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„Contemporary Curated“ : Modisch gedacht

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Barkley L. Hendricks, „Latin from Manhattan...the Bronx Actualy“, 1980, Öl und Acryl auf Leinwand, 168 mal 127,6 Zentimeter, Taxe 700.000 bis 1.000.000 Dollar. Bild: Sotheby’s

Für die aktuelle Ausgabe der Auktion „Contemporary Curated“ hat sich Sotheby’s mit Virgil Abloh wieder einen Modeschöpfer eingeladen.

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          Menschen, die Kunst kaufen, und solche, die sich Designermode leisten können, bilden eine große Schnittmenge. Schon lange arbeiten viele Designermode-Labels daher mit zeitgenössischen Künstlern zusammen, allen voran die französische Luxusmarke Louis Vuitton, für die unter anderen prominente Künstler wie Jeff Koons, Yayoi Kusama und Takashi Murakami Handtaschen und Accessoires entworfen haben. Umgekehrt scheut die Kunstwelt immer weniger die Nähe zur Mode. Ein Beispiel dafür ist die 2013 von Sotheby’s eingeführte Auktionsserie „Contemporary Curated“, die an jeweils zwei Terminen im Jahr in London und New York stattfindet und zu der Gastkuratoren eingeladen werden. Die meisten von ihnen waren bisher Modedesigner, darunter Margherita Missoni vom italienischen Modehaus selben Namens und die Briten Erdem Moralioglu und Anya Hindmarch.

          Für die am 2. Oktober in New York anstehende Ausgabe konnte Virgil Abloh, der Gründer des Modelabels „Off-White“ und Chefdesigner der Herrenlinie von Louis Vuitton, gewonnen werden. Abloh, dessen Eltern aus Ghana in die Vereinigten Staaten einwanderten, hat natürlich nur eine kleine Anzahl der 248 Lose, die zum Aufruf kommen, ausgewählt. Dazu gehören gefragte afroamerikanische Maler wie Barkley L.Hendricks, Rashid Johnson und Kerry James Marshall. Marshall hat eine weitere Verbindung zu Abloh: Ein eigens geschaffenes Gemälde, auf dem ein schwarzes Model ein weißes Abendkleid von „Off-White“ trägt, ziert derzeit das Cover der amerikanischen Vogue.

          Kerry James Marshall, „The Wonderful One“, 1986, Holzkohle auf Papier, 127 mal 96,5 Zentimeter, Taxe 500.000/700.000 Dollar.
          Kerry James Marshall, „The Wonderful One“, 1986, Holzkohle auf Papier, 127 mal 96,5 Zentimeter, Taxe 500.000/700.000 Dollar. : Bild: Sotheby’s

          Solche PR-wirksamen Synergien will sich auch Sotheby’s zunutze machen. Das Bild von Marshall, dass nun bei Sotheby’s unter den Hammer kommt, entstand 1986, als er Artist in Residence im Studio Museum in Harlem in New York war. „The Wonderful One“, geschätzt auf 500.000 bis 700.000 Dollar, fordert den Betrachter mit seiner Verarbeitung rassistischer Stereotypen heraus: Es zeigt einen comichaft flach, in Kohle auf Papier gezeichneten schwarzen Mann, dem individuelle Züge verweigert werden. Marshall zitiert in vielen seiner Werke gezielt bestimmte Werke des westlichen Kunstgeschichtekanons, in diesem Fall Masaccios berühmtes Renaissance-Fresko „Die Vertreibung aus dem Paradies“. Ein weiteres von Abloh ausgewähltes Werk ist Barkley L.Hendricks’ Porträt einer jungen selbstbewussten Afroamerikanerin im schwarzen Mantel aus Wildleder und mit goldenen Ohrringen, wie sie 1980, im Entstehungsjahr des Bildes, in Mode waren: „Latin from Manhattan... the Bronx Actually“ soll 700.000 bis eine Million Dollar einspielen. Hendricks, der seine Porträtserie in den späten sechziger Jahren begann, war einer der ersten Maler, der schwarze Menschen im Stil der europäisch-amerikanischen Porträttradition als stolz und selbstbestimmt darstellte.

          Virgil Ablohs Ko-Kurator ist Gorden Wagener, der Chefdesigner von Mercedes-Benz. Wagener wählte das Spitzenlos der Auktion aus: Das Gemälde „Ember“, vier verschiedenfarbige konzentrische Kreise auf hellem Grund von dem amerikanischen Colour-Field-Maler Kenneth Noland, entstanden 1960. Es kommt aus einer amerikanischen Privatsammlung zum Aufruf und soll 2,2 bis 2,8Millionen Dollar kosten. Den Rest des Feldes – mit Schätzungen zwischen 4000 und 2,8 Millionen Dollar, darunter einiges marktfrische Material – dominieren amerikanische Zeitgenossen und Nachkriegskünstler. Von Schwergewichten wie Frank Stella, Richard Diebenkorn, Tom Wesselman und Roy Lichtenstein sind Drucke und Papierarbeiten zu haben. Zu den besonderen Highlights gehören zwei Collagen von Romare Bearden aus den sechziger und siebziger Jahren: „The Fortune Teller“ (Taxe 150.000/200.000 Dollar) und „Vamp Time – Chicago (of the Blues)“ (80.000/100.000). Bearden studierte in den dreißiger Jahren zeitweilig bei dem aus dem nationalsozialistischen Deutschland ausgewanderten George Grosz an der Art Students League in New York; beide Werke Beardens kommen aus der Sammlung von Joseph und Blanche Blank. Insgesamt werden 22,9 bis 32,7 Millionen Dollar erwartet.

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