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Die Sammlung Lalanne : Schafe zum Sitzen

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Sie waren unzertrennlich in Leben und Werk. In Paris wird die einzigartige Sammlung von Skulpturen, Objekten und Gemälden des Künstlerpaars Lalanne versteigert.

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          Mehr als fünfzig Jahre lang sind sie in Leben und Werk unzertrennlich geblieben. Claude und François-Xavier Lalanne gehören zu diesen mythisch gewordenen Künstlerpaaren, die man immer in einem Atemzug nennt, wie Sonia und Robert Delaunay. In den ersten Jahren ihrer gemeinsamen Arbeit, die Mitte der Fünfziger in Paris begann, signierten sie noch mit „Les Lalanne“; erst später setzten sie die Vornamen hinzu. Sie schufen Skulpturen und Objekte, die dem damals noch streng abstrakten Zeitgeist trotzen und in einer einzigartigen Mischung aus surrealer Poesie und hieratischer Strenge ihre Inspiration in der Natur finden, gänzlich figurativ: François-Xavier mit einer Neigung zur Fauna, Claude mit einer Vorliebe für die Ornamentik der Flora.

          Bei Gunter Sachs tummelte sich eine Schafherde

          An der Grenze zwischen Kunstwerk und Innendesign haben die Werke der Lalannes oft einen Zweck. Wie der absurd-phantastische „Rhinocrétaire“ – eine Nashorn-Skulptur als Schreibtisch mit geschätzten 700.000 bis eine Million Euro das Spitzenlos – oder die eleganten, in vielen Varianten durchdeklinierten Ginkgoblatt-Möbel von Claude, eine „Ginkgo-Bench“ etwa (Taxe 100.000/150.000 Euro). Yves St-Laurent und Pierre Bergé umgaben sich von den sechziger Jahren an mit Lalanne-Werken; bei Gunter Sachs tummelte sich eine Schafherde von François-Xavier im Wohnzimmer; Karl Lagerfeld ließ sich von ihm einen Zeichentisch entwerfen. Immer haben die Lalannes gemeinsam ausgestellt. Auch die Preise in den Auktionen sind in den vergangenen Jahren bei beiden gleichermaßen in die Höhe gestiegen.

          François-Xavier Lalanne ist schon 2008 im Alter von 81 Jahren gestorben; im April folgte ihm jetzt Claude mit 93 Jahren. Bis zuletzt arbeitete sie im Haus am Rand des Walds von Fontainebleau, in dem das Paar mehr als fünfzig Jahre lang gelebt hat, umgeben von ihren Skulpturen und selbst geschaffenen Möbeln, aber auch von Werken enger Freunde wie Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely, Max Ernst oder Jasper Johns. Wenn nun am 23. und 24.Oktober bei Sotheby’s in Paris die persönliche Sammlung in gut 270 Losen aufgerufen wird, haftet jedem einzelnen Stück eine Aura der Unmittelbarkeit an.

          Die Taxen für die betörenden BlütenSchmuckstücke von Claude fangen bei 2000 Euro an, für kleine Skulpturen von François-Xavier um 15.000 Euro. Die Einrichtung des Hauses und der verwunschene, artenreiche Garten der Lalannes waren so poetisch wie die Bewohner selbst. Der Garten diente auch als Labor, dort schauten sie den Tieren und Pflanzen ihre Skulpturen ab: den großen bronzenen „Oiseau de jardinII“ von François-Xavier (Taxe 100.000/200.000 Euro) oder die Blätter des skurrilen Kohlkopfs auf Hühnerbeinen „Choupatte“ (150.000/ 200.000) und den stolzen „Lapin de victoire“ von Claude Lalanne (500.000/ 700.000). Unter dem Kirschbaum standen drei der legendären Sitz-Schafe von François-Xavier, „Les trois grands moutons de Peter“ aus Bronze; sie sind geschätzt auf 500.000 bis 700.000 Euro.

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