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DC Open 2016 : Vom Rheingold und anderen Oden

  • -Aktualisiert am

Die „DC Open“ vereint Galerien in Köln und Düsseldorf zum Saisonstart. Ein Besuch bei Daniel Buchholz und Ginerva Gambino in Köln und bei Van Horn und Hans Mayer in Düsseldorf.

          Nicht weniger als dreimal hat Tony Conrad an der Documenta teilgenommen, in den Jahren 1972, 1977 und 1992 war er in Kassel dabei: Ist er deshalb einem größeren Publikum bekannt, berühmt gar? Er ist es eher weniger. Umso mehr darf er als artist’s artist gelten, als Künstlerkünstler, einer, der außerordentlich auf andere Kollegen wirkte. Conrad sei den avantgardistischen Vorstößen in den sechziger Jahren immer um gut fünf Jahre voraus gewesen, nur habe das kaum jemand so recht bemerkt – und ihn selbst habe dies auch niemals verbittert, hat Diedrich Diederichsen, der Kunst- und Poptheoretiker, einmal festgestellt. Eigentlich als Mathematiker in Harvard ausgebildet und als Programmierer tätig gewesen, hatte sich der 1940 in Concord in New Hampshire geborene Künstler in New York einen Namen gemacht. Er war Video- und Performancekünstler, experimenteller Musiker, Komponist, Soundartist, besonders aber auch ein Lehrer.

          In ihrer siebten Ausstellung insgesamt – und der ersten nach Tony Conrads Tod im April dieses Jahres – zeigt die Galerie Daniel Buchholz in Köln unterschiedliche Fassungen seines langjährigen Filmprojekts „Beholden to Victory“ (Dem Sieg verpflichtet): ein sarkastisches, über Jahrzehnte hin verfolgtes Unternehmen, das Conrad 1980 während einer Gastdozentur an der University of San Diego startete. Damals junge Künstler wie Tony Oursler und Mike Kelley oder der Kunsthistoriker Sheldon Nodelman, später der Verfasser einer profunden Studie über die Rothko Chapel in Houston, waren als Studenten zugegen und beteiligten sich als Schauspieler an dieser Parodie des Kriegsfilms, die Conrad bis 2007 wieder und wieder überarbeitete.

          Wirken und Fall von Helge Achenbach

          Das Genre diente ihm als Aufhänger, um Formen und Fehlentwicklungen von gesellschaftlicher, politischer und militärischer Autorität in den Vereinigten Staaten als Groteske zu enthüllen. Buchholz zeigt zwei Fassungen mitsamt originalen Regieanweisungen, die ihrerseits aus zahlreichen Verboten bestanden und so das Motiv des Films, Befehl und Gehorsam, verkörperten: keine erzählerische Logik, keine Perfektion, kein Schwenk, kein Zoom. In welcher Form die Filme und die dazugehörigen Dokumente veräußert werden könnten, sei noch offen, so der Galerist, weshalb auch ein Preis noch nicht mit dem Nachlass veranschlagt worden sei. (Bis zum 22. Oktober.)

          Aus einem anderen, gleichfalls grotesken Filmprojekt ist die Ausstellung von Alex Wissel in der jungen Kölner Galerie Ginerva Gambino hervorgegangen. Auch diese Schau ist Teil des Auftritts der „DC Open“, mit der die Galerien in Düsseldorf und Köln gemeinsam an diesem Wochenende die Saison einläuten. „Rheingold“ nennen der Künstler Alex Wissel und der Regisseur Jan Bonny ihre Persiflage des Kunstbetriebs, die unlängst, obwohl bislang nur aus einigen szenischen Skizzen bestehend, beim Filmfest München ihre Premiere feiern konnte.

          Im Mittelpunkt der Gesellschaftssatire stehen Leben, Wirken und Fall von Helge Achenbach, dem rheinischen Art Consultant, der noch die künstlerische Ausstattung des deutschen Mannschaftsquartiers Campo Bahia bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien vermitteln konnte, bevor er am Flughafen daheim festgenommen und später wegen Betrugs hinter Schloss und Riegel gebracht wurde. Lustvoll ergehen sich die Schauspieler Matthias Brandt und Joachim Król, die den Berater wechselnd verkörpern, in der (vermeintlichen) Rhetorik und den Usancen des Kunstbetriebs, imitieren das Palaver mit Niveau bei der Vernissage, gedreht im Museum Abteiberg in Mönchengladbach. Sie sinnieren über die „soziale Plastik“ und das fehlende Weekend in Zeiten der Ich-AG, während Wissel selbst als Joseph Beuys mit Goldstaub im Gesicht und einem Hasen im Arm auftritt.

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