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Die Kunst im Kaufhaus : Spanisch

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Wieso sollte man Kunst nur in einer Galerie oder im Auktionshaus kaufen können, fragte man sich bei El Corte Inglés in Madrid. Und richtet auf 300 Quadratmetern einen ungewöhnlichen Künstlertreff ein.

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          Zur Weihnachtszeit, wenn die Kunst des Schenkens in Hochblüte steht, werden in europäischen Großstädten gerne „Kunstsupermärkte“ veranstaltet, auf denen erschwingliche Originale angeboten werden: Warum nicht Kunst schenken? Eine neue Variante führt die große spanische Kaufhauskette El Corte Inglés jetzt vor: die Kunstgalerie im Kaufhaus. 300 Quadratmeter im gläsernen Neubau, der auf dem abgebrannten Hotel Windsor an der Madrider Castellana-Allee errichtet wurde, sollen Treffpunkt für Künstler, Sammler und Kunstfreunde sein. „Die Werke bekannter Künstler und solche speziell begabter Neulinge“ sollen dort einem großen Publikum zugeführt werden. Hinter dieser Galerie steht María Porto, inzwischen die Frau des Präsidenten der nordspanischen Region Asturien - das Unternehmen El Corte Inglés gehört der asturischen Familie Areces - und skandalerprobte Galeristin.

          Ihre Karriere begann sie in der Madrider Filiale von Marlborough Fine Art. In erster Ehe mit einem sozialistischen Regionalpolitiker verheiratet, nutzte María Porto ihre Kontakte und belieferte links regierte Rathäuser mit Kunst. Dann wechselte sie das politische Lager und verliebte sich in den konservativen Álvarez-Cascos. Während dieser noch Minister für Infrastruktur war und der starke Mann der konservativen Regierungspartei, gelangen der Galerie hochkarätige Geschäfte mit Kunst im öffentlichen Raum. Bald füllte dieses Hand-in-Hand kommerzieller Interessen des Paars die Schlagzeilen. Álvarez-Cascos zog sich aus der Politik zurück und gründete schließlich eine Splittergruppe der konservativen Volkspartei, mit der er seit einigen Monaten Asturien regiert.

          Der Corte Inglés (der „englische Schnitt“, nicht der englische Hof) hat schon in den sechziger Jahren seine Schaufenster in der Madrider Innenstadt der damaligen künstlerischen Avantgarde zur Verfügung gestellt und auch in den vergangenen Jahren der Kunstmesse Arco mit Sponsorengeldern geholfen. Es ist also nur folgerichtig, dass das Kaufhaus nun auch selbst mit Kunst handelt - und ein kluger Schachzug, eine so geschäftstüchtige Galeristin dafür anzuheuern. Ich gehe einkaufen, brauchst du was? Ja, bring mir einen Picasso mit.

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