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Der Fall „Kandinsky“ : Berechtigte Zweifel?

Kandinskys Aquarell „Zwei schwarze Flecke“ ist das Spitzenlos in der kommenden Auktion bei Lempertz. Doch die Erben von Sophie Küppers, der Kandinsky das Werk einst schenkte, hegen Zweifel an der im Katalog verzeichneten Provenienz.

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          Bezüglich der im Lempertz-Katalog verzeichneten Provenienz von Kandinskys Aquarell „Zwei schwarze Flecke“ melden die Erben von Sophie Küppers-Lissitzky Zweifel an. Kandinsky schenkte das Blatt, wohl 1924, Sophie Küppers. Die Erbengemeinschaft um Jen Lissitzky ist der Auffassung, das Werk stehe in ihrem Eigentum. Lissitzky ist der Sohn von Sophie Küppers und dem Maler El Lissitzky, mit dem sie seit 1926 in zweiter Ehe verheiratet war und dem sie 1927 in die Sowjetunion folgte.

          Bei ihrer Emigration aus Deutschland überließ Sophie Küppers-Lissitzky dem Provinzialmuseum Hannover (heute Niedersächsisches Landesmuseum) sechzehn Kunstwerke als Leihgaben; dreizehn von ihnen wurden bei der Aktion „Entartete Kunst“ 1937 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Entscheidend ist nun, ob auch „Zwei schwarze Flecke“ zu diesen Werken gehört.

          Lempertz argumentiert, Sophie Küppers-Lissitzky habe das Blatt nicht nach Hannover gegeben, sondern in den späten zwanziger Jahren aus Dankbarkeit einer Bekannten geschenkt - im Katalog als „Privatsammlung Deutschland“ verzeichnet. Deren Erben gaben es 1989 zur Auktion, ebenfalls bei Lempertz. Das Auktionshaus erklärt, dass die Herkunft des Blatts durch Testamente lückenlos belegt sei. Die Lissitzky-Anwälte versuchen demgegenüber, mittels des Inventarbuchs des Provinzialmuseums nachzuweisen, dass sich das Aquarell unter den von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Werken befunden habe; im Inventarbuch ist allerdings eine „farbige Litho“ verzeichnet. Außerdem berufen sie sich auf den Eintrag „Aquarell“ in einer Liste der Leihgaben, die Sophie KüppersLissitzky erstellt habe.

          Das Kunsthaus Lempertz steht außerdem auf dem Standpunkt, der Ersteigerer im Jahr 1989 sei gutgläubig Eigentümer des Werks geworden und sieht dies durch ein Urteil des Landgerichts Köln bestätigt. Die Lissitzky-Erben bestreiten dies. Im Jahr 2002 war es zu einer außergerichtlichen Einigung gekommen zwischen den Lissitzky-Erben und Ernst Beyeler, was Kandinskys eminentes Gemälde „Improvisation Nr. 10“ aus dem einstigen Besitz von Sophie Küppers-Lissitzky betrifft. Die Vergleichssumme ist bis heute unbekannt, der Marktwert des Gemäldes wurde damals auf 25 bis 27 Millionen Euro geschätzt.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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