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Cologne Fine Art 2015 : Starke Fliehkräfte am Rhein

  • -Aktualisiert am

Es geht in Richtung Gegenwart. Alte Kunst und Antiquitäten lassen sich von der Kunst der Nachkriegszeit verdrängen. Ein Bereich für junge Galerien könnte neues Publikum auf die Messe locken.

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          „Alles neu“ heißt es bei der diesjährigen Cologne Fine Art, die mit „COFA Contemporary“ erstmals knapp vierzig junge Galerien und Projekträume aus dem Rheinland ins Obergeschoss der Messehalle elf eingeladen hat. Hier sieht es nun aus wie zur Art Cologne im Frühjahr: Priska Pasquer arrangiert mit den Künstlern Radenko Milak und Tristano di Robilant ein Treffen von Glas und Aquarell im Zeichen der Science-Fiction, Martinetz zeigt Mary-Audrey Ramirez, eine Schülerin von Thomas Zipp, während Van Horn als einziger „Young Dealer“ beide Etagen bespielt: Malerei von Koen Delaere oben, Neonarbeiten von Sigune Siévi unten.

          Was hier in Richtung Gegenwart zusammenwachsen soll, wird jedoch durch zwei gesonderte Eröffnungstermine gleich wieder getrennt; die klassische Messe eröffnete am vergangenen Dienstag, der junge Ableger erst am Donnerstag. Es bleibt abzuwarten, ob das gediegene Vernissagenpublikum die junge Kunst goutiert und ob wiederum die heißumworbenen jungen Sammler den Weg ins Erdgeschoss finden werden.

          Dramatische Standinszenierung

          Hier lassen sich die starken Fliehkräfte nicht mehr übersehen: Antiquitäten, Altmeister und Kunst des neunzehnten Jahrhunderts, ehedem Kerngeschäft der Messe, werden von der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts, insbesondere Informel und Zero, mit denen sich hier immer mehr Galerien schmücken, verstärkt verdrängt. Doch lassen sich auch noch in diesem Segment Entdeckungen machen: Der Mittelalterhändler Remco van Leeuwen (Eindhoven) zeigt Sakralkunst und Alltagsobjekte, Meletta (München) hat zu ihrer Messepremiere einen eklektischen Mix aus Möbeln und Kunsthandwerk vom achtzehnten bis zum zwanzigsten Jahrhundert mitgebracht. Erstmals dabei ist auch ED aus Piacenza mit italienischem Design. Nöth (Ansbach) richtet Otto Modersohn zum 150. Geburtstag eine Sonderschau mit Werken aus dessen wichtigsten Schaffensphasen ein.

          Das Zentrum der Messe steht ganz im Zeichen der Abstraktion nach 1945. Schlichtenmaier räumt einen großen Teil des Standes für Künstler wie Willi Baumeister oder Adolf Fleischmann frei, doch auch Stockebrand + Uekermann (Berlin) haben bei ihrem Kölner Debüt neben Zero-Papierarbeiten einen Baumeister von 1950 für 280.000 Euro im Gepäck. Setareh sorgt mit einer dramatischen Standinszenierung für Aufsehen: Zwei große Gemälde von Ernst Wilhelm Nay von 1967 leuchten aus dem Dunkel. Ben Brown zeigt neben Baselitz, Polke und Lüpertz Werke von Alighiero Boetti (25.000 bis 550.000 Euro) sowie Candida Höfer, die diesjährige Trägerin des Cologne Fine Art-Preises. Dierking (Zürich) inszeniert eine effektvolle Begegnung filigraner Objekte aus schwarzem Aluminium von Otto Boll (Jahrgang 1952) mit monochromen weißen Reliefs von Ferdinand Spindel (1913 bis 1980).

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