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Interview mit dem Wiener Antikenhändler Christoph Bacher : Auch die Tabakpatina kann die legale Ausfuhr beweisen

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Der Wiener Antikenhändler Christoph Bacher Bild: Wildbild

Für Österreich jedenfalls gilt: Das deutsche Kulturgutschutzgesetz hat den Wettbewerb im internationalen Handel ausgeglichener gemacht

          Der Wiener Antikenhändler Christoph Bacher war zwanzig Jahre lang Journalist und Sammler archäologischer Artefakte, bevor er sich im Jahr 2015 mit einer eigenen Kunsthandlung selbständig machte. Seither floriert seine Galerie, stellt sie doch die erste ihrer Art in Österreich seit 1945 dar, wo das Interesse an der Kunst der alten Ägypter und Römer einst groß war.

          Herr Bacher, Wien war bis ins Jahr 1938 ein Zentrum des Antikenhandels. Wo hat zum Beispiel Sigmund Freud die „alten und dreckigen Götter“, wie er seine archäologischen Figuren nannte, erworben?

          Hierzulande gab es damals eine dichte Kunstszene, im Adel bestand viel Interesse, ebenso im Großbürgertum, wobei die Galerien meist von jüdischen Händlern betrieben wurden. Freud erwarb vieles in Wien, er hat aber auch auf Reisen bei Ausgrabungsstätten in Italien gekauft. Dort sind leider auch einige Fälschungen in seine Sammlung gekommen, denn zur Zeit der „Grand Tour“ war das ein gutes Geschäft. Diese Fälschungen machen uns bis heute zu schaffen, weil sie qualitativ den antiken Originalen oft sehr nahe kommen – etwa „griechische“ Vasen, die um 1900 auf Sizilien gemalt wurden.

          Sind Sie häufig mit Fälschungen konfrontiert?

          Ja. Von zwanzig Leuten, die mir Stücke anbieten, muss ich neunzehn enttäuschen. Ich habe kürzlich gemeinsam mit einer Ägyptologin eine Salzburger Sammlung begutachtet, die in sechzig Jahren zusammengetragen worden ist. Ihr Besitzer kaufte in Ägypten, als es dort noch möglich war, und die Händler haben ihm unheimlich viel Falsches dazugemischt – mindestens achtzig Prozent sind nicht echt. Aber auch ich habe im Vorjahr in Südfrankreich eine ägyptische Bronze-Statuette einer Katze gekauft, die von außen tadellos echt wirkte. Erst als mein Restaurator in Wien den Sockel abnahm, stellte sich heraus, dass die Reste des Gusskerns aus einer modernen Betonlegierung waren. In einem führenden amerikanischen Auktionshaus war kurz darauf eine ähnliche, größere und viel teurere Katze gelistet, die aus derselben Fälscherwerkstatt stammte. Die Katze wurde nach einem Hinweis von uns noch rechtzeitig zurückgezogen.

          Haben die Experten dort versagt?

          Was zählt, ist der tagtägliche Umgang mit den Objekten. Bis bei mir etwas gelistet wird, vergehen Wochen und Monate. Im Auktionshaus fehlt oft die Zeit für so eine genaue Untersuchung. Zudem konnte ich während der zehn Jahre, die ich selbst Sammler war, ein sehr gutes Netzwerk von befreundeten Händlern und Wissenschaftlern aufbauen.

          Welche Objekte werden bei Ihnen am stärksten nachgefragt?

          Immer noch Ägypten. Ich habe gerade eben eine Bronze-Statuette der „Isis Lactans“ nach Sydney verkauft. Eine Privatinitiative von Ägyptologen baut dort eine Sammlung auf und hat mich über das Internet gefunden. Mein großer Vorteil besteht darin, dass meine Preise dreißig bis vierzig Prozent unter denen von Schweizer oder Londoner Händlern liegen, weil ich hier in Wien ganz anders wirtschaften kann. Die Mieten sind nicht so hoch, zudem habe ich Zugang zu ganz großartigen Sammlungen in dritter und vierter Generation, die sich seit der Eröffnung meiner Galerie wieder in die Öffentlichkeit wagen.

          Warum existierte da eine Hemmschwelle?

          Die hiesigen Sammler waren absolut ruhig, man wusste gar nicht, dass es sie gibt. Oft bestand die Furcht, man dürfte die Sammlung des Großvaters gar nicht besitzen. Wir nehmen den Leuten jetzt diese Verunsicherung und bieten ihnen einen Ort der Kommunikation.

          Der Antikenhandel hat derzeit kein gutes Image. Wie sehen Sie als österreichischer Händler das deutsche Kulturgutschutzgesetz von 2016?

          Meiner Meinung nach hat das Gesetz dem internationalen Handel nicht geschadet. Ich brauche in Österreich seit jeher für jedes Stück, das ins Ausland geht, eine Ausfuhrgenehmigung. Wenn ich etwa eine einfache Öllampe für 120 Euro nach München verkaufe, dann muss der Kunde rund vierzehn Werktage warten, bis das Bundesdenkmalamt die Ausfuhr erstellt. Mit dem Kulturgutschutzgesetz ist der Wettbewerb für mich ausgeglichener. Vorher konnten die deutschen Händler und Auktionshäuser mehr oder weniger alles annehmen und ankaufen. Da haben die Sucher aus Bulgarien und Serbien (das sind Sondengänger und ähnliche „Hobby“-Archäologen) einfach ihre Ware abgeliefert, oft phantastische – echte – Bronzen, die nicht selten billigst verscherbelt wurden, weil sie keine Provenienzen hatten.

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