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Design : Zu schön für den Gebrauch: Die Kölner Galerie Ulrich Fiedler feiert ihr zwanzigjähriges Bestehen

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„Wenn man einen ganzen Messestand um einen Aschenbecher aufbaut, dann ist das eine Aussage, die verstanden wird“, erinnert sich Fiedler heute an die Anfänge seiner Galerie, die er seit nun genau zwanzig Jahren mit seiner Frau Katharina Evers in Köln betreibt. In den vergangenen Dekaden haben sie das mitgeprägt, was heute als „Modern Design“ bezeichnet wird.

          Der Designer Jasper Morrison erinnert sich noch an das Schaufenster, er hatte es nachts entdeckt, mitten in der Kölner Innenstadt: „Es war das erste Mal, daß ich Stücke von Breuer oder Rietveld in der Wirklichkeit sah.“ Doch nicht allein die Ausstellungsstücke beeindruckten den Londoner - rückblickend würdigt der Star-Entwerfer auch „diese besondere deutsche Atmosphäre, mit Linoleumböden und einem Mangel an Dekor“. Bald schließt Morrison Bekanntschaft mit den Galeristen, Katharina Evers und Ulrich Fiedler, eine erste Ausstellung seiner Arbeiten folgt, und seither ist das Gespräch nie mehr abgerissen: „Immer haben wir diskutiert, alte Sachen und neue Sachen. Es ist nicht nur die Atmosphäre, es ist eine Institution.

          Die Institution in der Kölner Lindenstraße feiert. Das zwanzigjährige Bestehen ist Anlaß für den Katalog „20/20“, in dem insgesamt vierzig Objekte versammelt sind - die erste Hälfte zeigt Trophäen, die einmal in Räumen in der Lindenstraße den Besitzer wechselten: ein Silberkännchen aus der Werkstatt Henry van de Veldes, ein ledergepolsterter Hocker von Le Corbusier oder ein Glastisch von Carlo Mollino. Noch einmal zwanzig Stücke bietet die Galerie im Jubiläumsjahr an. Die Auswahl reicht von den kantig ineinandergesteckten, farbig lackierten Holztafeln des „Brugman Tisches“ aus der Werkstatt eines Gerrit Thomas Rietveld über die aus Metall und Glas zusammengewürfelte Komposition Naum Slutzkys aus dem Jahr 1920 bis zum Kinderstuhl „TI 3b“ von Marcel Breuer oder einer versilberten Teedose von Hans Przyrembel. Mitte der zwanziger Jahre am Bauhaus entstanden, war sie lange im Gebrauch, auf dem Boden der schlanken, glänzenden Säule finden sich immer noch Teekrümel: Ulrich Fiedler würde nie auf die Idee kommen, dem Aussehen einer Ikone mit Silberputztuch und Spülmittel nachzuhelfen - er ist kein Antiquitätenhändler, bei dem man Frühstücksgeschirr, komplettierbare Eßzimmer oder Sofa-Ecken ersteht.

          Ikonen der Design-Geschichte

          In den vergangenen Dekaden haben Ulrich Fiedler und seine Frau das mitgeprägt, was heute als „Modern Design“ bezeichnet wird: herausragende Entwürfe der Moderne, die als Einzelstücke den Status von Ikonen der Design-Geschichte einnehmen oder sich als Kunst auch außerhalb ihrer ursprünglichen Funktion behaupten. Wer bei Fiedler einkauft, ist Museumskurator (zu seinen Kunden gehört das Museum of Modern Art genauso wie das Centre Pompidou oder die Pinakothek der Moderne in München), oder er begreift als Privatsammler, daß diese Stücke größer sind als der Alltag. Seit Modern Design sprunghaft an Wert gewinnt, sind es vor allem solche herausragenden Objekte, die ihren Preis so rasant fortentwickeln wie die hoch gehandelte zeitgenössische Kunst. Ein Tisch von Mollino, vor drei Jahren für 120 000 Euro in Köln verkauft, erzielte jetzt bei einer Auktion fast vier Millionen Euro.

          Ulrich Fiedler sagt, er sei eher „organisch autodidaktisch“ auf den Geschmack gekommen. Nachdem er als Zivildienstleistender die Wohnung eines Onkels aufgelöst hatte und dabei zu seiner eigenen Überraschung viel verdient hatte, begann er auf dem Flohmarkt zu handeln. Zunächst auf Art déco spezialisiert, faszinierten ihn bald die funktionale, sperrige Schönheit der Entwürfe aus der Bauhauszeit. Anfang der achtziger Jahre fand man einen „Wassily“-Stuhl in der Architektenstadt Aachen noch auf dem Sperrmüll. Fiedler belieferte Händler mit Trouvaillen aus Bugholz und Stahlrohr, kaufte sich vom Gewinn die wenigen Bücher über Bauhaus und Behrens, die damals zu haben waren, und hörte am Nachmittag, nach Dienstschluß, Kunstgeschichte. Sein explizites und detailgenaues Fachwissen fiel dort seiner Kommilitonin Katharina auf; bald wurden die beiden ein Paar, und die Flohmarktzeiten waren vorüber.

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