https://www.faz.net/-gqz-6lgoa

Die Gaben der Kunstvereine : Drei, zwei, eins . . . meins!

  • -Aktualisiert am

Wer noch etwas ergattern will, muss sich beeilen - aus gutem Grund: Die deutschen Kunstvereine haben in diesem Jahr beizeiten ihre Jahresgaben präsentiert, und noch nie gab es so viele Unikate für so wenig Geld.

          4 Min.

          In Sachen Originalität hatte der Hamburger Kunstverein bei den diesjährigen Ankündigungen der Jahresgaben eindeutig die Nase vorn: Bereits Anfang November fielen aus einem großen Umschlag zehn Spielkarten, auf denen die jüngsten, von Künstlern gestalteten Jahresgaben gezeigt wurden.

          Für dieses Jahr haben Florian Waldvogel und sein Team sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Zehn Mitglieder des Kunstvereins, die in den vergangenen Jahren besonders eifrige Jahresgabensammler waren, wurden eingeladen, Künstler vorzuschlagen. Die Auswahl stand den Vorschlagenden völlig frei; auch dies eine Überraschung, werden die Jahresgaben doch traditionellerweise von Künstlern gemacht, die übers Jahr im Ausstellungsprogramm des jeweiligen Hauses in Erscheinung getreten sind.

          Aus der zehn Künstler umfassenden Auswahl stechen die filigranen Scherenschnitte der 1968 geborenen Hamburger Künstlerin Hoda Tawakol heraus. Die bislang weitgehend unbekannte Studentin von Andreas Slominski zeigt drei collagenartige, ornamentale Werke (Unikate, je 1200 Euro), in denen sie virtuos Motive aus Mode, Kultur- und Architekturgeschichte miteinander verbindet: In „Icons & Arabesque“ etwa wird Buckminster Fullers berühmter Dom zum ansehnlichen Kopfschmuck.

          Mit einer weißen Vorder- und einer schwarzlackierten Rückseite funktioniert das Ganze sowohl als Positiv- wie auch als Negativbild. Daneben sind Arbeiten bereits bekannter Künstler wie Alicja Kwade, Thorsten Brinkmann oder Stefan Marx zu erwerben. Andreas Slominski selbst hat am Eröffnungsabend der Jahresgaben-Präsentation eigens fünf Überraschungsarbeiten gestaltet, die ebenfalls zu erwerben sind (Preise auf Anfrage).

          Während man in Hamburg also zu neuen Ufern aufbricht, besinnt man sich im Münchener Kunstverein auf ganz eigene Traditionen. Heuer, wie der Bayer sagt, hat man Werke von Künstlern der Münchener Gruppe „Spur“ in einem eigenen Raum versammelt, die in den Jahren von 1957 bis 1965 vielfach mit Aktionen und Ausstellungen im Kunstverein für Aufsehen sorgte. In der mit sechzig Künstlern breit aufgestellten diesjährigen Auswahl bilden denn auch die in den Jahren 1960 bis 1965 entstandenen „Malspiel“-Arbeiten von Heimrad Prem, Lothar Fischer, Helmut Sturm und HP Zimmer ganz klar die Highlights (Preise von 1600 bis 55 000 Euro).

          Von fünfzig Euro an aufwärts

          Auch der Westfälische Kunstverein, der sich, im zweiten Jahr ohne festen Sitz, erfolgreich als Nomade mit sehr überraschenden temporären Standorten in Münster eingerichtet hat, weiß einige schöne Stücke aufzubieten: Bei 370 Euro für eine lakonische Zeichnung von Katinka Pilscheur geht es los und endet bei 2500 Euro für fast dreieinhalb Quadratmeter Leinwand, gestaltet von der Münsteraner Künstlerin Jana Kiewit.

          In Bonn kommen Kunstliebhaber schon von fünfzig Euro an auf ihre Kosten: Der 1961 geborene tschechische Künstler Jiri Survka, der sich bereits in der Ausstellung „Altruismus - Kunst aus Tschechien heute“ mit Fragen von Originalität und Massenreproduktion befasste, hat eigene Arbeiten und die von Freunden als Drucke reproduziert (42 Motive, Auflage je 20, davon 72 Exemplare für den Bonner Kunstverein, zum Teil rückseitig signiert, 50 bis 200 Euro).

          Eine postum entstandene Jahresgabe in Köln

          Die Arbeiten von Monika Bieber beleben das in der Gegenwartskunst geradezu ausgestorbene Genre des Reliefs auf sehenswerte Weise neu: Die 1960 geborene Bonner Künstlerin hat Wasserläufe des Rheins, etwa den „Kilometer 654,1“ in Bonn, in Ahornholz nachgeschnitzt. Am „Wochenende der Jahresgaben“ im Kunstverein vorgestellt, waren alle vier Unikate rasch vergriffen.

          Weitere Themen

          Deutsche Urlauber zieht es nach Kroatien Video-Seite öffnen

          In Corona-Zeiten : Deutsche Urlauber zieht es nach Kroatien

          Wegen der Coronavirus-Pandemie gestaltet sich der Sommerurlaub für viele in diesem Jahr anders aus als sonst: Statt in die Ferne zu fliegen, fahren viele Deutsche und Österreicher mit dem Auto oder dem Zug ans Mittelmeer - zum Beispiel nach Kroatien.

          Topmeldungen

          Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.

          Proteste in Belarus : Droht eine Intervention Moskaus?

          Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.
          Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

          Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

          In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.