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Covid-19 : Das Virus erreicht die europäischen Kunstmessen

Bild: AFP

Die Art Basel Hongkong wurde abgesagt und die Tefaf in Maastricht musste früher schließen. Wie reagieren die Veranstalter auf die Krise?

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          Sie haben es gerade noch geschafft: die Arco in Madrid, die Armory und die Volta Show in New York – und The European Fine Art Fair in Maastricht. Wobei Tefaf am Mittwochabend die Tore vier Tage früher als üblich geschlossen hat. Laut „The Art Newspaper“ war ein Händler aus Italien positiv auf Covid-19 getestet worden. Wie geht das weiter?

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Die Art Cologne, die vom 23. bis zum 26. April geplant war, hielt noch bis Anfang der Woche daran fest, verbunden mit den üblich gewordenen Placebos „Prophylaxemaßnahmen“ und „Desinfektionsmittel“. Am Donnerstagabend fiel die ohnehin nicht mehr realistische Bastion: „In enger Abstimmung mit dem Krisenstab der Stadt Köln und gemäß dem Erlass der NRW-Landesregierung zur Durchführung von Großveranstaltungen ab dem 10.03.2020, hat die Geschäftsführung der Koelnmesse entschieden, die vom 23. bis 26.04.2020 geplante Art Cologne zu verschieben. Der neue Termin ist der 19. bis 22.11.2020 parallel zur Cologne Fine Art & Design in Köln.“ Pikant übrigens im speziellen Fall: Kenner der Szene wollen wissen, dass Daniel Hug, der Direktor beider Messen, schon länger hier und dort den Gedanken verlauten lässt, er wolle die Art Cologne in den Herbst zurückschieben, wo sie einst herkam. Die Verbindung zur Art Düsseldorf fast zur selben Zeit liegt da nicht fern.

          Die Art Basel in Basel, auf die sich schon alle Blicke im Voraus richten, erklärt auf Anfrage derzeit: „Die Art Basel, die vom 18. bis 21. Juni 2020 stattfindet, ist von der aktuellen bundesrätlichen Verordnung nicht betroffen, und wir arbeiten derzeit weiter an den Vorbereitungen zur Messe im Juni. Wenn es die Situation jedoch erfordert, wird ein alternativer Termin später im Jahr in Betracht gezogen. Wir nehmen die gegenwärtige Situation sehr ernst, verfolgen ihre Entwicklung, und sind uns der Versandfristen unserer Aussteller und Partner bewusst.“ Ohnehin ist die Art Basel, mithin die schweizerische Messegesellschaft MCH, stark mitgenommen vom Coronavirus, dessentwegen man schon die Art Basel Hong Kong abgesagt hatte. Auf aktuelle Anfrage wegen möglicher Kompensation der dadurch entstandenen Verluste heißt es: „Für unsere Messe in Hong Kong sind wir in aktiven Gesprächen mit unserem Versicherer.“

          Dieser wirtschaftliche Hintergrund wird zunehmend an Gewicht gewinnen, nicht nur für die global players, womöglich noch bedrohlicher für kleinere Veranstalter. Zu ihnen zählen die beim Publikum im Frühling beliebten Messen in Österreich: Die Art&Antique in Salzburgs Residenz, für den 4. bis 13. April geplant, sieht sich vom „Maßnahmenpaket der Bundesregierung zum Umgang mit dem Coronavirus betroffen“: „Die darin angekündigte, erlassmäßige Absage sämtlicher Indoor-Veranstaltungen mit über 100 TeilnehmerInnen bis Anfang April wirkt sich auch auf die diesjährige Art & Antique Residenz Salzburg aus.“ Man nennt auch gleich einen Termin für 2021. Die Art Vienna in der Wiener Hofburg, angesetzt für den 27. bis 29. März, soll auf den 11. bis 13.September verschoben werden. Ähnlich plant es die Art Brussels, eigentlich für den 23. bis 26. April angekündigt, jetzt für den 25. bis 28. Juni.

          Hinweisschilder zu Hygiene-Maßnahmen während der Tefaf-Messe in Maastricht.

          Aus Paris kommt die Nachricht, dass Drawing Now, die Messe für zeitgenössische Zeichnungen, die vom 25. bis zum 29. März stattfinden sollte, verschoben ist auf den 29. Mai bis 1.Juni. Und die Art Paris wird vom 1. bis zum 5. April auf den 27. bis 31. Mai verlegt. Für den renommierten Pariser Salon du Dessin, angesetzt auf den 25. bis 30. März, steht inzwischen kommentarlos der 28. bis 31. Mai auf der Website. Das sieht nach einer gemeinsamen Planung aus.

          Das Gallery Weekend Berlin soll weiterhin vom 1. bis zum 3. Mai stattfinden, mit den gemeinsamen Eröffnungen der 48 teilnehmenden Berliner Galerien. Zusätzlich geplant ist jetzt ein „außerordentliches“ Gallery Weekend vom 11. bis zum 13. September, parallel zur Berlin Art Week; auf diesen Termin werden auch die größeren Sonderveranstaltungen für geladene Gäste verschoben.

          Was sich noch nicht auch nur annähernde ausloten lässt, ist der – natürlich kommerzielle, aber auch ideelle – Schaden, für alle am Kunstmarkt in je eigener Weise Beteiligten: von den Veranstaltern der Messen über die Händler und Galeristen, die an den Schauen ausstellen, bis hin zu den Besuchern und möglichen Käufern.

          Es ist bekannt, dass die Flucht in „materielle Werte“ – zu denen Kunstwerke prominent gehören – unter den Umständen akuter Krisen nur noch zunimmt. So ist es eine ironische Volte, dass im Zeichen des neuen Virus mit den Messen genau die Orte dafür vorerst verschlossen werden. Zumal die Messen eben doch auch Plätze für Kommunikation und Austausch sind – und für eine befriedete Globalität.

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