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Art Basel Hongkong : Einblicke und Einsichten

  • -Aktualisiert am

Animalisch: Paola Pivis „Remix“-Bär von 2017, Polyurethan-Schaum, Federn, 140 mal 84 mal 135 Zentimeter, für 110.000 Euro; dahinter hängt John Armleders „Runaway“-Gemälde für 380.000 Euro in der Galerie Massimo De Carlo. Bild: Georg Imdahl

Die siebte Art Basel Hongkong hält Entdeckungen bereit. Die Messe muss aber auch Leerlauf vermeiden.

          Nicht weniger als dreihundert internationale Kunstmessen zählt der jüngste Markt-Report der Art Basel für die Gegenwart; im Jahr 2000 waren gerade mal gut fünfzig am Start. Der Bericht notiert zudem einen Umsatzzuwachs von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr, was bedeutet, dass 2018 auf Messen 16,5 Milliarden Dollar umgesetzt worden sind. Eine astronomische Summe, die sich für den gewöhnlichen Besucher kaum ermessen lässt. Leichter fassbar ist ein überraschendes jüngstes Resultat für die asiatische Käuferklientel: Fast die Hälfte der Sammler in Singapur sind in den achtziger und neunziger Jahren geboren; in Hongkong beträgt die Rate dieser Käufer immer noch beachtliche 39 Prozent. Es gibt also jede Menge junger Leute, die sich nicht nur für Gegenwartskunst interessieren, sondern dafür auch in die Tasche greifen. Diese erwünschte Entwicklung können nicht alle, aber zahlreiche Aussteller aus dem Fernen Osten bei der laufenden Art Basel Hongkong bestätigen – und die Messe selbst dürfte zu diesen Zahlen maßgeblich beitragen.

          Die Art Basel Hongkong erzeuge einen „beträchtlichen kapitalistischen Druck“, sagt Johnson Chang, seit 1983 Galerist in Hongkong, der sich als Händler, aber auch als einflussreicher Kurator einen Namen gemacht hat, und er stellt zugleich fest, dass sich mit dem einhergehenden „internationalen Glamour“ eben auch die Kriterien für die zeitgenössische Kunst und ihre Beurteilung einbürgern und schärfen. Ein Galerist aus Schanghai indessen, wo privatem Reichtum derzeit kaum Grenzen gesetzt scheinen, beschreibt die Kauflust seiner Landsleute weniger schmeichelhaft: „Sie sind machtvoll, weil sie Geld haben. Aber sie langweilen sich, kaufen sich erst Apartments, dann Häuser. Und dann Kunst.“ Wie auch immer die Motivationen bei den Kunstliebhabern gelagert sein mögen, Hongkong übt eine Sogwirkung auf die globalen Galeristen aus, die sich hier längst mit Dependancen angesiedelt haben, wie zuletzt im 2018 eröffneten Galeriehaus HQueen’s mitten im Zentrum. Es dampft sinnreich aus den dicken Leitungsrohren, die Elmgreen & Dragset dort in der Galerie Massimo De Carlo installiert haben. Bei den Vernissagen parallel zur Messe ist das eine der ganz wenigen Ausstellungen, in der nicht nur Bilder an der Wand hängen.

          Renaissance Revisited: Natee Utarits „Your Past is My Future“ von 2018, 190 mal 228 Zentimeter, Öl auf Leinwand, Bilder um 150 000 Dollar bei Richard Koh Fine Art.

          Die zugezogenen Galerien profitieren ihrerseits von der gewachsenen Infrastruktur, die das Interesse an Gegenwartskunst auf seriösem Level anfacht, wie sich im TaiKwun erkennen lässt: Die ehemalige Polizeistation mit Gerichtssaal und ihren gruselig kleinen Gefängniszellen aus der Zeit der britischen Kolonie bietet ein anspruchsvolles Ausstellungsprogramm. Jetzt gerade hat dort Susanne Pfeffer, die Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, die sehenswerte kleine Gruppenschau „The Violence of Gender“ zusammengestellt.

          Zur Art Basel Hongkong sind diesmal, bei etwa fünfhundert Bewerbungen, wieder rund 240 Galerien zugelassen. Die siebte Ausgabe ist in der Aufplanung wie auch im gesamten Erscheinungsbild leger, mit größeren Skulpturen und Setzungen aufgelockert, in weiten Passagen kurzweilig. Die Auftritte sind oft aufwendig gestaltet, wie zum Beispiel bei Modern Institute aus Glasgow mit seiner verwinkelten Standarchitektur. In der Zusammensetzung bekräftigt die Art Basel Hongkong eine Erfahrung, die man dankbar zur Kenntnis nimmt: Nicht alle Messen für Zeitgenossen auf diesem Globus müssen im Angebot gleich (westlich) aussehen. In Hongkong sorgt dafür eine sinnvolle Quotenreglung für Galerien aus Asien und dem pazifischen Raum, denen fünfzig Prozent der Kojen vorbehalten bleiben. Allein jene aus Japan setzen erfrischende Akzente mit einer von Manga bis zur Minimal Art geschulten, messerscharfen Bildsprache.

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