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David Zwirner : Er möchte eine Galerie in Europa haben

  • -Aktualisiert am

108, rue Vieille du Temple, die zukünftige Galerie von David Zwirner in Paris. Bild: Phillipe Servent

David Zwirner eröffnet eine Dependance in Paris. Die Kollegen im Marais-Viertel sind darüber erfreut .

          Der Deutsch-Amerikaner David Zwirner gehört nicht nur wegen eines auf mehr als 500 Millionen Dollar geschätzten Jahresumsatzes zu den größten und angesehensten internationalen Galeristen, sondern genauso wegen seines Einflusses und der Seriosität, mit der er agiert, schließlich wegen der Künstler im Portfolio. Der Sohn des bedeutenden Kölner Kunsthändlers Rudolf Zwirner vertritt aus der Moderne Anni und Josef Albers oder Paul Klee; Minimalisten und Konzeptkünstler wie Donald Judd, Fred Sandback und On Kawara; vor allem aber große Namen der Gegenwart wie Isa Genzken, Yayoi Kusama, Chris Ofili, Sigmar Polke oder Neo Rauch. Dass er nun für seine sechste Niederlassung Paris als Standort wählt, ist für die Stadt eine exzellente Neuigkeit. Erst 2018 hatte Zwirner, neben den drei Galerien in New York und einer in London, eine Dependance in Hongkong eröffnet.

          Sein seit 26 Jahren bestehender Kunsthandel boomt also, aber der neue Standort Paris bedeutet nicht nur Expansion, sondern ist auch eine Antwort auf den Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union. Der Brexit ändere die Spielregeln, erklärte Zwirner der „Financial Times“ zur Bekanntgabe der Pariser Neueröffnung: „Nach dem Monat Oktober wird meine Londoner Galerie britisch sein und nicht mehr europäisch. Ich bin Europäer und möchte eine europäische Galerie haben.“ Der Wahl-New-Yorker bleibt im Herzen Europäer und richtet sich taktisch auf die neue harte Grenze ein. Geboren 1964, wuchs er in den sechziger und siebziger Jahren über den Kölner Galerieräumen seines Vaters auf. In dessen Fußstapfen zu treten, entschied er sich jedoch erst nach einigem Zögern und einem Musikstudium in New York. Im Jahr 1993 gründete er seine Galerie dort im Kunstviertel SoHo.

          Brexit sorgt für Unsicherheit

          Der Brexit lässt logistische Probleme wie Transportverzögerungen und Einfuhrschwierigkeiten erwarten, die Handel und Leihgaben erschweren. Die Unsicherheit über die zukünftigen Regelungen hat es schon jetzt mit sich gebracht, dass Sammler die britische Insel verlassen. Selbst wenn London seinen Rang nicht verlieren wird, kann Paris mit seiner herausragenden Museums- und Galerienstruktur, außerdem mit seinen großen Sammlern nur Vorteile erwarten. Die Mehrwertsteuer für Kunstimporte beträgt in Frankreich 5,5 Prozent (in Deutschland sind es sieben Prozent); sie liegt nahe bei Großbritannien, wo sie mit fünf Prozent bislang die niedrigste in Europa war.

          Für die neue Pariser Galerie, die am 16.Oktober zur Kunstmesse Fiac mit dem amerikanischen Künstler Raymond Pettibon eröffnen wird, hat David Zwirner emblematische Räumlichkeiten gefunden: Sie wird in die 108, rue Vieille du Templeeinziehen. Dort hatte Yvon Lambert 1986 seine legendär gewordene Galerie gegründet. Nach der Schließung 2014 bespielte die VNH Gallery die 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Sie liegt in direkter Nachbarschaft zu den wichtigen Galerien von Thaddaeus Ropac, Karsten Greve oder Emmanuel Perrotin. Thaddaeus Ropac – der 1990, neben seinem Stammsitz in Salzburg, seine Pariser Filiale gegründet hat und 2017, kurz vor dem Brexit, mit einer weiteren Niederlassung nach London zog – sieht die Ankunft des „hochgeschätzten Kollegen“ eindeutig positiv. Man merke schon seit einiger Zeit, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung, dass Paris als wichtiger Handelsplatz sehr an Bedeutung zugewonnen habe: „Die Nachbarschaft von Zwirner wird zusätzliche Dynamik bringen.“ Für das Marais-Viertel sei es ein Vorteil, wenn dort weitere herausragende Ausstellungen stattfinden. Auch Karsten Greve, der – mit Galerien in Köln und im schweizerischen Sankt Moritz – im September sein dreißigjähriges Paris-Jubiläum feiert, begrüßt es sehr, dass sich David Zwirner im Marais niederlässt. Er werde gerade den internationalen Kunsthandel, den secondary market, verstärken. „Meine Vision war von Anfang an“, erinnert sich Greve, „Paris als wiedererstarktes europäisches Kulturzentrum zu sehen, wie es bis 1965 war.“ Im Frühjahr 2020 folgt ein weiterer Höhepunkt, wenn François Pinault in der restaurierten Bourse de Commerce seiner riesigen Sammlung, neben Venedig, auch in Paris eine Heimat gibt.

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