https://www.faz.net/-gqz-rv8b

Die Tefaf-Rembrandts : In Privatbesitz: Heute da, morgen wieder weg

  • -Aktualisiert am

Die meisten Rembrandt-Werke, die in den vergangenen Jahren auf der Tefaf in Maastricht präsentiert wurden, befanden sich im Besitz geheimniskrämerischer Sammler, die diese Werke der Öffentlichkeit und der kunsthistorischen Forschung vorenthielten.

          2 Min.

          Auf der European Fine Art Fair (Tefaf) 1996 präsentierte der New Yorker Kunsthändler Otto Naumann ein, wie es im Katalog hieß, „bedeutsames und guterhaltenes Bildnis von Rembrandt, das der Öffentlichkeit hier zum ersten Mal gezeigt wird. Seit mehr als zwei Jahrhunderten gehört das Gemälde zur schwedischen Sammlung Sparre-Wachtmeister, und praktisch niemand hat es in dieser Zeit gesehen“. Auf der Tefaf 1996 wurde das Gemälde auch zum letzten Mal öffentlich gezeigt. Das heißt - bis zum 8. März 2006, als es plötzlich auftauchte, um als Dauerleihgabe an das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum stolz enthüllt zu werden.

          In den zehn zurückliegenden Jahren war das Werk in unbekanntem Besitz verschwunden. Anfragen stießen auf Schweigen - dafür sorgte der strikte Vertraulichkeitskodex der Welt der Kunst. Der Besitzer, der das Gemälde nun dem Suermondt-Ludwig-Museum als Leihgabe überläßt, entpuppte sich als die „Peter und Irene Ludwig Stiftung“, die, wie der Name sagt, in enger Beziehung zum Museum steht.

          Warum, so fragt man sich, haben diese Förderer der Künste (und Nutznießer des deutschen Steuerrechts) die ganze Zeit verheimlicht, daß sich das Porträt in ihrem Besitz befindet? Warum sollten Kunsthistoriker und die Öffentlichkeit im dunkeln gelassen werden - in einem tieferen Dunkel als zur Zeit der Wachtmeister-Sammlung, in der wenigstens der Name des Besitzers bekannt war?

          Unter Verschluß

          Leider ist diese Geschichte typisch für die Tefaf-Rembrandts. Die meisten derjenigen, die in den vergangenen Jahren in Maastricht präsentiert wurden, befanden sich im Besitz geheimniskrämerischer Sammler, die diese Werke der Öffentlichkeit vorenthielten. Baronin Batsheva de Rothschild hielt das „Bildnis einer alten Frau“ bis zu ihrem Tod unter Verschluß. Erst nachdem Rob Noortman es im Jahr 2000 ersteigert hatte, konnte es auf Ausstellungen und Messen gezeigt werden. Nun, da Noortman es an einen ungenannten privaten Sammler verkauft hat, dürfte es vermutlich wieder in der Versenkung verschwinden.

          Der diesjährige neue Rembrandt ist ein wenig bekannter als die genannten: Die New Yorker Handlung Salander-O'Reilly bot eine Halbfigur des Apostels Jakobus d.Ä. an, ein Spätwerk, das sich in den achtziger Jahren als Leihgabe im Israel Museum in Jerusalem befand und seit den neunziger Jahren weltweit von Ausstellung zu Ausstellung wanderte. Hinter dem „Privatsammler“, von dem in der Provenienz stets die Rede ist, dürften sich die Erben des amerikanischen Sammlers Stephen C. Clark verbergen (die Ausstellung „The Clark Brothers Collect“ wird im kommenden Juni im Francine and Sterling Clark Institute in Williamstown/Massachusetts eröffnet). Man müßte von einem glücklichen Zufall reden, wenn dieses Bild nach der Tefaf nicht ebenfalls von der Bildfläche verschwände.

          Nur Verwalter

          Wir alle brauchen etwas Privatsphäre, gar keine Frage. Doch die von Kunstsammlern so gern betriebene Geheimhaltung ist übertrieben und schädlich. Wenn es um ihre Anerkennung geht, sind Kunstsammler oft mit hehren Worten bei der Hand wie: „Wir sind nicht Besitzer, sondern nur Verwalter, die große Kunst für künftige Generationen bewahren.“ Doch sobald sie, aus welchen Gründen auch immer, kalte Füße bekommen, können sie uns Heutigen ganz nach Belieben den Zugang zu diesem Kunstwerk versperren, ja selbst Informationen über seinen Besitzer zurückhalten.

          Diese Zeilen mögen als Appell verstanden werden, die gängigen Gepflogenheiten umzustoßen. Das kulturelle Erbe muß der Öffentlichkeit zugänglich sein. Der entscheidende Wert sollte nicht mehr das Verfügungsrecht der Erben von Stephen Clark sein, sondern das der Erben Rembrandts - und das sind wir alle.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eines ist allen in der Union klar: Auch ein knappes Rennen, ja sogar ein knapper Sieg führen nicht automatisch ins Kanzleramt.

          Wer wird Bundeskanzler? : Laschets Kampf geht weiter

          Trotz herber Verluste will Armin Laschet weiter Kanzler werden – auch als Zweitplatzierter. Das ginge nur mit Grünen und FDP. Eine „Zukunftskoalition“ nennt er das. Söder spricht von einem „Bündnis der Vernunft“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.