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Armory Show in New York : Die verborgenen Schätze der neuen Welt

Jorinde Voigt, „Immersive Integral Midnight III“, 2018, Tusche, Blattgold, Pastellkreide, Graphit auf Papier, 141 mal 246 Zentimeter, 110.000 Dollar bei David Nolan Gallery. Bild: Galerie/VG Bild-Kunst, 2019

In New York eröffnet die 25. Armory Show und zeigt, wie man inmitten all der internationalen Messen die amerikanischste Kunstverkaufsschau von allen bleibt.

          Diese Geschichte beginnt, wie so viele, in einem Hotel – nur dass in diesem Hotel keine Menschen, sondern Kunstwerke in den Betten liegen: Vor einem Vierteljahrhundert, Ende April 1994, mieten vier Galeristen aus New York, Paul Morris, Pat Hearn, Colin de Land und Matthew Marks, in einem alten, etwas heruntergekommenen Hotel, dem inzwischen luxussanierten „Gramercy Park“, drei Stockwerke mit sechzig Zimmern. Für 50 Dollar am Tag pro Zimmer vermieten sie die Räume weiter an Galeristen. Die bringen ihre Werke über und auf den Betten und in der Dusche unter, es kommen über zehntausend Besucher. Die „Gramercy International Art Fair“ ist ein so großer Erfolg, dass sie bald umziehen muss, ins sogenannte Armory Building. Weil die jetzt „Armory“ genannte Messe immer weiter wächst, ist auch dort bald nicht mehr genug Platz, schließlich zieht sie in die Hallen auf den Piers am Hudson River. In diesem Jahr findet die 25. Ausgabe von Amerikas größter und wichtigster Messe für moderne und Gegenwartskunst wieder dort statt. Weil Pier 92 aber mittlerweile baufällig ist, musste man auf Pier 90 ausweichen, wo eigentlich die Messe Volta stattfinden sollte, die sich freundlicherweise in mehrere Ausweichquartiere umsiedeln ließ – unter anderem in die Räumlichkeiten der Großgalerie Zwirner. Allein das kann man als vielsagende Metapher der Machtverhältnisse in der aktuellen Kunstwelt sehen: die ganz großen Galerien bemühen sich gar nicht mehr, einen Stand auf der Kunstmesse zu bekommen, sie verleiben sich umgekehrt ganze Messen ein.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Dafür ist die Armory, die noch bis zu diesem Sonntag läuft, mit ihren 198 Galerien dann doch zu groß, und wenn man mit Nicole Berry spricht, die im letzten Jahr die Leitung der Armory übernommen hat, dann scheint sie nicht besonders traurig, dass die ganz großen Galerieschiffe wie Gagosian oder eben Zwirner an den Hudson Piers der Armory nicht anlegen wollen (auch Mary Boone sei dieses Mal nicht da, ergänzten ein paar Scherzkekse unter den VIP-Gästen am Mittwoch, wohl wissend, dass die legendäre Kunsthändlerin gerade ihre Galerie schließen musste und wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis geht).

          Herman Mbamba, „Sights to gesture“, 2017, Acryl und Stift auf gefundenes Papier, 33 mal 25 Zentimeter, 2000 Dollar bei Bonolo Kavula.

          Nicole Berry hat keine leichte Aufgabe; sie muss der Armory in einem immer unübersichtlicheren Umfeld eine Identität geben; die wenigsten haben die Nerven, zu zehn Kunstmessen in einer Stadt zu kommen, und neben der Armory Show an Pier 90 und 94 gibt es auch die Frieze New York, und allein in diesen Tagen kommen noch die Independent Art Fair, die Scope New York und die Affordable Art Fair dazu. Alle noch in diesem Monat, der mit der inzwischen im alten Armory Building residierenden Messe der Art Dealers Association of America (ADAA) begonnen hatte. Aber die, sagt Berry, sei mit 72 Ausstellern keine Konkurrenz, sondern eher eine Show für den „Area Code“ – für die Sammler aus der New Yorker Upper East Side.

          Was aus den Tiefen dieser Sammlungen alles an die Piers der Armory am Hudson River gespült wird, ist auch dieses Jahr wieder eindrucksvoll zu besichtigen: Albers, Twombly, Kelly, Lucio Fontana ... Ebenfalls aus einer Manhattaner Privatsammlung stammt einer der schönsten Motherwells, die in der „Insights“ getauften Sektion für Nachkriegsmoderne bei Leslie Feely zu sehen sind: eine 1974 entstandene Collage eines Postkartons auf zeittypisch poporangem Grund mit tiefem Himmelsblau darüber (91 mal 182 Zentimeter, 450.000 Dollar).

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