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DC Open Galleries : Beste Freundfeinde

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Köln und Düsseldorf können auch gemeinsam: Die DC Open führt Galerien beider Städte zusammen, die an diesem Wochende ihre Türen öffnen.

          Wenn in Düsseldorf eine neue Kunstmesse an den Start geht, kommt das in Köln gar nicht gut an. Noch immer ist deshalb hier und da im Rheinland ein Grummeln zu vernehmen wegen der Art Düsseldorf, die im vorigen Jahr ein durchaus ansprechendes Debüt hingelegt hat – was die Art Cologne als Kampfansage verstanden hat. Der zweite Düsseldorfer Messeauftritt steht im November an und soll – das bekräftigen alle, die sich daran beteiligen – unter den Unruhen an der Spitze des federführenden Basler Veranstalters, der MCH Group, nicht leiden. Derweil tun sich an diesem Wochenende zum zehnten Mal die rheinischen Galerien zusammen: Die „Düsseldorf Cologne Open“ sollen auswärtige Sammler locken und überhaupt wieder mehr Besucher akquirieren, die sich, so die einhellige Erfahrung der Galeristen nicht nur im Rheinland, rarmachen – weil sie etwa denken, all die Kunst könnte man sich auch zu Hause im Internet anschauen.

          Bei den großen Bildern der Kölner Malerin Sabrina Fritsch in der Düsseldorfer Galerie Van Horn funktioniert das schon mal gar nicht. Ihre mintgrünen, violetten und nachtdunklen Farbarchitekturen lassen sich kaum abbilden, man muss schon davorstehen und sich auch ein bisschen Zeit nehmen für diese Neuauflage von Hard-Edge-Malerei, deren Symmetrien die Künstlerin durch wulstige Farbbalken durchkreuzt. „Skin“ nennt Fritsch ihre dritte Ausstellung bei Van Horn; der Farbe mischt sie Sand unter, um die Oberflächen, ihre Haut eben, zu variieren und aufzurauen. So wird das Licht von den Bildern absorbiert oder diskret gespiegelt. (Preise von 2400 bis 16.000 Euro; bis zum 2. November.)

          Ganz und gar analog sind auch die großen Zeichnungen von Arno Beck in einer kleinen Gruppenschau der Kölner Galerie Falko Alexander. Elemente aus Grafikprogrammen und Computerspielen tippt der 1985 in Bonn geborene Künstler in eine Schreibmaschine mit extrabreitem Schlitten. Diese Buchstabenpartituren flirten mit Eyecatchern wie aus dem Videospiel „Super Mario“, sind aber, darin echt charmant, handgemacht (bis zum 20. Oktober).

          Erproben unkonventioneller Formate

          Bei den „DC Open“ probieren die Aussteller Jahr für Jahr unkonventionelle Formate aus, diesmal haben sie Jamie Stevens vom New Yorker Artist’s Space als Gastkurator eingeladen – der Kunstagent verkuppelt sieben Galerien mit Künstlern aus internationalen Off-spaces, Musiklabels und Verlagen. Allzu viel Profit lässt sich für die Galerien aus diesem Modell nicht schlagen, selbst in Düsseldorf wird es von der Stadt Köln gefördert. Der Galerist Lucas Hirsch kooperiert mit der Londoner Non-Profit-Galerie Piper Keys und zeigt eine kleine Soloschau von Manuela Gernedel – diese gibt Einblick in ihre Studiopraxis nach der Geburt des zweiten Kindes. Die in London lebende Österreicherin (Jahrgang 1982) macht die Küche zum zentralen Sujet und zeichnet den Blick in die ungemachte Spüle: Stillleben mit Bratpfanne und der Form für die Muffins, Besteck, Geschirr und was sich sonst so ansammelt, gehen in Serie – ergänzt durch drei sarkastische Embryos in gebranntem glasierten Ton, die im Schaufenster grüßen, als Beitrag zu einem selbstironischen Feminismus (Preise von 1000 bis 3500 Euro; bis zum 30. September).

          Auf Einladung der fernöstlichen Samdani Art Foundation reiste die Bildhauerin Monika Sosnowska unlängst nach Sylhet in Bangladesch, um sich dort in einem entstehenden Skulpturenpark umzutun. Was der polnischen Künstlerin ins Auge stach, waren Architekturen im Rohbau, die sie zu ihren Werken in der Galerie Gisela Capitain in Köln inspiriert haben. Ein kleines Heft mit Fotos zeigt Aufnahmen von Baustellen, über Kopf geführtem Kabelwerk, bewohnten Ruinen und ruinösen Rohbauten in einer Welt, die einem ewigen Provisorium gleicht. Aus nacktem Beton lässt Sosnowska Moniereisen sprießen, oder sie stapelt zylindrische und quaderförmige Elemente aus Zement zu Säulen.

          Was in gebogenem Eisen und gebrochenem Beton als expressive künstlerische Geste erscheint, wäre auf dem Bau ganz einfach Arbeit, die noch zu erledigen ist. Man kann sich solche Werke aber kaum ansehen, ohne die Geschichte der modernen, sockellosen Skulptur von Constantin Brâncuşi bis zu Isa Genzken abzurufen. Eine komplett in Grün getauchte Skulptur wiederum spielt auf die Praxis im sozialistischen Polen an, die Außenwelt bei repräsentativen politischen Anlässen durch raschen Anstrich zu übertünchen und ansehnlicher zu machen (Preise von 50.000 bis Euro; bis zum 20. Oktober).

          Rückführung in die sechziger Jahre

          Auf Kunsthandel verlegt sich die Galerie Sies+Höke in einer bestechend kuratierten Gruppenausstellung von Gerhard Richter, Konrad Lueg, Sigmar Polke und Gilbert&George. Die mit zahlreichen unverkäuflichen Leihgaben unterfütterte Schau „Living Sculptures“ führt in die sechziger Jahre zurück und demonstriert mit Objekten, Gemälden, Zeichnungen und Fotografien, wie sich damals im Rheinland eine völlig eigene Vorstellung aktueller Kunst formierte. Pop, Performance, Inszenierung und Happening gingen munter ineinander über, der Werkbegriff wurde porös gemacht.

          Wie sich die Künstler im Dunstkreis der damals gegründeten Avantgardegalerie Konrad Fischer wechselseitig anstachelten, zeigt sich allein in den Fotos und Bildern, die Richter von Gilbert & George aufnahm und malte. Zum Verkauf stehen ein gebeugtes Weißweinglas des britischen Künstlerduos, das als Rarissimum gilt (für 28.000 Euro in einer Auflage von ursprünglich 30 Exemplaren), und ein stattliches Hochformat von Konrad Lueg mit gemaltem und gedrucktem Muster für 260.000 Euro. In einer gemeinschaftlichen Fotoserie von Polke und Richter aus dem Jahr 1968 verwandeln sich die Alpen in eine Kugel (8500 Euro), woraufhin Richter auf die Aluminiumkugel in seinem Werk immer wieder zurückkommt. Die Schau hat musealen Charakter und ist unbedingt sehenswert (bis zum 31. Oktober).

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