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Auktionator Simon de Pury : Er liebt das große Spiel

In Aktion: Simon de Pury 1995, damals Europachef von Sotheby’s, bei der Auktion der Markgrafensammlung Baden im Neuen Schloss in Baden-Baden. Bild: picture-alliance / dpa

Stets dort zu finden, wo sich eine Bühne für seine vielfältigen Talente öffnet: dem Auktionator, Kunsthändler, Unternehmer, Sammler und Künstler Simon de Pury zum Siebzigsten.

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          Der Kunstmarkt ist ohne den Namen Simon de Pury seit vier Jahrzehnten nicht vorstellbar. Er ist stets dort zu finden, wo sich eine Bühne öffnet, auf der er seine vielfältigen Talente entfalten kann. De Pury hat sich immer klar zur engen Liaison von Kunst und Mode, Stil und Glamour bekannt. Nie hat er einen Hehl daraus gemacht, dass Geld, also sehr viel Geld, dabei der Motor ist, und auch nicht daraus, dass er großen Spaß an diesem ganzen Zirkus hat. Und keiner kann das mit so viel Charme vertreten wie er, darin hat er Popstarqualität erreicht.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Geboren wurde der Auktionator und Händler, Sammler und selbst Künstler, Entrepreneur und im emphatischen Sinne Impresario 1951 im beschaulichen Basel. In den siebziger Jahren begann er, für das Auktionshaus Sotheby’s zu arbeiten, stieg dort zum Chairman für Europa und Chefauktionator auf. Man konnte ihn am Pult erleben, als er 1995, damals bei Sotheby’s angestellt, neben dem vor fünf Jahren verstorbenen Christoph Graf Douglas mit viel Verve und Witz die Versteigerungen mit dem Besitzstand der Markgrafen von Baden auf dem Neuen Schloss in Baden-Baden leitete.

          Unternehmer in eigener Sache

          Zwei Jahre später verließ er das Unternehmen, um mit der Händlerin Daniella Luxembourg eine eigene Gesellschaft aufzumachen, die nach ein paar Jahren zu Phillips, de Pury & Company mutierte; das britische Auktionshaus Phillips hatte kurz zuvor der französische Luxusgüterkonzern von Bernard Arnault gekauft. Als die Firma von der russischen Handelsgruppe Mercury übernommen wurde, um weiter unter dem Namen Phillips zu agieren, gab er seine Anteile daran ab.

          Der Mann mit dem Hammer: Simon de Pury 2019 in Los Angeles.
          Der Mann mit dem Hammer: Simon de Pury 2019 in Los Angeles. : Bild: Picture Alliance

          Sein nächster Schritt war 2013 die Gründung der Beratungsagentur de Pury & de Pury, gemeinsam mit seiner damaligen Frau Michaela Neumeister. Im Jahr 2018 gelang es ihm tatsächlich, dass der Londoner Highcourt ihm die zehn Millionen Dollar zusprach, die er per Handschlag als Gebühr für die Vermittlung von Gauguins Tahiti-Gemälde „Nafea Faa Ipoipo“ an den Scheich von Katar mit dem Chef des Schweizer Familientrusts Staechelin vereinbart hatte. Dem war der erzielte Preis von 210 Millionen für das Werk, das eine Weile als „teuerstes Bild der Welt“ für 300 Millionen Dollar kolportiert wurde, zu wenig erschienen.

          Zuletzt hat es de Pury aufs Land gezogen, als er 2020 „Newlands House“ eröffnete, eine Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst in der Stadt Petworth in West Sussex, nicht weit weg von London. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sein umtriebiger Esprit sich absehbar zur Ruhe setzen wird. Wir erwarten seine weitere Beteiligung am globalen Spiel und gratulieren ihm zum heutigen 70. Geburtstag.

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