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Comic-Auktionen : Das Millionenduell

Die besterhaltene Erstausgabe der „Batman“-Heftserie, erschienen 1940, nun verkauft für 2,2 Millionen Dollar. Bild: Heritage Auctions/dpa

Eine „Tim und Struppi“-Zeichnung und ein „Batman“-Heft eiferten um neue Rekorde. Hohe Zuschläge für Comics bei Artcurial und Heritage.

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          Am vorigen Donnerstag hat ein transatlantisches Rekord-Duell auf dem Auktionsmarkt für Comics stattgefunden. In Paris kam eine Umschlagzeichnung zum Aufruf, die der belgische Zeichner Hergé 1936 für ein Album seiner Serie „Tim und Struppi“ angefertigt hatte – die aber seinerzeit nicht gedruckt werden konnte, weil sie zu aufwendig geraten war. Hergé schenkte sie daraufhin dem kleinen Sohn seines Verlegers.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Die kleine quadratische Gouache blieb in Familienbesitz, bis sie nun bei Artcurial eingeliefert und auf bis zu 2,8 Millionen Euro geschätzt wurde. Der Höchstpreis auf einer europäischen Comic-Versteigerung lag bislang bei 2,65 Millionen, erzielt 2014 ebenfalls für eine Zeichnung von Hergé und auch bei Artcurial in Paris. Beim Auktionshaus Heritage in Dallas erhoffte man dagegen am selben Tag einen Rekord für ein Comicheft: Die erste Ausgabe der „Batman“-Serie, erschienen 1940, war mit einem neu aufgefundenen Exemplar vertreten, das alle anderen bekannten dieser Nummer im Erhaltungszustand übertrifft: mit 9,4 von zehn möglichen Punkten auf der Skala der „Certified Guaranty Group“ (CGC), einem angesehenen Bewertungsunternehmen für amerikanische Druckerzeugnisse. Der bisherige Höchstpreis für ein Comicheft wurde mit 3,2 Millionen Dollar 2014 bei Ebay erzielt: für ein Exemplar von „Action Comics“ Nr. 1, dem Debüt von Superman aus dem Jahr 1938.

          Die Umschlagzeichnung, die der belgische Zeichner Hergé 1936 für ein Album seiner Serie „Tim und Struppi“ angefertigt hatte konnte seinerzeit nicht gedruckt werden, weil sie zu aufwändig geraten war.
          Die Umschlagzeichnung, die der belgische Zeichner Hergé 1936 für ein Album seiner Serie „Tim und Struppi“ angefertigt hatte konnte seinerzeit nicht gedruckt werden, weil sie zu aufwändig geraten war. : Bild: AP

          Bereits in den Tagen zuvor war das „Batman“-Heft durch Vorgebote im Internet auf 1,65 Millionen Dollar gesteigert worden. In der Saal-Auktion gab es dann nur noch ein kurzes Bietgefecht, ehe der Zuschlag bei 1,85 Millionen erfolgte. Mit Aufgeld erzielte das Heft 2,22 Millionen Dollar, umgerechnet 1,82 Millionen Euro. Für einen neuen Auktionsrekord reichte es also nicht. Doch Heritage, der größte Comic-Versteigerer der Welt, hat damit sein bislang teuerstes Heft verkauft, weit über den dort erst im November 2020 erzielten 1,5 Millionen Dollar für die Nummer 27 der Serie „Detective Comics“, in der 1939 die erste Batman-Geschichte erschienen war. „Batman“ Nr. 1 war nämlich nur der Auftakt zu einer eigenen Reihe mit dem rasch populär gewordenen Superhelden. Bislang hatten die Hefte mit den eigentlichen Erstauftritten die höchsten Preise erzielt; auch „Superman“ Nr. 1 von 1939 war immer billiger als das berühmte Debüt der Figur in „Action Comics“.

          Das hat sich im Falle von Batman nun umgekehrt, aber der Grund dafür liegt im exzellenten Erhaltungszustand des neu aufgetauchten Hefts – zum Vergleich: Das Rekordheft für 3,2 Millionen Dollar hat einen CGC-Wert von 7,0. Gute Erhaltung ist, angesichts von Hunderten erhaltener Exemplare einer Ausgabe, der entscheidende Faktor, und eine Bewertung mit 9,4 für eine Erstausgabe mit einer der beiden beliebtesten amerikanischen Comicfiguren war noch nie zuvor auf dem Markt gewesen. Kleine qualitative Abstufungen resultieren da in riesigen finanziellen Unterschieden: Der bisherige Höchstpreis für ein Heft „Batman“ Nr. 1 hatte bei knapp 600.000 Dollar gelegen, und das bei einem CGC-Wert von immerhin 9,2.

          Comic-Originalzeichnungen dagegen sind Unikate, aber auch bei ihnen spielt Erhaltung eine wichtige Rolle. Deshalb war man gespannt, ob das über Jahrzehnte hinweg gefaltet aufbewahrte und durch diese Knicke in seiner optischen Wirkung beeinträchtigte Hergé-Titelblatt tatsächlich die hohen Erwartungen erfüllen würde. Es gelang ihm knapp: Zugeschlagen wurde es nach ebenfalls recht kurzem Gefecht bei 2,6 Millionen Euro; inklusive Aufgeld kostete es den Käufer somit 3,17 Millionen. Im Schatten dieses Rekordergebnisses für Hergés „Tim und Struppi“ gab es bei Artcurial noch ein weiteres – für „Asterix“: Die von dem im März 2020 verstorbenen Albert Uderzo gezeichnete Schlussseite zum Album „Die Lorbeeren des Cäsar“ von 1972 erbrachte, mit Aufgeld, 442.000 Euro – mehr als das Doppelte des bisherigen Höchstpreises für ein „Asterix“-Original. Und auch Heritage hatte einen zweiten Erfolg zu vermelden: 384.000 Dollar für das erste Heft von „Captain America“ (1941) mit dem legendären Titelbild, auf dem Hitler von dem Superhelden verprügelt wird. CGC 8,5 hat es, sechs noch höher eingestufte Exemplare sind auf dem Sammlermarkt bekannt. Da ist nach oben noch was drin.

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          Unser Autor: Cai Tore Philippsen

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