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Auflösung einer Sammlung : Frieda Hinzes Schatz

Nach fast hundert Jahren Sammlungsgeschichte wird die Kollektion der Kunsthändler Kurt Rohde und Frieda Hinze bei Grisebach versteigert. Ihre Entstehung reicht zurück in die goldene Zeit des Berliner Kunsthandels.

          In der Berliner Villa Grisebach findet am 3. und 4.Juli eine Premiere statt: Zum ersten Mal versteigert das Haus im großen Stil Alte Meister. Angekündigt für die Versteigerung ist die Kollektion des Sammlers und Kunsthändlers Kurt Rohde und seiner Geschäftspartnerin Frieda Hinze. Sie kann, so heißt es, als die „letzte wichtige Sammlung aus Berlins ,Goldener Ära‘“ in den Zwanzigern des vergangenen Jahrhunderts gelten.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Dazu gehört ein bemerkenswertes kleines Kapitel Nachkriegsgeschichte. Denn Frieda Hinze (1902 bis 1991) war lebenslang eng verbunden mit Elisabeth, der Tochter von Kurt Rohde (1882 bis 1950). Elisabeth, geboren 1915, hat eine bemerkenswerte Karriere gemacht, ehe sie 2013 im Alter von 97 Jahren in Berlin verstarb: Sie studierte Archäologie und Kunstgeschichte und wurde 1945 über griechische Vasenmalerei an der Berliner Universität promoviert. Fortan arbeitete sie für die Antikensammlung, am Museum im damaligen Ost-Berlin war sie 1957 beim Wiederaufbau des Pergamonaltars beteiligt. Direktorin des Pergamonmuseums wurde sie 1971. Während dieser ganzen Zeit – auch nach dem Mauerbau 1961 und bis zu ihrem Tod – lebte Elisabeth Rohde in Berlins Westen, in Charlottenburg. Ihre wissenschaftliche Arbeit war in der DDR so geschätzt, dass sie selbst nach ihrer Pensionierung 1982 ein Dauervisum bekam.

          Expertisen berühmter Museumsdirektoren

          Aus dem Nachlass von Elisabeth Rohde eben kam der Rohde/Hinze-Bestand vor zwei Jahren zu Grisebach. Sie hatte ihn nach dem Tod ihrer Freundin Frieda Hinze im Jahr 1991 bewahrt. Der geschickten Frieda war es gelungen, den Kunsthandel Rohde/Hinze in der Uhlandstraße in Charlottenburg nicht nur über die Zeiten der Großen Depression Ende der zwanziger Jahre, sondern auch über den Zweiten Weltkrieg zu bringen; bis zu ihrem Tod 1991 führte sie das Geschäft fort. Der Fundus, der im Juli versteigert wird, umfasst hundert Gemälde und dreihundert Kunstobjekte – darunter die Stücke aus der privaten Sammlung Rohde/Hinze, die bald ein Jahrhundert zurückreicht. Außerdem gibt es Dokumente und Fotografien, die auch die Wege dieser zwei außergewöhnlichen Frauen begleiten. Der gedruckte Katalog steht bislang noch aus. Aber schöne Erwartungen weckt die Information, dass die Alten Meister nicht selten von Expertisen Wilhelm von Bodes und Max J.Friedländers begleitet sind. Denn spannend wird sein, ob – und wenn ja, wie kontrovers – heute deren Einschätzungen standgehalten haben. Es heißt übrigens, dass Frieda Hinze die einzige Händlerin gewesen sei, die Bode beim Mittagsschlaf stören durfte.

          Es gibt aber jedenfalls schon ein paar Einblicke in dieses überraschende Angebot. Darunter finden sich keine siebenstelligen Erwartungen (zumindest sind sie nicht in den bisher bekannten Schätzungen anvisiert). Aber es gibt, zum Beispiel, das Bildnis eines jungen Mannes von der 1552 in Bologna geborenen Lavinia Fontana. Sie zog mit ihrer Familie auf Einladung von Papst Gregor XIII., für dessen Porträt sie bekannt ist, nach Rom um; dort wurde sie auch in die Akademie aufgenommen. Also vierzig Jahre älter als Artemisia Genteleschi, war Fontana schon im 16. Jahrhundert als Künstlerin erfolgreich unterwegs. Ihr sinnender Jüngling mit dem Buch in seinen Händen ist auf 20.000 bis 30.000 Euro geschätzt.

          Dann ist da eine Version des Kopfes des Judas Thaddäus, angemeldet als von der Hand Van Dycks (bleibt’s bei der Zuschreibung?). Das Gemälde würde dann zu dessen erster Serie mit Apostelköpfen zählen; die Taxe von 60.000 bis 80.000 Euro klingt vorsichtig. Zu den Spitzen zählen drei – je 39 mal 39 Zentimeter messende – Tafeln vom Cyriacus-Altar aus St. Kunibert in Köln des Bartholomäus Bruyn (Taxe 150.000/250.000 Euro) wie auch eine „Paradieslandschaft mit dem Sündenfall“ von Jan Bruegel d. J. und Frans Wouters (300.000/500.000) und ein charakteristischer „Wasserfall mit einem Fachwerkhaus auf felsiger Anhöhe“ des Jacob van Ruisdael (180.000/240.000). Hinzu kommen einige Werke des Barocks, und aus dem Klassizismus schaut Anton Graffs Porträt des Schriftstellers Gustav Adolph von Amman herüber (20.000/30.000). Zum guten Schluss winken jede Menge Objets d’art.

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