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Fiac in Paris : Die Messe für die Kunst, die uns alle angeht

  • -Aktualisiert am

Die Fiac in Paris steht für sichere Werte - mit den Galerien im Grand und Petit Palais und mit der neuen Sektion „On Site“.

          5 Min.

          Kaum jemand möchte sich noch daran erinnern: In den frühen sechziger Jahren wäre das Grand Palais, das mit dem gegenüberliegenden Petit Palais für die Weltausstellung im Jahr 1900 errichtet wurde, beinahe dem Erdboden gleichgemacht worden. An seiner Stelle sollte der Architekt Le Corbusier im Herzen von Paris ein betonfestes Kulturzentrum errichten. Das Projekt scheiterte dann, allein am Tod des Architekten. Wer jetzt im lauen Herbst zum Besuch der 43. Ausgabe der Fiac aufbricht, der Foire Internationale d’Art Moderne, und mit Blick zur Seine auf der Avenue Winston Churchill steht, traut kaum seinen Augen: Etwas von der Weltausstellungs-Stimmung liegt in der Luft. Majestätisch erheben sich das Petit und das Grand Palais linker und rechter Hand, im Hintergrund die Säulen mit goldgeflügelten Skulpturen des Pont AlexandreIII. Dazwischen wurde der lärmende Verkehr stillgelegt und die Avenue für die Dauer der Fiac zur Esplanade von früher verwandelt. Cafébuden haben Tische und Stühle aufgestellt, vor allem aber gibt es hier schon Kunst zu sehen – etwa zwei große dürre Drummer-Hasen von Barry Flanagan (von der Galerie Waddington Custot) oder eine Installation von Lawrence Weiner (Galerien Marian Goodman und Alfonso Artiaco), für die riesige bunte Wegweiser „On the above up“ oder „On the below up“ direkt auf das Pflaster gebrannt wurden.

          Das neue Konzept heißt „On Site“. Es ist das Beste, das die Fiac je für sich erfunden hat. Denn Neuerungen gab es schon viele, wie zuletzt die Satellitenmesse „Officielle“, die nach zwei Jahren mangels Erfolg wieder eingestellt wurde. „On Site“ lässt sich mit dem Basler „Unlimited“-Sektor vergleichen, aber doch nicht ganz. Selbst wenn die Art Basel als die weltbeste Messe gilt, ist die Fiac in der Kunststadt Paris zur vielleicht schönsten Messe geworden. Jennifer Flay, die Direktorin, möchte den neuen „On Site“-Sektor im Petit Palais als museale Ergänzung zu den Messeständen verstanden wissen. Er ist ein herrlicher Appetizer für die emsige Messehalle des Grand Palais, mit ihren 186 Ausstellern aus 27 Ländern.

          Galeriestände mit seriöser Ernsthaftigkeit

          Im Petit Palais wird in erhabenen Hallen und einem romantischen Innengarten eine Auswahl von knapp vierzig Werken gezeigt. Eine Videoinstallation des jungen chinesischen Künstlers Yu Honglei gibt den Ton an: „Art ain’t about you, it’s about we“ wird im Wortfluss eines poetischen Techno-Raps getextet. Für 18 000 Dollar lässt sich die Installation dann bei Antenna Space aus Shanghai erwerben. Ein futuristischer Marmorengel von Damien Hirst (White Cube, Londen) steht zwischen Skulpturen und goldgerahmten Gemälden aus dem 19. Jahrhundert. Dann weist ein wundervolles Kleinod von Marcel Duchamp darauf hin, dass die Moderne ein Spezialbereich der Fiac ist – Paris oblige – und dass sie mit hochrangigen Werken von etwa zwanzig Galerien vertreten wird oder sich in das Gegenwartsprogramm einiger Großer mischt. Duchamps „Boîte-en-valise“ (sofort verkauft, um 400 000 bis 500 000 Euro) wird von der Galerie 1900–2000 bei „On Site“ ausgestellt. Das berühmte Miniaturmuseum im entfaltbaren Kofferkasten enthält 68 Reproduktionen, darunter Duchamps „Fountain“ in winziger Ausgabe oder ein Foto des Porte-bouteilles (unser Artikel auf dieser Seite).

          Die Fiac öffnet ihre Tore in unruhigen Zeiten. Selbst wenn der solidere französische Markt weniger von Hype und Spekulation beeinflusst wird als etwa London und wahrscheinlich vom Brexit-Phantom profitieren kann, haben in Paris die Attentate ihre Spuren hinterlassen. Trotz vorheriger Unkenrufe ist die Bilanz nach dem ersten Messetag jedoch bei vielen Teilnehmern überraschend positiv. Die wichtigsten Personen unter den VIP, allen voran Bernard Arnault und François Pinault, haben gleich am frühen Morgen mit ihren Beratern im Schlepptau die Gänge durchforstet. Am Abend gab es viele rote Punkte, neue Hängungen und das Wort „verkauft“ fiel häufig. Im Hauptsektor, der die global agierenden und die etablierten Galerien versammelt, sind die Stände mit seriöser Ernsthaftigkeit eingerichtet worden. Weder Multimedia-Installationen noch (glitzernde) show-off Kunst, dafür erstaunlich viele plastische Arbeiten und natürlich Malerei in allen Variationen – wandgerechte Formate also, die seit Jahren wieder an ihren angestammten Platz gerückt sind.

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