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Christoph Graf Douglas zum Sechzigsten : Souverän

Ein Unermüdlicher: Dem Kunstvermittler Christoph Graf Douglas gelingt die Schlichtung schwierigster Konflikte - der ehemaligen Chef von Sotheby's Deutschland wird sechzig.

          Eine solche Provenienz verpflichtet: Seine Ururgroßmutter war die Tochter des badischen Großherzogs Ludwig und einer Försterstochter aus dem Renchtal. Sie heiratete einen aus dem schottischen Geschlecht der Douglas. Da mischt sich manches trefflich - badische Beständigkeit mit Selbstbewusstsein, die Tugend der Beharrlichkeit mit Abenteuerlust. Entsprechend lautete die Selbstauskunft von Christoph Graf Douglas, 1948 in Konstanz geboren, im Fragebogen der F.A.Z., was er gern sein würde: „Ein Souverän um das Jahr 1830 in einem recht vermögenden Land mit einer Verfassung und demokratischen Strukturen.“

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Ganz so hat es sich nicht ergeben, aber sein Einfluss in der internationalen Kunstwelt ist beachtlich, er ist einer ihrer bedeutendsten Unterhändler und Vermittler. Seine schon sprichwörtlichen Verbindungen machen ihn zum Gesprächspartner aller Mitspieler auf dem kulturellen Feld. Man könnte sagen, Graf Douglas versuche ständig, eine ihm sinnvoll erscheinende Ordnung zu stiften, wo immer er in den Lauf der Kunstdinge involviert ist - also eigentlich ständig. Dieses hehre Ziel erfordert immer wieder ungewöhnliche Lösungsvorschläge: Bereits für die inzwischen legendären Auktionen mit dem gesammelten Ameublement und Hausrat der Großherzöge und Markgrafen von Baden im Herbst 1995 schlug er - damals noch Deutschland-Chef von Sotheby's, zugleich für die engere Verwandtschaft tätig - vor, Baden-Württemberg solle doch den Gesamtbestand für achtzig Millionen Mark erwerben, davon behalten, was man wolle, den Rest werde er dann für das Land schon versteigern.

          Eine Lösung mit Augenmaß

          Das geschah natürlich nicht; aber nachzulesen ist auch, dass damals - angesichts von hundert Millionen Mark Erlös allein für den maroden Markgrafen Max von Baden - die CDU ihrem weiland Koalitionspartner SPD arge Vorwürfe machte, weil der brave Wirtschaftsminister Spöri bei diesem Deal abwinkte. Jedenfalls schaffte es Graf Douglas damals, dass, neben anderen wichtigen Stücken, die fünf Tafeln des Altars von Bernhard Strigel für die Liebfrauen-Kapelle in Salem vom Land erworben wurden: An solchen und ähnlichen Abschlüssen, die Dinge und Orte sinnvoll fügen, hat er seine schönste Freude.

          Wieder für die Verwandtschaft unterwegs in Sachen Salem und der badischen Handschriften, geriet der Graf vor allem in Baden-Württemberg ins Visier. Dabei muss man ihm - womöglich als einzigem Beteiligten der Affäre - bescheinigen, dass er die wertvollen Bücher der Landesbibliothek in Karlsruhe niemals verkaufen wollte; er hätte, ganz seinem Naturell entsprechend, am liebsten getauscht. Gemeinhin allerdings erfolgsverwöhnt, ist Douglas keiner, der nachhaltig hadert: Zu innig ist sein Vertrauen in die eigene Fortüne, zu klar aber vor allem sein Geist. Da ist noch etwas von der Unabhängigkeit im Blut. Ihn reizt das Geschäft. Doch seine Liebe gilt der Kunst, gilt der Natur; er ist einer, der hegt und pflegt. Am morgigen Sonntag feiert Christoph Graf Douglas seinen sechzigsten Geburtstag.

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