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Antiquariatsmessen im Januar : Nicht nur Frauen reisen

  • -Aktualisiert am

Disney, W. Three little Pigs. Erstausgabe, 1933. 290,- (Lorych, Berlin) Bild: Disney, Antiquriat Lorych/Berlin

Die Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg überzeugen nicht nur mit kostbaren Büchern. Reisende Frauen, das ferne Brasilien und Obskures stehen auch im Mittelpunkt

          Liebhaber und Sammler von Büchern aller Art kommen auch in diesem Jahr wieder, gleich Ende Januar, auf ihre Kosten bei der Antiquariatsmesse Stuttgart und der Antiquaria in Ludwigsburg. Schon die gemeinsame Auftaktveranstaltung, die im Literaturhaus Stuttgart stattfand, hatte sich dem Thema „Frauen auf Reisen“ gewidmet. Expertin dafür ist die Antiquarin Inge Utzt, die dort aus Texten von Frauen vorlas. Auch an ihrem Stand in Stuttgart wird sie dazu Passendes im Angebot haben. Der Bericht der Gräfin Pauline Nostitz über die gemeinsamen Reisen mit ihrem Mann – unter dem Titel „Johann Wilhelm Helfer’s Reisen in Vorderasien und Indien“ aus dem Jahr 1873 – wurde später gelobt für „die anschaulichen und lebendigen Schilderungen orientalischen Frauenlebens, in dessen Geheimnisse die reisende Frau Blicke thun konnte, die jedem Mann verwehrt gewesen wären“ (2 Bände; 350 Euro). Ohne Begleitung ging Ida Pfeiffer auf Reisen. Dass sie den Vulkanausbruch des Cotopaxi 1856 miterleben durfte, brachte ihr gar den Neid Alexander von Humboldts ein. Nachzulesen ist das Ereignis in der Erstausgabe ihres vierbändigen Berichts „Meine zweite Weltreise“ (950 Euro).

          Dass die Messe in Stuttgart, bei der 71 internationale Aussteller zusammenkommen, meist ein Preisniveau oberhalb des dreistelligen Bereichs hat, zeigen Werke wie Ludwig Sterners handschriftliche Kompilation aus der „Reimchronik des Schwabenkrieges“ und der „Chronik der Burgunderkriege“ von 1501. Das für die süddeutsche und schweizerische Geschichte bedeutende Werk bildet mit 980.000 Euro beim Antiquariat Bibermühle von Heribert Tenschert allerdings die preisliche Spitze der Messe. Für eine von Paul Klee handkolorierte Einladungskarte zum berühmten Bauhaus-Laternenfest in Weimar sind immerhin 38.000 Euro fällig. Die mit Wellen und bunten Figuren gestaltete Karte bildet einen Gegensatz zu den sonst eher geraden Linien des Bauhauses; sie führt das Angebot von Günter Linke aus Berlin zum hundertjährigen Jubiläum der Kunstschule in diesem Jahr an.

          Pernambuco / Brasilien. Kolorierter Kupferstich aus Caspar Barlaeus »Rerum per octennium in Brasilia«. Johannes Blaeu, Amsterdam 1647.
(Antiquariat Norbert Haas, Bedburg-Hau, € 3200,-)

          Zum Themenschwerpunkt „Brasilien“ bringt das Antiquariat Norbert Haas aus Bedburg-Hau drei ausgesprochen dekorative Landkarten der niederländischen Kolonialzeit mit. Die kolorierten Kupferstiche stammen aus der Chronik des Caspar Barlaeus von 1647, als Johann Moritz von Nassau Gouverneur von Niederländisch-Brasilien war. Sie enthalten Illustrationen mit Einheimischen, vom dortigen Zuckeranbau und über eine Seeschlacht zwischen Spaniern und Holländern. Die je 42 Zentimeter breiten Karten kosten 1200, 2800 und 3200 Euro. Wem das Kartenstudium zu trocken ist, der kann die Erde mit dem „Weltkugelspiel“ von 1860 spielerisch entdecken. Der seltene Puzzle-Globus aus Holz ist nicht nur auf der Außenseite mit farbigen Lithographien bezogen, sondern verfügt auch über reizvolle Abbildungen auf der Innenseite: 36 Holzstücke in Kuchenform bilden sechs horizontale Ebenen, dazu zwei Polkappen, zu haben beim Antiquariat F. Neidhardt aus Böblingen (9800 Euro).

          Im benachbarten Ludwigsburg hat sich die Antiquaria, zu der sich 55 Aussteller einfinden werden, diesmal dem „Obscuren“ verschrieben. Es geht also um Spiritualität, Mystik, Geheimes in Kunst, Literatur und Musik, bis hin zu Verschwörungstheorien und politischen Manipulationen. Ein ganzes Kompendium von Dingen dieser Art bietet François-Joachim Duport du Tertre mit der „Geschichte der sowohl alten als neuern Verschwörungen, Meutereyen und merkwürdigen Revolutionen“. Das zehnbändige Werk aus dem 18.Jahrhundert kostet 600 Euro beim Antiquariat Langguth aus Köln. Dort wartet auch eine Skurrilität aus dem Jahre 1971: „Lucy’s Lustbuch“ vereint Comic-Zeichnungen zeitgenössischer Prominenter in lasziven Posen und musste deshalb vernichtet werden. Nur wenige Dutzend Exemplare haben sich erhalten, eines davon ist bei Langguth zu haben (400 Euro). Walt Disneys drei kleine Schweinchen haben sich besser benommen. Eine schöne Erstausgabe der Comic-Version zum Film aus dem Jahr 1933 kostet beim Antiquariat Lorych aus Berlin 290 Euro.

          Deutlich mehr Geld muss man an den Gemeinschaftsstand von Inlibris, Wien, und Kotte, Rosshaupten, mitbringen, sollte man sich für eine der zwei dort angebotenen musikalischen Handschriften entscheiden: Für ein Fragment von Haydns Arie „Dice benissimo“ und für die Kantate „Le Gladiateur“ von Claude Debussy werden jeweils 75.000 Euro genannt. Und Marco Vericcis handgezeichnete fünfzigseitige Militärutopie „Inmaginationi Millitari“ von 1595 ist dort mit 250.000 Euro beziffert, der höchste Preis in Ludwigsburg.

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