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Kunstmessen in Paris : Die schönsten Blätter des Frühlings

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Eine Wiederkehrerin nach einigen Jahren Pause ist die Galerie Wienerroither& Kohlbacher aus Wien. Sie ist auf die österreichische Moderne spezialisiert und hat zum Salon du Dessin Zeichnungen von Gustav Klimt, Alfred Kubin und Egon Schiele mitgebracht. Die emotionsgeladene Momentaufnahme eines „Stehenden Mädchens, das Gesicht mit beiden Händen bedeckend“ von Schiele befand sich einst in der Sammlung des Galeristen und eminenten Schiele-Spezialisten Serge Sabarsky; mit 1,7 Millionen Euro gehört das Aquarellblatt zu den teuersten Werken der Messe. Bei Arnoldi-Livie aus München fällt neben wunderbar goldgelben Sonnenblumen von Emil Nolde eine Kirchner-Zeichnung auf mit „Badenden am Strand von Fehmarn“ in seinem ganz typischen, kantigen Stil (58.000 Euro).

Der Salon du Dessin hat in fast dreißig Jahren dazu beigetragen, die Zeichnung aus ihrer intellektuellen Nische zu befreien. Und Drawing Now, die Messe für zeitgenössische Zeichnung, die vor dreizehn Jahren von Christine Phal und Carine Tissot ins Leben gerufen wurde, hat mit ihren gut siebzig Galerien aus fünfzehn Ländern ein optimales Format. Im Carreau du Temple lassen sich junge neben etablierten Künstlern entdecken und schon um tausend Euro herrliche Blätter erwerben. Die Preise können bei namhaften Künstlern durchaus in die Höhe schnellen. So zeigt die Galerie Lelong, Paris und New York, Zeichnungen aus dem Zyklus „Figures de l’extase“ von Ernest Pignon-Ernest (von 9.000 bis 60.000 Euro). Auch Jean Bedez, bei Suzanne Tarasiève aus Paris, gehört zu den reinen Zeichnern, die, überzeugt von diesem Medium, mit nichts anderem als dem Bleistift auf Papier arbeiten. Sein von Fragonards „Die glücklichen Zufälle der Schaukel“ inspiriertes Diptychon wird mit 80.000 Euro beziffert. Eine ganz andere Welt auf Papier zeigt die Galerie Karsten Greve mit ihrer Solo-Schau der abstrakten Künstlerin Pierrette Bloch, die 2017 im Alter von 89 Jahren verstorben ist (von 18.000 bis 62.000 Euro). Ihr hartnäckig minimalistisches, poetisches und radikales Werk ist endlich dabei, auch offiziell in die Kunstgeschichte einzugehen.

Gemeinsam mit der Galerie Thaddaeus Ropac stellt die Pariser Galeristin Caroline Smulders Zeichnungen der drei großen britischen Bildhauer Bill Woodrow, Richard Deacon und Antony Gormley aus. Alle drei gehören zur selben Generation und studierten am Saint.Martins College in London. Für Drawing Now hat Smulders sie zum ersten Mal vereint und macht deutlich, wie sehr Zeichnungen die bildhauerische Arbeit der Künstler begleiten (von 10.000 bis 30.000 Euro). Martin Kudlek aus Köln stellt den britischen Künstler Jonathan Callan aus. Papier und Bücher gehören zur Grundlage seiner „zeichnerischen Skulpturen“, bei denen mit Laser quergeschnittene Papierkompressionen unglaublich feine Linienmuster ergeben (von 3500 bis 6250 Euro). Die Künstlergruppe JAK, bei der Galerie Sturm& Schober aus Stuttgart und Wien, fertigt kleine, farbige Kuben aus Epoxidharz, in die winzig gezeichnete Szenen eines mysteriösen, derzeit in Arbeit befindlichen Films eingelassen werden; Als Mobile gehängt, ergeben sie ein leichtes lyrisches Ensemble (18.000 Euro). Die Entdeckungen bei Drawing Now sind zahlreich: So faszinieren bei Martin Mertens aus Berlin die abstrakten Muster, die Felix Baxmann mit Tintenstift zaubert. Sie entfalten einen Reliefcharakter und ihre wie fühlbare Stofflichkeit (von 950 bis 3000 Euro).

Salon du Dessin. Im Palais Brongniart; bis zum 1.April. Von 11 bis 20 Uhr, am Montag von 12 bis 19 Uhr. Eintritt mit Katalog 15 Euro.

Drawing Now. Im Carreau du Temple; bis zum 31.März. Von 11 bis 20 Uhr, am Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Eintritt 16 Euro, mit Katalog 22 Euro.

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