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Anitquitätenfälschungen : Die falschen Stühle der Madame du Barry

  • -Aktualisiert am

Der Antiquitätenhandel in Paris wird vom Skandal um gefälschte Möbel erschüttert. Die Affäre reicht bis ins Schloss von Versailles. Und sie ist noch lange nicht an ihrem Ende.

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          Eigentlich sollte 2016 für die „Biennale des Antiquaires“ ein Jahr der Erneuerung werden. Denn von 2017 an wird die renommierte Kunst- und Antiquitätenmesse im jährlichen Rhythmus stattfinden, ein optimistisches Vorhaben. Die Teilnehmerzahl wurde mit 123 Ausstellern aus vierzehn Ländern deutlich erhöht und stärker international ausgerichtet. Der veranstaltende „Syndicat national des antiquaires“, der französische Verband der Antiquitätenhändler, setzte sich auch mit einer inhaltlichen Neuorientierung durch: So wird es, wenn sich am 10. September die Tore des Grand Palais öffnen, mehr Raum für Möbel, Art déco und vor allem Alte Meister geben. Die glitzernden Mega-Stände einiger namhafter Juweliere gehören der Vergangenheit an.

          Seit jedoch der Pariser Antiquitätenhandel im Juni dieses Jahrs von einem im Ausmaß bislang noch nicht überschaubaren Fälscherskandal erschüttert wurde, erscheinen sämtliche Bemühungen um die Biennale fast wie vergebliche Liebesmühe. Denn der Skandal trifft ins Herz dieser Kunstmesse: Er dreht sich um falsche französische Antiquitäten aus dem 18. Jahrhundert, um renommierte Kunsthändler und Restauratoren, die Betrüger sein könnten, um düpierte Käufer und um anscheinend ahnungslose Experten und Museumskuratoren. Wer wirklich Opfer und wer tatsächlich Mittäter ist, wird erst eine lange gerichtliche Untersuchung zeigen. Erste Konsequenzen sind der Rücktritt und der Ausschluss zweier namhafter Pariser Galerien von der diesjährigen Biennale des Antiquaires, während sich die indirekten Auswirkungen zweifellos in einem kaum greifbaren Generalverdacht gegen die Branche niederschlagen werden.

          Echte Stempelsignaturen bedeutender Ebenisten

          Schon im Jahr 2014 soll, wie die Zeitschrift „Connaissance des Arts“ berichtet, Frédéric Castaing, der damals frisch gekürte Präsident der Kunstexperten-Vereinigung („Compagnie nationale des experts“), erste Andeutungen über mutmaßlichen Betrug mit gefälschten Möbeln im Zusammenhang mit Kunsthändlern aus dem Elysée-Viertel gemacht haben. Etwa zur gleichen Zeit leitete die französische Behörde für Kunstschutz in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei für Finanzdelikte eine mittlerweile weitreichende Untersuchung ein, bei der es nicht nur um Betrug mit Fälschungen, sondern auch um Geldwäsche und Steuerhinterziehung geht.

          Im Juni 2015 wird zunächst der Antiquitätenhändler Jean Lupu des Betrugs verdächtigt und festgenommen. Mit seiner auf das 18. Jahrhundert spezialisierten Galerie in der Rue du Faubourg Saint-Honoré, gleich neben dem Elysée-Palast, ist er ein besonderer Kenner der berühmten Möbeltischler André-Charles Boulle und Jean-Henri Riesener, außerdem Mitglied in der Kunstexperten-Vereinigung. Er soll gefälschte Möbel in Auftrag gegeben und mit den echten Stempelsignaturen bedeutender Ebenisten markiert haben: um sie dann als echte Antiquitäten zu verkaufen.

          Im April 2016 wird Jean Lupu zum zweiten Mal in Untersuchungshaft genommen; die gerichtliche Untersuchung ist noch im Gange. Gleichzeitig - und das ist vielleicht kein Zufall - gehen im Pariser Kunst-Mikrokosmos Gerüchte um, die nun eine neue Dimension einläuten: Keine geringere Instanz als das Schloss von Versailles soll für seine Sammlungen eine Reihe gefälschter Sitzmöbel erworben haben, einige seien sogar als „nationales Kulturgut“ eingestuft worden. Auch von einem - womöglich in Fälschungen verwickelten - Kunsttischler-Atelier im Faubourg Saint-Antoine ist die Rede, einem Viertel hinter der Bastille, in dem schon seit dem 18. Jahrhundert Tischlereien und Möbelbauer angesiedelt sind.

          Mit dem Ritterorden für für Kunst und Literatur ausgezeichnet

          Am 7. Juni dieses Jahres dann erschüttert ein Paukenschlag den Pariser Antiquitätenmarkt definitiv; zwei renommierte Kunsthändler werden festgenommen: Laurent Kraemer leitet die älteste französische Familiengalerie. Das prestigevolle Kunsthandelshaus in der Rue de Monceau ist auf Möbel und Objekte des 18. Jahrhunderts spezialisiert und betreibt einen so kenntnisreichen wie diskreten Handel in der fünften Generation. Bill Pallot ist seit dreißig Jahren Kunsthändler in der Galerie Didier Aaron, die seit 1923 existiert und mit Dependancen in London und New York Gemälde, Möbel und Kunstgegenstände des 17. bis 19. Jahrhunderts vertritt. Pallot kommt zwar nicht selbst aus einer Kunsthändlerfamilie, macht diesen Makel jedoch wett mit einer stolzen Karriere unter Didier Aaron und später dessen Sohn Hervé. Er ist Sammler und Kunsthistoriker, unterrichtet an der Pariser Universität, hat Bücher verfasst und wurde mit dem Ritterorden für Kunst und Literatur ausgezeichnet. Eine seiner Abhandlungen gilt noblen Sitzmöbeln und ihren Produzenten im 18. Jahrhundert - kein Zweifel, Bill Pallot ist auf diesem Gebiet ein Fachmann.

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