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Comic-Galerie : Die große Welt der kleinen Bilder

  • -Aktualisiert am

Wer Comic-Originale sammelt, kommt an der Galerie Huberty & Breyne in Brüssel nicht vorbei - denn im Hinterzimmer des vollgestopften Ladens warten Raritäten.

          Der Boulevard Anspach in Brüssel war mein Mekka, als ich vor 23 Jahren das erste Mal in die belgische Hauptstadt kam. Dort lag (und liegt heute noch) „Brüsel“, der schönste Comicladen der Welt, direkt dahinter der ähnlich gut sortierte „Multi-BD“, und weiter abwärts auf dem Boulevard Maurice Lemonnier in Richtung der Gare da la Midi folgten weitere einschlägige, allerdings deutlich weniger schicke Geschäfte, überwiegend Antiquariate. In keiner anderen Metropole der Welt waren Comics in so zentraler (und dadurch sündhaft teurer) Lage zu finden. Was für eine Stadt, deren Comic-Hunger das Überleben solcher Geschäfte mitten in ihrem Herzen ermöglichte!

          Eines jener weniger eleganten Antiquariate hieß „Petits Papiers“, und doch war dieser Name damals für mich magisch. Denn dort verkaufte man nicht nur alte Alben, sondern auch Originalzeichnungen belgischer und französischer Comic-Künstler. Zumindest glaubte ich das, denn durch einen Zufall war ich in den Besitz eines kleinen gehefteten, billig kopierten Verkaufskatalogs gekommen, der zwar selbst keinen Hinweis auf seine Herkunft gab, aber im Innern eine Preisliste enthielt, worauf folgende Adresse stand: „Petits Papiers, 15 Boulevard Maurice Lemonnier, Bruxelles“. Den Katalog habe ich heute noch.

          Ein muffiges, vollgestopftes Ladenlokal

          Das Sammeln von Comic-Originalzeichnungen war seinerzeit in Deutschland noch nicht sehr verbreitet. Frankreich und Belgien waren wie üblich bereits viel weiter, aber die Kenntnis entsprechender Adressen in diesen beiden Ländern entsprang eher dem Zufall; Internet gab es ja noch nicht. Wie ich den kleinen Katalog erhalten habe, weiß ich nicht mehr, vielleicht auf einer Kölner Comicsammlerbörse. Jedenfalls war er voller Meisterwerke von Berühmtheiten wie Tardi, Moebius, Schuiten, Tillieux, Chaland oder Franquin, die damals alle teuer schienen, aber aus heutiger Sicht spottbillig waren. Und für meine privaten Favoriten unter den noch weniger Etablierten, Dupuy&Berberian zum Beispiel oder Frank LeGall, wurden lediglich Witzpreise verlangt. Aber wer kauft schon Zeichnungen nach reiner Katalogbeschreibung, zumal bei solch beklagenswerter Abbildungsqualität? Nicht einmal alle Maße der Blätter waren in dem Katalog zu finden. Um sie sich anzusehen, musste man nach Brüssel.

          Als ich zum ersten Mal bei „Petits Papiers“ durch die Tür trat, fand ich mich in einem muffig nach alten Büchern riechenden Ladenlokal wieder. Von Originalzeichnungen keine Spur, und der Verkäufer konnte oder wollte die Frage danach nicht verstehen (Freundlichkeit war nicht die größte Stärke der Betreiber). Ich verließ Brüssel ohne die erhoffte Erwerbung, und es dauerte etliche Jahre, ehe ich zurückkehrte, um doch noch einmal „Petits Papiers“ zu besuchen, deren Name auf dem Markt für Comic-Originale mittlerweile nicht nur berühmt geworden war, sondern die auch mit einem Stand auf dem Comicsalon im französischen Angoulême vertreten war, wo ich endlich eine Seite von Dupuy& Berberian erstehen konnte: die erste einer zweiseitigen Kurzgeschichte, und in Angoulême hatte es geheißen, die fehlende liege im Brüsseler Geschäft. Also musste ich dorthin – wieder einmal.

          Doch das mir von früher her bekannte Ladenlokal stand leer, und nur durch Zufall fand ich beim Durchstreifen der Innenstadt etwas oberhalb auf dem Boulevard Lemonnier an der Place Fontainas ein großes Eckgeschäft, das genauso konfus mit Comics vollgestopft war, wie ich die alten „Petits Papiers“ in Erinnerung hatte. In der Tat: Man war umgezogen – erst zum zweiten Mal in der seit 1984 währenden Geschäftsgeschichte, die an der Chaussée de Wavre im südöstlichen Stadtteil Etterbeek begonnen hatte –, doch immer noch war der erste Eindruck der eines Ramschladens. Das gehörte zum Image, und die beiden Gründer Bernadette Bienfait und Marc Braine kultivierten es weiterhin mit erkennbarer Freude.

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