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Art Basel Miami Beach : Die Kunstwacht am Atlantik

  • -Aktualisiert am

Die 15. Ausgabe der Art Basel Miami Beach sieht mehr Besucher denn je, aus allen Weltgegenden. Das hat nicht nur mit der Sonne und der Kunst dort zu tun, sondern auch mit Stil.

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          Ganz Miami Beach scheint under construction zu stehen. Auch das plüschig altmodische Convention Center wird restauriert – nicht nur ein bisschen, sondern für mehr als 500 Millionen Dollar. 2018 soll dieser Um- und Ausbau fertig sein. Und zwar maßgeschneidert für die Art Basel Miami Beach. Dort in Miami Beach reden inzwischen alle nur noch von „Basel“, wenn sie die Kunstmesse meinen, die ihre Fühler über die ganze Stadt ausstreckt und die nun zum fünfzehnten Mal stattfindet, quasi am Strand des Atlantiks. Zeit also für kleinere und größere Bilanzen. Denn für Miami Beach, und am Ende wohl auch für Miami, ist die Schau, die aus der fernen Schweiz kam, zum Standortfaktor ersten Ranges geworden, dem wohl wichtigsten temporären überhaupt. So gab es zum Beispiel, als alles anfing, sechs Galerien, 2016 sind es 160. Am Beginn ließen sich die angereisten Kuratoren an einer Hand abzählen, jetzt sind 150 Museumsleute aus aller Welt zur Eröffnung erschienen, wie es heißt. Sie alle brauchen samt den immer mehr werdenden Messebesuchern immer mehr Hotels. Das Ganze heißt dann economic impact.

          Es sind insgesamt 269 Galerien aus 29 Ländern zugelassen worden, 193 firmieren im allgemeinen Pool der „Galleries“, die anderen in speziellen Sektoren wie der interessanten Abteilung „Survey“, die in vierzehn historischen Projekten Arbeiten versammelt, die vor dem Jahr 2000 entstanden sind. So widmet die Galerie Robilant & Voena aus London dem Decollagisten Mimmo Rotella ihren Stand. Nachbarlich ist Rotellas „Nouveau Réalisme“-Kollege Jacques Villegle bei Vallois aus Paris vertreten. Mit Werken Giorgio Morandis aus den Jahren 1929 bis 1960 kann Maggiore aus Bologna aufwarten. Den afroamerikanischen Künstler Romare Bearden (1911 bis 1988) stellt die DC Moore Gallery aus New York den Besuchern vor: Seine Collagen und deren Fotoabzüge aus den sechziger Jahren haben es in sich (Preise von 125 000 bis 625 000 Dollar).

          Durchdringung westlicher und östlicher Kunstwelten

          Im Erscheinungsbild ist die Miami-Schau freilich nicht ganz so „sophisticated“, wie die Mutter-Messe in Basel selbst. So formuliert das elegant eine Sammlerin, die alle Messen – in Basel, in Hongkong und in Miami Beach – seit langem und gut kennt. In Florida war es in den Anfangsjahren noch deutlich bunter, da hat sich der Geschmack der mittel- und lateinamerikanischen Klientel inzwischen stark gewandelt. Und was Hongkong, für manche noch immer befremdlich, spannend macht, die Durchdringung westlicher und östlicher Kunstwelten, kehrt auch in Miami Beach zunehmend ein. Entsprechend ist die Präsenz von Galerien und auch Besuchern aus Asien so gewichtig wie nie zuvor.

          Wirklich sind manche Stände der big players arg vollgeräumt; man zeigt, was man so hat, wenn die reichen Leute zusammenkommen. Larry Gagosian etwa saß bei der Preview fröhlich inmitten seines Ensembles, das spielend einen Satz Koons-Stahl mit einem „Batman“-Foto von Andreas Gursky und einem Willem de Kooning-Gemälde zusammenführte, Hauptsache teuer und begehrt. Wo doch vor allem das europäische Herz noch immer an einer gewissen Ordnung hängt, wie es sie mit der, tatsächlich 1970 begründeten, Ur-Art Basel verbindet.

          Auch dieser Wunsch wird durchaus bedient in den vier Hallen: Es gibt schön sortierte Stände – als Beispiele lassen sich David Zwirner und Thaddaeus Ropac anführen; mit deutschen Wurzeln gewissermaßen SprüthMagers, Karsten Greve, Hans Mayer, Bärbel Grässlin. Oder etwa Van de Weghe aus New York, bei dem außen am Stand ein melancholischer „Cowboy“ des großen figürlichen Realisten Duane Hanson von 1984/89 lehnt (650 000 Dollar, inklusive eines Strohballens). Bei Landau Fine Art aus Montreal, dem Spezialist für höchstrangige Moderne, ragt Marino Marinis „L’Idea del Cavaliere“ von 1956, als in Holz geschnitztes farbig gefasstes Unikat. Der ebenso stolze Preis lautet auf fünfzehn Millionen Dollar für das singuläre Werk, das jahrelang in einer Privatsammlung in Connecticut stand, bis es dort direkt von Landau gekauft wurde. Selten sind Gemälde Marinis, wie ein großformatiges „Grande teatro“ mit Pferd und Mensch von 1958/60 (3,5 Millionen Dollar).

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