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Dorotheum in Wien : Inspirationen an der Seine für den Sohn des Großwesirs

  • -Aktualisiert am

Und noch ein Bild von Artemisia Gentileschi: Vorschau auf die Alten Meister und das 19. Jahrhundert im Dorotheum.

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          Ausgerechnet ein Osmane ließ sich im Paris der Belle Époque zum orientalistischen Maler ausbilden. Ursprünglich war der 1842 in Konstantinopel als Sohn des Großwesirs geborene Osman Hamdi Bey zum Rechtsstudium nach Frankreich gekommen. An der Seine inspirierten ihn aber die eleganten Haremsbilder und Sklavenmarktszenen von Jean-Léon Gérôme dazu, selbst zum Pinsel zu greifen. Damit zählte der auch als Archäologe erfolgreiche Künstler zu den ersten Türken, die westliche Darstellungsweise erprobten. Das Wiener Dorotheum kann sich nun über die Akquise der „Dame turque de Constantinople“ aus einer italienischen Privatsammlung freuen. Die Schätzung von 1,5 bis 1,8 Millionen Euro für Hamdi Beys locker Verschleierte ist gewiss nicht zu hoch gegriffen, spielte doch eine größere Version des Gemäldes 2008 bei Sotheby’s in London brutto knapp 3,4 Millionen Pfund ein. Wie gefragt Hamdi Beys Werke vor allem bei türkischen Sammlern sind, bewies jüngst der Rekordpreis von brutto fast 6,7 Millionen Pfund, den Bonhams im September ebenfalls in London für sein Ölbild „Koran lesende Frau“ verzeichnen konnte.

          Marktfrisch gelangt auch Iwan Konstantinowitsch Aiwasowskis friedliche Ansicht des Schwarzen Meers „Sonnenuntergang am Aiu-Dag auf der Krim“ (Taxe 160.000/200.000 Euro) in die Offerte des 19. Jahrhundert am 23. Oktober. Giovanni Grubas ist mit zwei Paaren sonniger Venedig-Veduten vertreten (je 120.000/160.000), während Petrus van Schendels „Nächtlicher Markt in Den Haag“ von 1840 (150.000/180.000) vom Schein der Öllichter lebt und Pietro Fragiacomos menschenleere Flussansicht „Pace“ im Mondschein glänzt (100.000/150.000).

          Aus dem Umkreis von Raffael: „Madonna mit Kind“; Öl auf Holz, 56,5 mal 41,5 Zentimeter, Schätzwert: 300.000/400.000 Euro, Zuschlag: 1,27 Millionen Euro. Bilderstrecke

          Eine „Madonna mit Kind“, die aus dem engen Umkreis keines Geringeren als Raffael stammen soll, schmückt das Cover der Alten Meister am 22. Oktober. Das unpublizierte Tafelbild befand sich seit dem frühen 19.Jahrhundert in Adelsbesitz. Die vor der Auktion durchleuchtete Komposition ähnelt Marienbildern aus Raffaels Frühwerk: Als Vergleichswerke werden die Madonna von Northbrook aus dem Worcester Art Museum in Massachusetts und die kleine „Cowper-Madonna“ in der National Gallery in Washington genannt. Die Erwartung von 300.000 bis 400.000 Euro für die 56 mal 41 Zentimeter große Ölmalerei auf Holz ist zurückhaltend. Der lange vergessenen und nun heftig wiederentdeckten Artemisia Gentileschi richtet die National Gallery in London im nächsten Jahr eine Schau aus. Ein Großformat der Barockmalerin liegt im Dorotheum mit „David mit dem Haupt des Goliath“ vor, zur Taxe von 400.000 bis 600.000 Euro. Zu den am höchsten bewerteten Werken zählt auch mit 300.000 bis 500.000 Euro Giacomo Cerutis fast zwei Meter hohe Szene „Soldaten beim Kartenspiel“; der auf Arme-Leute-Bilder spezialisierte Mailänder gibt den roten Mänteln und Hüten der Oltremarini in seiner Komposition viel Platz. Einen krassen Kontrast zwischen Leid und Hohn setzt Jusepe de Ribera um 1620 in seiner 106 mal 86 Zentimeter großen „Verspottung Christi“ ins Bild, aus der die Zunge eines Jungen hervorleuchtet (300.000/500.000).

          Vom Turiner Meister Bartolomeo Veneto beeindruckt das edle „Bildnis eines bärtigen Mannes“ aus dem frühen 16.Jahrhundert (100.000/150.000); die exquisite Darstellung von Pelzkragen und Hemdborte geht wohl auf flämische Vorbilder zurück. Unter den flämischen Künstlern ist Anthonis van Dyck mit einem „Heiligen Andreas“ vertreten, den er vermutlich in seiner frühen Antwerpener Periode schuf (200.000/300.000). Auf Kupfer malte van Dyck ein Damenporträt mit blauem Spitzenkragen (120.000/180.000). Der Utrechter Abraham Bloemaert garnierte seine Sfumato-Malerei „Schlafende Psyche und Amor“ mit exquisiten Oberflächen (200.000/300.000). Bei den Landschaften führt Canalettos „Capriccio mit klassischen und mittelalterlichen Motiven“ nach Dresden, wo der Künstler um 1765 auch den Zwinger dargestellt hat (100.000/150.000). Zwei spannend verschachtelte Architektur-Capricci von Viviano Codazzi bieten obendrein biblische Massaker im Vordergrund (60.000/80.000).

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