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Bilder von Barbara Klemm : Die Kunst der Konstellation

Kunst der Konstellation: Barbara Klemm, „Weltausstellung in Osaka“, 1970 Bild: Barbara Klemm

Barbara Klemm hat für die Ausstellung der Frankfurter Galerie Peter Sillem 27 Bilder aus fünfzig Jahren zusammengestellt, die längere Zeit einsehbar sein werden – auch nach Corona.

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          Zur Weltausstellung in Osaka ist die Fotografin Barbara Klemm 1970 mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren. So sah und dokumentierte sie zwei ganz ferne Welten: Russland und Japan. Doch sie brachte sie uns nah mit einem Welterkennungswerkzeug, das sie damals gerade erst entwickelt hatte: dem Klemm-Blick. In den Jahren seither haben nicht nur die Leser dieser Zeitung ihn so verinnerlicht, dass er mittlerweile eine eigene Welt begründet hat.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Für die Ausstellung der Frankfurter Galerie Peter Sillem mit dem Titel „Skulpturen Fotografie“ hat Barbara Klemm 27 Bilder aus fünfzig Jahren zusammengestellt, die diesen Blick anhand eines gemeinsamen Themas exemplarisch vorführen: Kunst im Raum von der Antike bis zur Gegenwart, selbstverständlich sämtlich in Schwarzweiß. Als langjährige Redaktionsfotografin des Feuilletons hat sie rund um den Globus Kunst und Künstler fotografiert, und so sind auf den – eigens für die Ausstellung neu von ihr angefertigten – Silbergelatineabzügen griechische Göttinnen, ägyptische Pharaonen und preußische Könige neben Werken von Beuys, Calder, Chillida, Christo und Jeanne-Claude oder Picasso zu sehen. Doch alle diese Skulpturen, Plastiken oder Installationen werden vor unseren Augen durch den Klemm-Blick zu neuen Kunstwerken, und das dadurch, dass sie sich in Konstellationen begeben, meist mit Menschen – mustergültig vorgeführt an der Fotografie von der Weltausstellung in Osaka, der ältesten der Ausstellung –, aber auch mit Naturgegebenheiten wie Meer, Wüste oder Himmel.

          Herzstück der Auswahl ist eine Suite von sechs Aufnahmen, die Barbara Klemm 2004 bei ihrem Besuch im Roden Crater gemacht hat. Dort, in der Wüste von Arizona, arbeitet der heute 76 Jahre alte amerikanische Land-Art-Künstler James Turrell seit 1974 an seinem eigenen Welterkennungswerkzeug: einem gigantischen Tunnel- und Terrassensystem, das Blicke aus dem vielfach ausgehöhlten Boden in den Himmel eröffnet.

          Die Fotos reproduzieren diese Blicke nicht einfach, sondern werfen einen eigenen darauf: den Klemm-Blick, der hier, bedingt durch die Strenge der Landschafts-und Architekturformen und die weiten Himmel, geradezu abstrakte Qualität bekommt. Im Zusammenspiel der sechs Bilder, die zudem zwischen Nah- und Fernansichten, Hoch- und Querformaten wechseln, ergibt sich im intimen Raum der Galerie eine neue Konstellation, die nunmehr uns selbst einen Klemm-Blick auf diese Klemm-Bilder werfen lässt. Die bis zum 4. April angesetzte Ausstellung wird wohl kaum wieder öffnen können. Aber die 27 Fotografien und noch rund zwei Dutzend weitere zum selben Thema, die nicht gehängt wurden, bleiben in der Galerie einsehbar (Preise je 2000 Euro).

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