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DC Open 2016 : Vom Rheingold und anderen Oden

  • -Aktualisiert am

High-Tech-Tresen aus Flachbildschirmen

Als „liebevolle Ode an das Rheinland“ hat Anna Czerlitzki dieses work in progress bezeichnet, aus dem eine TV-Serie hervorgehen soll. In drei großen, mit Buntstift aufs Papier gebrachten Zeichnungen skizziert der in Düsseldorf lebende Alex Wissel, Jahrgang 1983 und ehemals Meisterschüler von Rosemarie Trockel, in zarten Pastelltönen ironisch einige prägende Momente aus dem Leben des Kunstvermittlers: die Begegnungen mit Immendorff, Beuys, aber auch mit jenen Kunstliebhabern, die sich von ihm geschädigt sahen. „Kunst = Kapital“ – Beuys’ berühmter Schriftzug schwebt sinnfällig vor einem Aldi-Emblem. (Preise 4000 Euro. Bis zum 8. Oktober.)

In der Düsseldorfer Galerie Van Horn kann man es sich an einer stylishen Bar bequem machen. Sie stammt von Claus Föttinger, der mit solchem Mobiliar ebenjenes erwähnte deutsche Mannschaftsquartier Campo Bahia ausgestattet hatte – und demnächst als Darsteller in der Produktion „Rheingold“ auftreten soll. Der Hightech-Tresen besteht aus vier großen Flachbildschirmen, die, durch dickes Sicherheitsglas geschützt, für alle erdenklichen Inhalte offen sind.

In seiner ersten Ausstellung bei Van Horn aktualisiert Föttinger sein „Gallipoli-Projekt“: Über die Bildschirme laufen Fotos des geschichtsträchtigen Orts, an dem die Osmanen 1915, wenn auch verlustreich, die Entente-Mächte in die Flucht schlugen. Unter Erdogan erfährt diese Stätte seit einigen Jahren eine Re-Islamisierung. Föttinger, der dort seit 2004 in Seddülbahir eine Wohnung hält, nennt den Ort ein „osmanisches Disneyland“. Und was man am Tresen so alles lernen kann, nennt der Künstler „Social Sculpturing“. Seit seinen Anfängen beschäftigt sich der 1960 in Nürnberg geborene Bildhauer mit der Erinnerung an autobiographische Momente, wie die Kindheitserinnerungen an das Reichsparteitagsgelände: an die Umwidmung der Chiffren durch Reklamebanner für Fast Food („Jetzt wird gegrillt!“), die an die Stelle der Flaggen getreten waren; an Werbeaktionen von Möbelhäusern vor der Zeppelintribüne mit Güterwaggons der deutschen Bahn.

Krankenhäuser und Fassaden als Wirkungsfelder

In der Konsequenz seiner Sujets bündelt Claus Föttinger diese seine Eindrücke seit langem auf Lampenschirmen. Und überrascht bei Van Horn mit einer neuen Werkgruppe: mit Keramiken von Kokosnüssen, auf die Idee dafür war er in Brasilien gestoßen. Die Formen symbolisierten Möglichkeiten von Individualität, erklärt Föttinger. (Preise 2500 bis 95 000 Euro. Bis zum 22. Oktober.)

Als Wirkungsfelder ihrer Malerei fand Yuko Shiraishi in den zurückliegenden zehn Jahren wiederholt Krankenhäuser sowie Häuserfassaden im öffentlichen Raum. Die Japanerin erweitert damit unmittelbar plausibel das Color Field Painting der sechziger Jahre, auf das sie offenkundig Bezug nimmt, mit formalen Lösungen der New York School und ihrer Ausläufer. Das Selbst zu stärken: Diesen Impuls von Farbe und ihre soziale Funktion nimmt die 1956 geborene, in London lebende Malerin mit ihrer Ausgestaltung von Hospitälern im westjapanischen Nigata oder in ihrer Geburtsstadt Tokio beim Wort und verleiht sterilen Räumen, auch in Kinderkliniken, ein Licht, dessen Aufgabe sie sehr einfach beschreibt: Man solle sich gut fühlen.

In einem Statement zu ihrer Ausstellung in der Düsseldorfer Galerie Hans Mayer betont Shiraishi den Körper als Maß der Dinge in Bezug auf ihre Gemälde und nennt Agnes Martin als Vorbild. Das Licht der Farbflächen und der durch Linien gesetzten Intervalle wird durch die Wahrnehmung aktiviert, um dann zu strömen – und, wie die Künstlerin dazu feststellt, einen „Magnetismus“ auszulösen. Er wirkt. (Preise bis 20 000 Euro. Bis zum 30. September.)

DC Open,

geöffnet am Samstag, dem 3. September von 12 bis 20 Uhr, am Sonntag, dem 4. September, von 12 bis 18 Uhr.

www.dc-open.de

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