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DC Open im Rheinland : Es wird Zeit für einen Regenschirm

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Berlin, hab acht! Neuentdeckungen, Rückblicke und viel Fotografie prägen die Galerieausstellungen der Düsseldorf Cologne Open.

          Es ist wieder „DC Open“. Kölner und Düsseldorfer Galerien eröffnen an diesem Wochenende gemeinsam, und auch wenn noch nicht das ganz große internationale Publikum, dass sich etwa auf dem Berliner Gallery Weekend tummelt, im Rheinland zu sehen ist: Die DC Open haben sich als fester Termin etabliert; selbst die „abc“ in Berlin hat sich darauf verlegt, eine Woche nach den DC Open anzutreten (nur einige wenige Galerien eröffnen dort schon diese Woche), allein die „Brussels Art Days“ machen Köln Konkurrenz.

          In Köln zeigt Greve eine Schau mit Werken des Ende Juni mit 63 Jahren verstorbenen Norbert Prangenberg, die dieser noch selbst plante. Greve versammelt Werke des Malers und Bildhauers seit 1980. Neben seinen aus Terrakotta gebauten, archaischen Vasenskulpturen zeigt Greve großformatige Leinwände und Papierarbeiten (Preise von 5600 bis 65.000 Euro).

          Eine Gedenkausstellung der anderen Art richtet der 1954 geborene Walter Dahn bei Figge von Rosen ein. Er versammelt neben eigenen Werken Arbeiten von Bas Jan Ader, Pieter Laurens Mol und Daan van Golden. Bas Jan Aders berühmtes filmisches Selbstporträt „I am too sad to tell you“ aus dem Jahr 1971 flackert nun neben Daan van Goldens Porträts seiner Tochter. Dahn selbst stellt eine vergilbt wirkende Fotografie einer Blumenwiese und seine in Museumsvitrinen aufgenommenen Stillleben den Landschaftsaufnahmen von Pieter Laurens Mool gegenüber (Preise von 2500 bis 36.000 Euro).

          Abstraktionen von Albert Oehlen

          Daniel Buchholz zeigt fast alle „Invented Acoustical Tools“, die der amerikanische Künstler, Filmemacher und Musiker Tony Conrad seit 1966 erfunden hat. Ein Plastikkanister für Apple Cider wird mit ein paar Anschlüssen aus dem Baumarkt zum vielseitig einsetzbaren Klangkörper; eine Aluminiumschale, in der sonst Essen serviert wird, verwandelt sich mit zwei Antennen zum Weltempfänger: Der 1940 geborene Conrad erfindet Instrumente für bislang ungehörte Töne (Preise von 5000 bis 40.000 Dollar). Hammelehle und Ahrens arrangieren eine generationenübergreifende Begegnung von Matthias Schaufler und Albert Oehlen sowie der 1940 geborenen Martha Jungwirth.

          Ihre Selbstporträts mit ihrer Nähe zu Francis Bacon bestechen, während Schauflers verschlossene Selbstbildnisse eher an die verquälte Befindlichkeit eines Egon Schiele denken lassen. Dazu flirren in der Galerie neue Abstraktionen von Albert Oehlen, die ohne Collage und Sampling auskommen und allein auf malerische Gesten vertrauen (Preise von 11.000 bis 176.500 Euro). Die beiden Galeristen folgen außerdem dem Trend zur Kunst in der Kirche, und zeigen in der von Gottfried Böhm entworfenen Kirche St.Gertrud bis zu acht Meter hohe Raumkörper aus Stoff, die der französische Künstler Vincent Tavenne im effektvoll brutalistischen Kirchenraum an der Krefelder Straße installiert (Preise 3800 bis 35.000 Euro).

          Abstraktion mit konkreten Ursprüngen

          Mirko Mayer eröffnet zur DC Open seine Galerie an der Kölner Erftstraße. Er zeigt Zeichnungen von Colin Cook. Seine „Drawings with Bill“ haben den 1968 in Ohio geborenen, heute in Paris lebenden Künstler bekannt gemacht. Bill ist Cooks Freund, und Bill ist kein Künstler, sondern Klempner. Und Bill zeichnet Colin, so, wie er es eben kann (Preise von 7000 bis 18.000 Euro). Ebenso skurril sind die knallbunten Diagramme, in denen der New Yorker Künstler Ward Shelley die Welt erfasst: In seinen mäandernden Schleifen und Blasen bei Teapot finden Frank Zappa, sein persönlicher Kosmos Brooklyn und Verschwörungstheorien auf überaus unterhaltsame Weise zusammen (Preise von 6500 bis 8000 Euro).

          In Düsseldorf präsentiert Clara Maria Sels die zweite Schau des 1982 geborenen Künstlers Sebastian Riemer, der bei Thomas Ruff und Christopher Williams studierte. Seine abstrakt wirkenden Fotos haben konkrete Ursprünge: Computerbilder, Werbung für Knöpfe, eine mit verblichenen Aufklebern übersäte Wand, die Riemer zu einem abstrakten, fünf Meter langen Fries vergrößert (Preise von 1200 bis 8500 Euro).

          Mit verkleistertem Pferdehaar

          Sies+Höke zeigen neben neuen Arbeiten von Claudia Wieser neue, fotografische Selbstporträts von Thalia Chetrit aus Brooklyn, die den eigenen schwarz verhüllten Körper durch die Hand eines Mannes berühren und dadurch erst sichtbar werden lässt (Preise 1700 bis 26750 Euro). Auch in Flingern gibt es Fotografie zu entdecken: Petra Rinck zeigt „Old Abstraction“ des 1958 geborenen Bildhauers Andreas Wegner. Er befasst sich mit Konsum, der Ware als Fetisch und ihrer Präsentation in Displays. Dazu fotografiert er geschliffene Kristallobjekte, als sei ein Bauhaus-Künstler der zwanziger Jahre am Werk (Preise von 600 bis 5900 Euro).

          Bei Van Horn erkundet Sammler und Kurator Wilhelm Schürmann junge Kunst aus Japan, die er, wie man es von ihm kennt, mit Werken aus der eigenen Sammlung verschränkt (Preise nur auf Anfrage). Konrad Fischer zeigt Peter Buggenhout. Der 1963 geborene Belgier arbeitete als Maler, bis er eines Tages seine bisherigen Werke schredderte und sich der Skulptur zuwandte. Seine aus Pferdehaaren, Styropor und Schrott zusammengesetzten Skulpturen überzieht er mit Kleister, bevor er sie mit gereinigtem Industriestaub besprüht (Preise von 25.000 bis 50.000 Euro.)

          DC-Premiere feiert in diesem Jahr Max Mayer mit einem neuen Fotoportfolio des 1970 in Peru geborenen, kanadischen Künstlers Luis Jacob, der getreu dem Motto der „Migration der Form“ schon auf der letzten Documenta über innere Logik und überraschende formale Zusammenhänge von Kunst nachdachte. Seine neue Serie „Show your Wound“ untersucht, was Heiligenfiguren mit monochromer Malerei zu tun haben (Preise auf Anfrage). Auch in diesem Jahr lohnt der Weg hinaus aus der Stadt zu Ute Parduhn in Kaiserswerth. Sie vertritt Thomas Bayrle und zeigt Papiermaschinen, ein bedrucktes Regencape aus Plastik sowie den Objektkasten „Bonnie+Clyde“ aus dem Jahr 1960 (Preise auf Anfrage).

          Am 8. September im gedruckten Kunstmarkt der F.A.Z.

          Funktionärssteigerung: Wie sich kultivierte Funktionäre und die Volksbefreiungsarmee um den chinesischen Kunstmarkt verdient machen: als Akteure mit eigenen Gesetzen. Eine „Kleine Typologie des chinesischen Kunstmarkts“ von Mark Siemons lesen Sie am Samstag, den 8. September im Kunstmarkt der F.A.Z. .

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