https://www.faz.net/-gqz-9hxz5

Top Ten in Deutschland : Alles bleibt im Rahmen

Es gibt keine Skulptur unter den Top Ten in Berlin, Köln und München. Die Millionenzuschläge sind seltener geworden. Dennoch macht der deutsche Auktionsmarkt einen insgesamt stabilen Eindruck.

          Zum Star dieses Auktionsjahrs in Deutschland avancierte, mit weitem Abstand, der „Weibliche Kopf in Blau und Grau“ von Max Beckmann, genannt „Die Ägypterin“. Das aparte Bildnis wurde im Frühjahr bei Grisebach in Berlin für 4,7 Millionen Euro zugeschlagen. Das ist die höchste Summe, die jemals hierzulande für ein Kunstwerk in einer Auktion geboten wurde. Das tatsächlich zauberhafte Gemälde für Liebhaber geht in eine schweizerische Privatsammlung, die an einem Telefon vertreten war. Inklusive des üblichen Aufgelds bezahlt der noch immer unbekannte neue Besitzer 5,53 Millionen Euro; die Schätzung hatte bei 1,5 bis zwei Millionen Euro gelegen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Zwischen diesem ersten Rang in den Top Ten und dem zweiten klafft eine Lücke von 3,35 Millionen Euro – hin zu einem klassischen Bild mit Wolken und Meer von Emil Nolde, das bei Ketterer in München auf ein Gebot von 1,35 Millionen Euro kam, der unteren Taxe gemäß. Insgesamt gab es 2018 nur vier Zuschläge in Millionenhöhe – 2016 und 2017 waren es noch je sieben solche Hammerpreise. Das sagt weniger etwas über die Zahlungsbereitschaft der Kunden aus als über das vorhandene Angebot in dieser Preiskategorie. Wieder bei Grisebach schafften es Kirchners „Drei Akte im Wald“ bei 1,2 Millionen Euro auf Platz drei. Das Bild mit Restitutions- und Marktgeschichte ging nun in eine spanische Privatsammlung. Bei Ketterer in München avancierte noch Günther Uecker in den Millionenbereich. Sein genagelter „Zärtlicher Garten“ erforderte den Einsatz von 1,17 Millionen Euro, deutlich über seiner Schätzung. Damit behauptet sich Uecker als lebender Zeitgenosse neben Gerhard Richter – diesmal auf Rang 7a mit seinem Porträt des Sammlers Willy Schniewind – unter den Top Ten. Diesmal kommen noch Heinz Mack und Anselm Kiefer hinzu.

          Das Stuttgarter Haus Nagel war 2017 mit zwei chinesischen Vasen dabei. Doch 2018 verlegte man die zwei Spezialauktionen mit Asiatika nach Salzburg. Deshalb kann hier die Anfang Dezember dort verkaufte dekorierte Drachenvase „Tianqiuping“ mit der Siegelmarke Qianlong aus dem 18.Jahrhundert nicht zählen, die für starke 5,5 Millionen Euro zugeschlagen wurde – mit Aufgeld sind das gut 7,3 Millionen –, gegenüber einem schon rührenden Schätzpreis von 50.000 Euro. Bereits im Juni fiel der Hammer für einen Faltstuhl aus Hartholz mit geschnitztem Landschaftsdekor aus der späten Ming-Dynastie bei 3,5 Millionen Euro; beide Stücke kamen aus einer italienischen Privatsammlung. Michael Trautmann, Experte für Asiatika bei Nagel, begründet dieses Ausweichen nach Österreich mit der speziellen Auslegung der Bestimmungen des Kulturgutschutzgesetzes in Baden-Württemberg. Es werde generell der Nachweis verlangt, dass ein Objekt vor 1990 aus China ausgeführt wurde, was oft nicht möglich sei. In Österreich dagegen gelte das Ausfuhrrecht der einzelnen Staaten, aus denen die Einlieferungen kommen. Sollte sich wieder die Möglichkeit ergeben, werde man mit den Asiatika nach Stuttgart zurückkehren. Übrigens gehen 99 Prozent solcher raren Objekte, so Trautmann, an Käufer aus China.

          Die Rückreise ins Heimatland tritt auch ein sehr seltener, kleiner chinesischer Ge-Teller an, den wir oben auf dieser Seite in Originalgröße abbilden. Er kam aus der Sammlung von Otto Hasse in Bremen, dem einstigen „Hachez“-Schokoladefabrikanten. Die Gebote dafür bei Lempertz in Köln endeten erst bei 900.000 Euro, mit Aufgeld kostet die kaiserliche Keramik also 1,125 Millionen.

          Und – alle Jahre wieder – ähneln sich die Jahresbilanzen in der engen Konkurrenz der führenden Häuser. Dass die Klientel wählerisch bleibt, lässt sich an den überall anzutreffenden, nicht wenigen Rückgängen im sechsstelligen Bereich erkennen, auch bei prominenten Namen. Ketterer behauptet sich 2018 mit vier Plazierungen unter den teuersten zehn. Es folgen Grisebach und Lempertz mit je drei Rängen; Hampel in München und Van Ham sind je einmal vertreten. In dem dichten Feld nämlich kommt es an der siebten und achten Stelle zu doppelten Besetzungen.

          Die Top 10 Kunstwerke deutscher Auktionen

          1. Max Beckmann, „Weiblicher Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“, 1942, Öl auf Leinwand, 60 mal 30 Zentimeter: Zuschlag bei 4,7 Millionen Euro (Taxe 1,5/2 Millionen), am 31.Mai bei Grisebach in Berlin

          2. Emil Nolde, „Herbstwolken, Friesland“, 1929, Öl auf Leinwand, 73,5 mal 106,5 Zentimeter: Zuschlag bei 1,35 Millionen Euro (Taxe 1,2/1,5 Millionen), am 8. Dezember bei Ketterer in München

          3. Ernst Ludwig Kirchner, „Drei Akte im Wald“, 1912, Öl auf Nessel, 51 mal 50,5 Zentimeter: Zuschlag bei 1,2 Millionen Euro (Taxe 1,2/1,5 Millionen), am 29. November bei Grisebach in Berlin

          4. Günther Uecker, „Zärtlicher Garten“, 1964, Nägel und Farbe auf Holz, 154 mal 153 mal 9,5 Zentimeter: Zuschlag bei 1,17 Millionen Euro (Taxe 600.000), am 8. Dezember bei Ketterer in München

          5. Sehr seltener und feiner Ge-Teller, Südliche Song-Zeit/Yuan-Zeit, 1127-1368, 14 Zentimeter Durchmesser: Zuschlag bei 900.000 Euro (Taxe 200.000/250.000), am 8. Dezember bei Lempertz in Köln

          6. Jan Brueghel der Ältere, „Dorflandschaft am Wasser mit Viehmarkt“, Öl auf Kupfer, 25,8 mal 35,5 Zentimeter: Zuschlag bei 855.000 Euro (Taxe 650.000/900.000), am 26. September bei Hampel in München

          7a. Gerhard Richter, „Portrait Schniewind“, 1965, Öl auf Leinwand, 120 mal 88 Zentimeter: Zuschlag bei 800.000 Euro (Taxe 800.000/1,2 Millionen), am 8. Dezember bei Ketterer in München

          7b. Heinz Mack, „Kleiner Urwald“, 1966, Objektkasten (Holz, Aluminium, Plexiglas), 204 mal 304 mal 7 Zentimeter: Zuschlag bei 800.000 Euro (Taxe 150.000/ 200.000), am 28. November bei Van Ham in Köln

          8a. Max Liebermann, „Blumenstauden im Nutzgarten nach Südwestern“, 1926, Öl auf Leinwand, 71,5 mal 94,5 Zentimeter: Zuschlag bei 750.00 Euro (Taxe 400.000/450.000), am 1. Juni bei Lempertz in Köln 

          8b. August Macke, „Begrüßung (Thunersee), 1913, Aquarell, 31,8 mal 26,7 Zentimeter: Zuschlag bei 750.000 Euro (Taxe 350.000), am 8. Dezember bei Ketterer in München

          9. Anselm Kiefer, „für Velimir Chlebnikow“, 2004/05, Acryl, Öl, Lack, Harz, Kreide, Blei und Mischtechnik auf Leinwand, 190 mal 330 Zentimeter: Zuschlag bei 700.000 Euro (Taxe 700.000/ 1 Million), am 1. Juni bei Grisebach in Berlin

          10. Piero Manzoni, „Achrome“, um 1958, gefaltete Leinwand und Kaolin, 50 mal 40 Zentimeter: Zuschlag bei 690.000 Euro (Taxe 400.000/500.000), am 2. Juni bei Lempertz in Köln

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Frankfurt (Oder) aus der Vogelperspektive – in Brandenburg sind die Grundsteuern eher niedrig.

          Kommunalen Abgaben : Die Gemeinden erhöhen weiter die Steuern

          Wer in Nordrhein-Westfalen lebt, zahlt mehr für die Grundsteuer als ein Bayer oder Brandenburger. Viele Gemeinden erhöhten zuletzt wieder ihre Steuern – besonders oft im Saarland.

          AKK in Jordanien : Eine Ministerin lässt sich beeindrucken

          Annegret Kramp-Karrenbauer besucht die Tornado-Flieger in der jordanischen Wüste. Dabei betritt die Verteidigungsministerin eine Welt, die fern vom deutschen Alltag liegt – und doch eine ganze Menge mit ihm zu tun hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.