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Bedeutung einer Bildrückgabe : Vom Stadtwald zum Welfenschatz

  • -Aktualisiert am

Eine Bildrestitution in Frankfurt könnte weite Kreise ziehen. Denn der vormalige Besitzer Hermann Netter war auch Teil einer Gruppe jüdischer Kunsthändler, deren Nachfahren Anspruch auf den „Welfenschatz“ erheben.

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          Es ist kunsthistorisch ein relativ unbedeutendes Bild, dessen Rückgabe an die Nachfahren des jüdischen Juweliers Hermann Netter das Historische Museum Frankfurt heute bekanntgeben wird: ein „Motiv aus dem Frankfurter Stadtwald“ des Landschaftsmalers Karl Peter Burnitz (1824-1886) aus der sogenannten Kronberger Malerschule, signiert, aber nicht datiert. Zwei sattgrüne Baumgruppen werden darauf unterteilt von einem diagonal verlaufenden Weg, an dessen Ende am Horizont Menschen zu sehen sind; ein umgestürzter hohler Baumstamm in der Mitte des Bildes ragt mit seiner dunklen Öffnung wie ein Kanonenrohr in Richtung Betrachter.

          Die Folgen dieser Bildrestitution allerdings könnten ungleich größer sein, denn es gibt eine direkte Verbindung zwischen dem Stadtwaldbild und einer der größten Rückgabeforderungen, über die zurzeit in Deutschland und den Vereinigten Staaten gestritten wird – dem „Welfenschatz“ im Kunstgewerbemuseum in Berlin. Netter war Teil jener Gruppe von jüdischen Kunsthändlern, die 1929 den mittelalterlichen Kirchenschatz des Adelsgeschlechts der Welfen erworben, Teile davon freihändig in den Vereinigten Staaten und den verbliebenen Rest im Juni 1935 an den preußischen Staat verkauft hatte. Nach Meinung der Nachfahren der jüdischen Frankfurter Kunsthändler Julius Falk Goldschmidt, Isaak Rosenbaum, Saemy Rosenberg und Zacharias Max Hackenbroch erfolgte dieser Verkauf auf Druck des direkt beteiligten Ministerpräsidenten Hermann Göring – und zu einem viel zu geringen Preis.

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