt die sieben Todsünden“ hält die Gerechtigkeitsgöttin im Zentrum die Wollüstigen, Gierigen, Hochmütigen und ihresgleichen mit Ketten an der Kandare (80.000/120.000). Vom 16. in das 17. Jahrhundert führt der Antwerpener Künstler Artus Wolffort, der auch mit Rubens zusammenarbeitete. Sein Großformat „Die vier Elemente“ bringt nahezu lebensgroße Figuren zusammen (150.000/250.000).

          Als Covergirl des Katalogs zu den Werken aus dem 19. Jahrhundert, die tags zuvor am 29. April zum Aufruf kommen, fungiert ein Rotschopf, den der Londoner Maler Lionel Percy Smith 1879 beim Träumen auf einer Schaukel verewigt hat. Der Titel des bezaubernden Sommerstücks „Verwandte Seelen“ bezieht sich wohl auf das Hündchen im Bild (25.000/ 35.000). Nach Venedig führt Eugen von Blaas’ Genrebild „Geheimnisse“, das tuschelnde Signorine samt einem Kavalier darstellt (25.000/35.000). Die Lagunenstadt begegnet im aktuellen Angebot des Dorotheums vielfach, so etwa auch in Luigi Querenas atmosphärischer Vedute „Riva degli Sciavoni“ (90.000/110.000) oder in der Szene „Auszug des Patriarchen in Capa Magna aus San Giovanni e Paolo“, für die der Spanier Ramon Tusquets y Maignon die Architektur plastisch eingefangen hat (25.000/30.000).

          Unter den 228 Losen der Partie sticht Petrus van Schendels „Nächtlicher Markt in Rotterdam“ hervor. Der Maler inszeniert darin seine eigene Wohnstraße Hoogstraat im Mondlicht, wo eine Eierhändlerin und ihre Kundin im Kerzenschein zusammentreffen; erwartet werden dafür 100.000 bis 150.000 Euro. Bewährte Schönheiten der österreichischen Kunst locken mit Friedrich von Amerlings „Profilbild eines jungen Mädchens“ aus dem Jahr 1865 (20.000/30.000) oder mit Marie Egners herbstlichem Blumenstrauß „Altweibersommer“ (40.000/ 60.000).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

          Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.
          Ein AfD-Mitglied beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende

          Vor dem Parteitag : Die AfD trifft sich im Wunderland

          Rund 600 Delegierte wollen auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar über ein Rentenkonzept debattieren – unter strikter Einhaltung der Maskenpflicht, sonst droht ein Abbruch.
          Torreiche Partie: Wolfsburg besiegt Bremen.

          5:3-Sieg gegen Bremen : Wolfsburg gewinnt packendes Nordduell

          Das Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen entwickelt sich schnell zu einer turbulenten Partie. Beide Mannschaften liefern sich einen sehenswerten Schlagabtausch. Am Ende freuen sich die Wölfe über einen verdienten Jubiläumserfolg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.