https://www.faz.net/-gqz-89c9u

Gegenwartskunst in London : Die Italiener, Lieblinge der Saison

  • -Aktualisiert am

Die Auktionen mit zeitgenössischer Kunst bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips in London waren erfolgreich: Neue Rekorde, starke Umsätze, gelungene Sonderauktionen - und sogar ein „White-Glove“-Sale.

          Seitdem das Auktionshaus Phillips in sein neues europäisches Hauptquartier am exklusiven Berkeley Square gezogen ist, scheinen die Geschäfte immer besser zu laufen. Die Londoner Abendauktion mit Zeitgenossen hat das Ergebnis vom vergangenen Oktober deutlich überrundet. Damals wurden 14,8 Millionen Pfund umgesetzt; jetzt waren es 31,5 Millionen für 36 Lose. Phillips’ Chairman Ed Dolman gab nach der Auktion zu, vor diesem Markttest nervös gewesen zu sein. Doch dafür gab es offenbar keinen Grund, das Ergebnis spricht für sich: Sämtliche Lose der Auktion wurden verkauft - ein „White Glove“-Sale.

          Der neue Auktionator bei Phillips, Hugues Joffre, freute sich sichtlich über seinen erfolgreichen Einstand; Er wurde erst kürzlich von Dolman bei Christie’s abgeworben. Was zum Erfolg deutlich beitrug, war die Tatsache, dass die achtzehn Lose aus der Sammlung des Celebrity-Dermatologen Fredric Brandt mit einer von einer dritten Partei vergebenen Garantie versehen waren. Mit dieser Absicherung konnte Phillips die Werke, gegen Sotheby’s und Christie’s, an Land ziehen, und damit stand schon vor der Auktion fest, dass alle Werke verkauft werden würden. Brandt hatte seine Kollektion in anderthalb Jahrzehnten zusammengestellt. Die Attraktivität wurde belohnt, denn der Großteil ging oberhalb der garantierten Summen weg, das heißt, der Garantiegeber konnte an der Differenz verdienen.

          Phillips selbst hatte nur eine einzige Garantie selbst finanziert: Neo Rauchs 4,35 Meter breites Gemälde „Die Lage“ von 2006 brauchte diese Absicherung aber nicht, denn es wurde für 720.000 Pfund zugeschlagen, also oberhalb der unteren Taxe von 600.000 Pfund. Das Spitzenlos waren Cy Twomblys braun kreisende Pinselzüge auf einem „Untitled“ von 2006, die an ein einziges Gebot von sieben Millionen Pfund (Taxe 8/12 Millionen) ging. Ein neuer Rekord für Mark Bradford wurde mit „Constitution IV“ aufgestellt, für das die Händlerin Daniella Luxembourg, gegen Gebote von Hauser & Wirth, 3,3 Millionen Pfund (2/3 Millionen) bewilligte.

          Auch der Preis von 1,7 Millionen (700.000/1 Million) für Yoshitomo Naras „Missing in Action“, ein pausbäckiges kleines Mädchen auf Leinwand, ist ein Rekord; Unterbieter war dort Nicolai Frahm, ein Sammler und Berater, der 2015 in seiner Londoner Kunsthalle „Dairy Art Center“ eine große Nara-Ausstellung ausrichtete. Der dritte Rekord waren die 500.000 Pfund (500.000/700.000), die ein Sammler für „VJ Star“ ausgab, einen vergoldeten Pappkarton von Danh Vo. Stefan Simchowitz, ein Sammler und Händler aus Los Angeles, kaufte ein „Untitled (Fold)“ von Tauba Auerbach zur unteren Taxe von 1,2 Millionen.

          Lucio Fontana und Alberto Burri liegen in Führung

          Am Nachmittag zuvor waren bei Christie’s schon 306 Objekte der Lambert Art Collection (LAC), eklektisch komponiert von Christopher Wool über italienische Couture von Cappucci bis zu Antiquitäten und Design, versteigert worden. Pikant dabei: Jussi Pylkkänen, Präsident von Christie’s, und Simon de Pury, ehemals Chairman von Phillips de Pury, teilten sich die Auktion. Die vorausgehende Ausstellung im exklusiven Antiquitätenhaus Mallett in Mayfair zog mehr als 5000 Besucher an; die Auktion spielte 14,9 Millionen Pfund ein, 89 Prozent der Lose wurden vermittelt. Das Spitzenlos war ein unbetiteltes Bild von Christopher Wool, zugeschlagen für 4,3 Millionen Pfund, das zuletzt in seiner Retrospektive im Guggenheim zu sehen war. Auch François Pinault, der Eigentümer von Christie’s, wurde dabei gesehen, wie er sich ein Stück Auktionsgeschichte kaufte: Er übernahm einen „Pharmaceuticals“-Druck von Damien Hirst (Auflage 75 + 10 EA) zum Hammerpreis von 9500 Pfund.

          Weitere Themen

          Warum ticken die Ossis so?

          Mauerfall-Debatte : Warum ticken die Ossis so?

          Der Zuspruch der AfD im Osten hat seinen Ursprung nicht zuletzt in der DDR. Weil Ostdeutsche jahrzehntelang einem Klima der Lüge und der Demütigung ausgesetzt waren. Ein Gastbeitrag.

          Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Bastian Benrath

          F.A.Z.-Sprinter : Dunkle Wolken am Sommerhimmel

          In Sachsen beginnt der Prozess im Mordfall Daniel H., und in Paris möchte Boris Johnson weiter Zugeständnisse beim Brexit-Abkommen erwirken. Wie sie dennoch zu einem lockeren Sommertag kommen, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.