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DC Open Galleries : Wieder Blick nach vorn

  • -Aktualisiert am

Die Düsseldorf Cologne Open Galleries bringen auch in diesem speziellen Jahr die zeitgenössische Kunst aus beiden Städten zusammen.

          3 Min.

          Plötzlich reden im Rheinland alle von der Caravan-Messe. Die ist jetzt in Düsseldorf angelaufen und erwartet während der gesamten nächsten Woche täglich 20000 Besucher. Wenn das genehmigt ist in Zeiten der Pandemie, so hoffen viele Galeristen, wird sich auch die Art Cologne im November wie geplant durchführen lassen, die sich – anders als die gerade offiziell abgesagte Art Basel Miami Beach im Dezember – nach wie vor auf der Agenda befindet. Im kommenden April steht dann auch wieder die Art Düsseldorf auf dem Programm (von der sich viele Galerien der Region, dem Vernehmen nach, fürsorglicher betreut fühlen als von der großen Kölner Konkurrenz). Allenthalben wird erwartet, dass die Art Cologne dann 2021 wieder endgültig in den Herbst wechselt, wo sie früher stattfand.

          Zunächst aber starten die rheinischen Galerien an diesem Wochenende in die Herbstsaison, und auch hier erweist sich manches als machbar, wenn es mit dem nötigen Nachdruck betrieben wird. So hat Jan Kaps in Köln bei den Behörden erwirkt, dass seine Künstlerin Berenice Olmedo zur Eröffnung aus Mexiko-City nach Köln einreisen konnte. In einer der beiden Ladengalerien hat sie ein Lazarett aus aufblasbaren Orthesen eingerichtet, wie sie in ihrer Heimat bei Knochenbrüchen und Funktionsausfällen in Krankenhäusern Verwendung finden: mit Luftschläuchen verkabelt, ein System wie am Tropf. Die 1987 geborene Künstlerin verteilt die medizinischen Geräte als pneumatische Skulpturen auf dem Boden. In einer entschleunigten Choreographie sacken die Stützelemente aus Kunststoff in sich zusammen, um mit einem hörbaren Luftstoß bedächtig wieder aufgerichtet zu werden. Das makabre kinetische Ensemble kündet von Erschöpfung und zäher Selbstbehauptung. (Preise 5.000 bis 30.000 Euro; bis zum 7. November.)

          Etwas komplizierter gestaltete sich die Einreise Ei Arakawas aus Los Angeles nach Düsseldorf zur Galerie Max Mayer, der mit der Galerie seines Vaters Hans Mayer in die ehemaligen Räume der Galerie Schmela umgezogen ist, womit ein bedeutsames Kapitel Düsseldorfer Galeriegeschichte vielversprechend fortgeschrieben wird. Der Performance-Künstler musste kurzzeitig als dringende „ausländische Fachkraft“ der Galerie unter Vertrag genommen werden und konnte dann in den von Aldo van Eyck erbauten Ausstellungsräumen seine grob gerasterten LED-Bilder einrichten. In ihnen blinken unterschiedliche Währungen von Yen, Pfund Sterling, Euro und Dollar auf, mit denen der 1977 im japanischen Fukushima geborene Arakawa seine Honorare als Performer in Museen und Institutionen offenlegt – und damit auf eine instabile ökonomische Gegenwart hinweist. (Preise 16.000 bis 18.000 Euro; bis zum 31. Oktober). Im Obergeschoss bietet Hans Mayer eine Skulptur von Nam June Paik, den „Eco-Lumbus Robot“ von 1991, für 750.000 Euro an (bis zum 22. November).

          Die Hoffnung auf Betrieb nach einem halben Jahr Flaute schlägt sich in vielen guten Ausstellungen dieser „DC Open 2020“ nieder. In der Kölner Galerie Drei hat die Berliner Kuratorin Kathrin Bentele eine kleine Gruppenschau über die „transformative Kraft der Wiederholung“ eingerichtet. In ihrem Zentrum steht Loretta Fahrenholz’ Film „Mashes of the Afternoon“, entstanden nach dem surrealen, feministischen, rätselhaften Experimentalfilm von Maya Deren, „Schlingen des Nachmittags“. Zahlreiche andere haben den Stummfilm bis heute nachgedreht; Fahrenholz stückelt Szenen aus diesen Wiederaufnahmen aneinander und setzt dem Kult-Werk aus dem Jahr 1943 so ein Denkmal. (Preise 3600 bis 20.000 Euro; bis zum 31. Oktober.) Nebenan installiert der dänische Maler Peter Bonde bei Natalia Hug seine „Book Paintings“ und andere, teils verspiegelte Abstraktionen an rohen Alu-Stangen, die im Boden und an der Decke verankert sind. Er verneigt sich mit seinen Werken nach eigenem Bekunden vor der Bildhauerin Cady Noland und konfiguriert seine Bilder zugleich in vielansichtigen, variablen Assemblagen. (Preise 4000 bis 47.500 Euro; bis zum 17. Oktober).

          Die Kölner Galerie Nagel Draxler zeigt Malereien nach Memes von Christine Wang. Die in San Francisco lebende Künstlerin kommentiert in ihren Bildern ikonische Momente von Reality-TV-Größen und Filmstars wie Kim Kardashian, Kevin Spacey, Bob Ross und Kayode Ewumi mit Phrasen über die Covid-19-Pandemie – ein schonungsloser Fotorealismus (9000 bis 16.000 Euro; bis zum 7. November). Klug verzahnt sind abstrakte Formen, Symbole, Chiffren in den kleinen Bildern von Anne Neukamp bei Linn Lühn in Düsseldorf: Sie entfachen allerlei Aporien zwischen Fläche und Raum. In einem Look von Patina, sprödem Kolorit und scharfen Konturen scheint die Berliner Malerin gleichermaßen aus Pop und Minimal Art zu schöpfen (9000 bis 12.000 Euro; bis zum 24. Oktober).

          Die Abstraktion und ihre Geschichte ruft Melissa Gordon in ihren großen Formaten in der Düsseldorfer Galerie Cosar auf, versieht sie mit allen erdenklichen Insignien einer lange Zeit männlich dominierten Malkunst, vom Raster bis zur expressiven Geste. „Female Readymades“ nennt die 1981 in Boston geborene, in Brüssel lebende Malerin ihre Bilder, in denen sie die Stile und Techniken in lockerer Manier aufmischt (13.000 Euro; bis zum 10. Oktober). Doch, es gibt einiges zu sehen im Rheinland.

          DC Open; die Galerien sind am 5. September von 11 bis 20 Uhr und am 6. September von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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