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Galerie Templon : Er sieht sich als ein Handwerker der Kunst von morgen

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Eine ehemalige Hutfabrik in der Rue Beaubourg

1972 reiste Templon zum ersten Mal nach New York und knüpfte persönliche Kontakte zur amerikanischen Szene. Es entstand eine lebenslange ästhetische Wahlverwandtschaft, die auch die Auswahl der französischen, dann der Künstler aus aller Welt beeinflusst, die er zukünftig vertritt. Leo Castelli, der die Pop-Art unter Vertrag hat, macht Templon zu seinem europäischen Partner, über dessen Galerie seine Künstler ausgestellt und verkauft werden. Die Franzosen Arman und Bernar Venet, die beide in den Sechzigern nach New York zogen, stellen immer wieder bei Templon in Paris aus; sie öffnen ihrem französischen Galeristen die Türen zu Frank Stella oder Donald Judd. In den siebziger Jahren ist New York zur Hauptstadt des Kunstmarkts geworden, die jungen Galerien ziehen nach SoHo. Templon hat zwar in der Rue Bonaparte in Saint-Germain das Erdgeschoss hinzugewonnen, braucht aber mehr Fläche für seine neuen Künstler. Er ist der erste Galerist, der 1972 eine ehemalige Hutfabrik in der Rue Beaubourg bezieht und das Marais als Galerienviertel inauguriert. Seine Galerie ist heute noch dort, durch einen Raum auf der gegenüberliegenden Straßenseite erweitert; seit drei Jahren hat er eine Filiale in Brüssel.

Die Galerie Templon hat einige harte Krisen überstanden. Der Vorwurf, für Leo Castelli als trojanisches Pferd des amerikanischen Kulturimperialismus gedient zu haben, klingt heute einigermaßen kurios. Ein anderer lautet, die Galerie habe keine erkennbare ästhetische Linie. Tatsächlich lassen sich zwischen Joel Shapiro, Jan Fabre oder Jonathan Meese und Claude Viallat oder dem rätselhaften figurativen Gérard Garouste keine direkten Verbindungen herstellen. Allerdings ergibt die zeitliche Abfolge von Moden, Strömungen und Positionen, auch von persönlichen Entdeckungen, Neigungen und eventuellen Distanzierungen durchaus eine Plausibilität: Eine Nischengalerie wollte Templon nie sein.

Eklektizismus als Galerienprogramm

Die aktuelle Künstlerliste umfasst die, die aus den Anfangsjahren geblieben sind - wie der ironische Bild-Texter Ben oder der akkumulierende Installateur Arman, aber auch der farbenliebende Amerikaner Jim Dine oder der Metallmontierer Anthony Caro. Trendkünstler wie der Chinese Yue Minjun oder der amerikanische Fotograf David LaChapelle sind der Galerie verbunden, und jüngere sind hinzugekommen: der Leipziger Jim-Dine-Schüler Norbert Bisky, der Chilene Iván Navarro, die Japanerin Chiharu Shiota oder der Inder Asim Waqif.

Daniel Templon erhebt seinen Eklektizismus zum Programm, indem er, ein Vertreter kosmopolitischer Überzeugungen, immer die „Besten jeder Tendenz“ zeigen will. Er nimmt jährlich an zehn Messen teil, um seine französischen Künstler in Sammlungen, Museen und Institutionen auch auf anderen Kontinenten unterzubringen und die neuen Szenen in Asien oder Südamerika weiter zu sondieren. Gerne bezeichnet sich Templon mit seinem globalen Netzwerk und mit einigem Understatement als „Handwerker der Kunst von morgen“. Mit einundsiebzig Jahren sieht er seine Zukunft im munteren „Weitermachen“. Und sein Sohn Mathieu führt seit kurzem die Brüsseler Dependance.

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