https://www.faz.net/-gqz-9yt2o

David Bowies Tapeten : Was macht Lucian Freud im Aquarium?

Monster für die Wand: David Bowie hat auch Tapetenmuster von speziellem Reiz entworfen. Sie kommen jetzt in einer Online-Auktion bei Sotheby’s zum Aufruf.

          1 Min.

          Erstaunliche Dinge verwundern nicht in David Bowies Lebenswerk. Auch sich selbst hat der 2016 gestorbene Ausnahmekünstler in multiple Personae aufgespalten und zur Kult- und Kunstfigur gemacht. Eher unerwartete Zeugnisse seines Schaffens tauchen nun in der Online-Auktion mit „Prints and Multiples“ bei Sotheby’s auf. Es sind zwei Tapetenrollen, deren Design Bowie selbst entworfen hat. Gedruckt hat sie für ihn die britische Firma Laura Ashley, bestens bekannt für völlig ungefährliches, gern geblümtes Wohlgefühl.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Tapeten entstanden für Bowies erste Solo-Ausstellung „New Afro Pagan Work: 1975–1995“ in der Cork Street Gallery in London im Jahr 1995. Die eine Rolle mit dem sprechenden Namen „Conflict“ trägt als wiederkehrendes Muster vor violettem Grund das Abbild von Lucian Freuds „Painter Working, Reflection“ aus dem Jahr 1993. Das frontale nackte Selbstporträt, das sich in einer anonymen Privatsammlung befindet, ist allerdings eingesperrt in eine Art Aquarium, wie es zuerst 1991 Damien Hirsts taxidermierten Tigerhai in Formaldehyd aufgenommen hat. Der Titel „Widerstreit“ passt da schon. Übrigens war Hirst 1995 auch mit Bowie gemeinsam künstlerisch tätig für großformatige „Spin Paintings“. Eines davon, „Beautiful, Hallo, Space-Boy Painting“, wurde in der Auktion mit Bowies Nachlass 2016 in London für 785 000 Pfund verkauft. Die Erwartung für „Conflict“ liegt bei 25.000 bis 40.000 Dollar, das Startgebot bei 18.000 Dollar.

          Die zweite Tapete hat den Titel „Minotaur“. Sie zeigt einen kriechenden oder kauernden Minotaurus, jenes mythologische Mischwesen aus Mensch und Stier, das zumal Picasso favorisierte, als Sinnbild vor allem eigener Virilität. Bowies Hommage an ihn ist auf 20.000 bis 30.000 Dollar geschätzt, bei einem Startgebot von 14.000 Dollar. Wobei sich Laura Ashley, so wird berichtet, das ursprüngliche „Minotaur“-Design „etwas geschmackvoller“ wünschte. Bowie meinte später, es sei eine gute Zusammenarbeit gewesen – „apart from the castration. They erased the Minotaur’s genitals.“ Das hätte Picasso gar nicht gefallen.

          Beide Motive sind vor den für Laura Ashley typischen floralen Hintergrund gesetzt, was einen besonders aparten Kontrast abgibt. David Bowies Neigung zu Mischwesen – zur Outer-space-Existenz Ziggy Stardust oder zur sphinxischen Figur auf dem legendären Cover des Albums „Diamond Dogs“ von 1974 – hat sich also auch für die Wand durchgesetzt. Außerdem stellt er sich in beste Tradition zu Andy Warhol, der ganze Räume mit seiner unvergessenen Kuh-Tapete bepflasterte. In der Online-Auktion kann noch bis zum 28. April geboten werden.

          Weitere Themen

          Was trinken die denn da?

          Heidi Klum und Snoop Dogg : Was trinken die denn da?

          „Chai Tea with Heidi“ heißt der Song, den Snoop Dogg mit Heidi Klum produziert hat. Der Rapper und die Model-Moderatorin sind ein kongeniales Team in der Tradition klassischer Slapstick-Duos.

          Skulpturen auf Bleistiftspitzen Video-Seite öffnen

          Kunstwerke in XXS : Skulpturen auf Bleistiftspitzen

          Der bosnische Künstler und Bildhauer Jasenko Đorđević schafft es, unglaublich winzige und dennoch detailreiche Skulpturen aus Bleistiftminen zu erschaffen. Seine Miniaturkunst zeigt er in Ausstellungen in ganz Europa.

          Ein Fremder namens Picasso

          Ausstellung in Paris : Ein Fremder namens Picasso

          Sein Verbrechen war es, ein Fremder in Frankreich zu sein, und die Sprache konnte er auch nicht: Frankreich erinnert sich Picassos früher Jahre. Eine Ausstellung mit politischer Botschaft.

          Topmeldungen

          Die Strompreise steigen.

          Teure Energietarife : Was Stromkunden wissen müssen

          Weil sich viele Billiganbieter zurückziehen, wechseln hunderttausende Haushalte zum Energiegrundversorger und zahlen nun drauf. Das regt viele auf, hat aber seine Gründe.
          An der Seite von Merz: Die erste stellvertretende CDU-Generalsekretärin Christina Stumpp

          Christina Stumpp : Schon immer im Merz-Lager

          Christina Stumpp wird erste stellvertretende Generalsekretärin der CDU. Wer ist die Bundestagsabgeordnete, die im Team mit Merz die Zukunft der Partei verkörpert? Ein Porträt.