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Die Sammlung Marion Lambert : Nicht küssen beim Training!

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Selbstporträt Claude Cahuns von 1927, geschätzt auf 40.000 bis 60.000 Euro. Bild: Chrisite’s

Kunst war ihre Leidenschaft und für junge Talente hatte sie ein besonders scharfes Auge: Die Sammlung von Marion Lambert wird nun bei Christie’s in Paris versteigert.

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          Sammeln hatte für Marion Lambert nichts mit Investieren zu tun. Geld sei das Gegenteil von Kunst, sagte sie in einem Interview: „Kunst ist der Ausdruck von Ideen, von hochfliegenden Idealen, politischem Verständnis und tief gefühlten Emotionen.“ Die Schweizer Baronin, verheiratet mit dem belgischen Bankier Philippe Lambert, sammelte als leidenschaftliche Lebensaufgabe. In den Achtzigern interessierte sie sich besonders für die Fotografie. Sie hatte aber auch bei zeitgenössischer Kunst und Design einen scharfen Blick und suchte nach jungen Talenten, deren Arbeit sie förderte und verfolgte, wie schon früh Andreas Gursky, Thomas Struth oder Cindy Sherman, Christopher Wool, Richard Prince oder Kara Walker. Zu einer lohnenden Anlage wurde ihre Leidenschaft aber doch: Als 2004 ihre herausragende Fotografie-Sammlung in New York versteigert wurde, spielte sie 9,2 Millionen Dollar ein. 2015 wurde in London ein Teil der Kollektion mit Kunst, Design und Mobiliar für fünfzehn Millionen Pfund auktioniert. Marion Lambert starb nur ein Jahr später auf tragische Weise bei einem Busunglück.

          Die Brosche „Black Sheep“ von JAR ist geschätzt auf 80.000 bis 120.000 Euro.
          Die Brosche „Black Sheep“ von JAR ist geschätzt auf 80.000 bis 120.000 Euro. : Bild: Christie's / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

          Am 25. und 26. Mai bringt Christie’s in Paris unter dem Titel „Black Sheep“den verbliebenen Teil mit zeitgenössischer Kunst, Fotografie, Möbeln und Design unter den Hammer, dazu Haute Couture oder Schmuck. Unter den 319 Losen der Live-Auktion finden sich ungewöhnliche Stücke: wie die extravagante Brosche des Schmuck-Designers JAR mit einem schwarzen Schafskopf, der von einem wohlorganisierten Wust feiner Perlen umlockt wird und der Auktion den Titel gibt (Taxe 80.000/120.000 Euro). Ihre Häuser in Genf und Italien richteten die Lamberts mit dem Innenarchitekten Jacques Grange ein, der auch die Interieurs von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé gestaltete. Das verspricht fabelhafte Kuriositäten, wie den Schreibtisch mit Sessel von Elizabeth Garouste und Mattia Bonetti aus geschecktem Kuhfell (20.000/30.000) oder Seltenheiten wie die zierliche, japonisierende Tischlampe von Dagobert Peche (50.000/70.000). Ein Schreibtisch von Jean Prouvé aus der Reihe Présidence (200.000/300.000) gehört mit einem Sessel-Paar von Pierre Chareau (120.000/180.000) zu den herausragenden Stücken. Neben Fotos von Francesca Woodman (von 20.000 bis 50.000 Euro) oder einem Selbstporträt Claude Cahuns von 1927 (40.000/60.000), in dem sie sich als Zirkuskünstlerin darstellt – „I am in training, don’t kiss me“ –, bietet die Sammlung auch eine Reihe von sieben Abzügen aus der „Hairstyles Series“, mit der der nigerianische Fotograf J. D. ’Okhai Ojeikere die eindrucksvollen Kopfschmuck-Frisuren der Frauen seines Landes festhielt (15.000/20.000). Spitzenlos ist ein Gemälde, zwischen Graffiti und Zeichnung, von Richard Prince aus dem Jahr 1998, „My wife“ (350.000/550.000). Eine Online-Auktion mit weiteren 135 Losen läuft noch bis zum 27. Mai. Insgesamt werden vier bis sechs Millionen Euro erwartet.

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