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Daimler verkauft Warhol : Der Alte Fritz, wie Warhol ihn sah

  • -Aktualisiert am

Der Automobilkonzern lässt Warhols Porträt des Preußenkönigs bei Grisebach in Berlin versteigern. Es ist nicht der erste Verkauf aus der Daimler-Sammlung.

          Gerade erst wurde bekannt, dass die Norddeutsche Landesbank ihren riesigen stählernen „Tulips“-Strauß von Jeff Koons im November auf den New Yorker Markt wirft, mit einer Erwartung um die zwanzig Millionen Dollar. Sie folgt damit gewissermaßen dem Beispiel der Commerzbank, die Anfang 2010 Giacomettis - von der geschluckten Dresdner Bank übernommenen - „L’Homme qui marcheI“ für freilich absurd hohe 58 Millionen Pfund (Taxe 12/18 Millionen Pfund) in London veräußert hat.

          Auch deutsche Unternehmen halten in diesem Gewinnspiel mit: Der Daimler-Konzern gab vor zwei Jahren Koons’ Stahlplastik „Balloon Flower (Blue)“, die von seiner damaligen, inzwischen aufgelösten, Tochterfirma Debis eigens für die Repräsentation auf Berlins Potsdamer Platz erworben worden war, zur Versteigerung. Dieses Objekt ließ sich die New Yorker Galerie L&M für fünfzehn Millionen Dollar zuschlagen.

          Jetzt geht der Automobilkonzern wieder an den Auktionsmarkt, um ein, diesmal etwas kleineres, Brötchen zu backen: Es geht um Andy Warhols Siebdruck „Friedrich der Große“, den die Villa Grisebach im November in Berlin aufrufen wird; auch dieses Werk hatte die Debis für Berlin angekauft. Das Großformat stammt aus Warhols letzter Schaffensphase, in der er ikonische Figuren paraphrasierte, es entstand 1986, im Jahr vor seinem unerwarteten Tod.

          Womöglich gibt es nur fünf Exemplare

          Die Schätzung liegt bei 700.000 bis einer Million Euro, derzeit das Grisebach-Spitzenlos des Herbstes. Erworben hat Daimler/Debis das Bild 1996 in der Düsseldorfer Galerie von Hans Mayer. Dass Vergleichsergebnisse für Warhols „Friedrich der Große“ schwer zu haben sind, bestätigt auch Daniel von Schacky, der Geschäftsführer der Villa Grisebach. Die Internetdatenbank Artprice verzeichnet ein einziges Resultat, vom Juni 2005: Damals freilich fiel der Preußenkönig bei Christie’s in London durch, versehen mit einer Taxe von 250.000 bis 350.000 Pfund (zum Tageskurs 2005 mindesten 380.000 Euro).

          Doch so einfach ist die Rechnung nicht zu machen, und der Zeitpunkt passt schon: Das Gedenkjahr für den großen Friedrich neigt sich seinem Ende zu, und es steht der Ausverkauf des Restbestands der Warhol Foundation bevor, einst Gralshüterin seines Œuvres, Herausgeberin des keineswegs vollendeten Werkverzeichnisses übrigens. Es ist aber anzunehmen, dass auch Warhols „Friedrich“ im Format von 214 mal 183 Zentimetern nur in einer Auflage von fünf Exemplaren existiert, dem Auktionsmarkt offenbar weitgehend entzogen.

          Zudem: Aus derselben späten Serie kommt die „Statue of Liberty“, Warhols Adaption der Freiheitsstatue in ähnlichem Format, die zuletzt im Mai dieses Jahrs bei Phillips de Pury in New York einen Zuschlag von umgerechnet gut 1,6Millionen Euro erzielte; die Preisspitze für dieses Werk lag 2008 bei umgerechnet knapp drei Millionen Euro, naturgemäß in New York, diesmal bei Sotheby’s.

          So ist Warhols Alter Fritz also durchaus ein besonderer Fall. Man setze auf „einen Verehrer Preußens, der Warhols Ironie versteht“, sagt Daniel von Schacky, entwaffnend klar. Gerade hat ja die britische Königin, selbstredend zu einem ungenannten Preis, einen Satz von Warhols „Reigning Queens“ aus dem Jahr 1985, darunter ihr eigenes Porträt, für ihre Sammlungen erworben. Es fehlt ein König von Deutschland. Aber vielleicht gibt es ja einen wohlhabenden Bourgeois, der ein Herz am royalen Fleck hat? Am liebsten am Ende für die Spende an ein deutsches Museum.

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