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Die Obelisken der Natur : Fotografien von Sebastian Mejia bei Uekermann in Berlin

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Der peruanische Fotograf Sebastian Mejia hat Palmen in seiner Wahlheimat Santiago de Chile fotografiert. Viele der Bäume standen dort schon vor den Häusern, Parkplätzen und Straßen, die sie jetzt umgeben.

          Aus der Mitte einer Tankstelle ragt eine majestätische Palme in den Himmel. Sie scheint die Überdachung durchbrochen und sich ihren Weg nach oben gebahnt zu haben. Palmen sind die vielleicht eindrucksvollste Pflanzenfamilie; in der Botanik existieren mehr als 183 Gattungen und 2600 Arten. Den „Monokotyledonen“, den Einkeimblättrigen also, die an den Stränden von Los Angeles ebenso wie in der Toskana oder den Wäldern Thailands ihr Habitat haben, widmet sich die Ausstellung „Palms“ bei Malte Uekermann in Berlin. Der Fotograf Sebastian Mejia, 1982 in der peruanischen Hauptstadt Lima geboren, arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren in Chile. In der Hauptstadt Santiago de Chile hat er Palmen fotografiert, unter dem Titel „Quasi Oasis“. Insgesamt zwanzig Schwarzweißfotografien versammelt die Schau. Sebastian Mejia interessieren die Palmen im urbanen Kontext. Bei seinen Streifzügen durch die chilenische Hauptstadt setzt er die viele Meter hohen Bäume ins Verhältnis zu Architektur und Verkehr und zu den Menschen. Die Palmen erscheinen auf den Bildern monumental stilisiert. Wie in einer soziologischen Studie untersucht Mejia die individuelle Natur jedes Baums. In seinen Bildkompositionen werden Parallelen zu Vorbildern in der Landschaftsfotografie deutlich: Ähnlich wie Ed Ruscha den Palmen im Los Angeles der sechziger Jahre ein Denkmal setzte, gelingt es Mejia, die Präsenz der Bäume im Stadtbild von Santiago de Chile einzufangen – ob auf dem verödeten Parkplatz einer Vorortgegend oder turmartig neben einer Bushaltestelle. Die Palmen werden zu Zeugen der Verstädterung, denn viele der fotografierten Bäume sind mehr als vierzig Jahre alt, in einer Epoche gepflanzt, als es noch kaum Urbanität gab. Die Einwohnerzahl der Metropole hat sich in wenigen Jahrzehnten verdoppelt auf heute fünf Millionen Menschen.

          Referenzen zu den frühen französischen Architektur- und Landschaftsfotografen der Zeit um 1850, die das Architektur- und Naturerbe steckbriefartig festhielten, finden sich ebenfalls. Mejia zeigt, wie die Bäume dem Bau von Straßen und Häusern trotzen, und entwirft eine neue Topographie des städtischen Raums: So bildet er einmal die mächtige Blätterkrone einer Palme ab, die völlig verloren aus dem Asphalt herauswächst; ein anderes Mal setzt er einen der Bäume ins Verhältnis zu einem gläsernen Hochhaus. Oder er macht sichtbar, wie die Menschen mit technischen Hilfsmitteln das schnelle Wachstum einer Palme einhegen. „Palmen mit ihren kraftvollen vertikalen Linien formen die städtische Landschaft. Die Bäume streben nach der Sonne. Das ist ihre Überlebensstrategie“, so sieht es Mejia: Das mache sie zu existentiellen Denkmälern des Daseins.

          Malte Uekermann hat die tropische Exotik dieser Fotografien nach Berlin-Charlottenburg gebracht. Die skulpturale Ästhetik der hochgewachsenen Bäume wird auf den ersten Blick erkennbar. „Sie sind stumme Zeugen der natürlichen Welt, die vor der Urbanisierung unsere Städte geprägt hat. Sie überwachen den Wandel. Sie sind die Obelisken der Natur“, sagt Sebastian Mejia.

          Preise je 2500 Euro; Auflage 7 Exemplare, 50 mal 40 Zentimeter groß. Bis zum 27. August.

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