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Ex-Louvredirektor verhaftet : Wüstengold

  • -Aktualisiert am

Jean-Luc Martinez, der ehemalige Direktor des Pariser Kunstmuseums Louvre Bild: dpa

Der Louvre war ihm nicht genug: Der ehemalige Direktor des Weltmuseums, Jean-Claude Martinez, soll illegal geraubte Kunstwerke und ägyptische Altertümer im Wert von über fünfzig Millionen Euro nach Abu Dhabi vermittelt haben.

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          Krieg, Kunst, Korruption. Es geht um Fälschungen und Hunderte von echt geraubten Schätzen der Antike. Schauplätze ihres Verschwindens sind „politisch unstabile“, meist von Kriegen heimgesuchte Länder in der arabischen Welt.

          Von einem Verbrechen bisher „unerreichten Ausmaßes“ spricht die französische Polizei, die seit vier Jahren an seiner Aufklärung arbeitet. In den Skandal verwickelt sind notorische Diebesbanden, korrupte Experten und renommierte Galerien, Auktionshäuser, Museen. Im Zentrum stehen der Louvre und seine Zweigstelle in Abu Dhabi, der für Dutzende von Millionen Raubkunst verkauft wurde. Das umstrittene Museum in der Wüste, das für sein Mutterhaus in Paris Millionengewinne generieren muss, erscheint neben den geplünderten Ländern als hauptsächlichstes – aber wohl ziemlich williges – Opfer der undurchsichtigen Affäre.

          Geldwäsche und Bandenkriminalität

          Sie wurde publik, weil der „Canard enchaîné“ von der Verhaftung des langjährigen Leiters des Louvre berichtete: Jean-Claude Martinez ist der Geldwäsche und der „Komplizenschaft von Bandenkriminalität“ angeklagt. Als mögliches Motiv nennt die Polizei die „Finanzierung des Terrorismus“.

          Martinez wurde seine Tätigkeit an der Spitze der „Agence France Muséums“ zum Verhängnis. Sie musste die Authentizität und Herkunft der Werke überprüfen, die von und für Abu Dhabi erworben wurden. Einer der spektakuläreren Fälle betrifft eine Tutanchamun-Stele aus Rosengranit. Für sie wurden dem geblendeten Museum in der Wüste 8,5 Millionen Euro verrechnet. Als der französische Ägyptologe Marc Gabolde das Museum wenige Tage nach seiner Eröffnung besuchte, hatte er den Eindruck einer Fälschung: „Ich kannte diese Stele nicht.“ Er meldete den Verdacht dem im Louvre zuständigen Vincent Rondot sowie dem Ägyptologen Olivier Perdu vom Collège de France.

          Es kam zu mehreren Begegnungen – auch mit Martinez. Laut der Zeitung „Libération“, die Einsicht in die Anhörungsprotokolle hatte, wurde Gabolde deutlich gemacht, dass er seine Nachforschungen einstellen und schweigen solle. Gegen Rondot und Perdu wird nicht weiter ermittelt. Gegen Martinez aber wurde ein Verfahren eingeleitet, „sicher nicht nur wegen dem Maulkorb“ für Gabolde, kommentiert „Libération“. Nach Stand der Dinge sind die meisten der unter der Verantwortung von „France Muséums“ erworbenen Objekte im Gesamtwert von über fünfzig Millionen „zweifelhafter Herkunft“. Die Echtheit der Tutanchamun-Stele werde hingegen von sieben Dokumenten bestätigt. „Die Welt der Kunst zittert“, schreibt „Libération“. Und wir reiben uns wieder einmal die Augen.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

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