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Christie’s und Sotheby’s : London und Paris, vereint

  • -Aktualisiert am

Mitarbeiter von Sotheby’s posieren mit dem Picasso-Gemälde „Homme et femme au bouquet“ von 1970, das seine untere Taxe von acht Millionen Pfund erreichte. Bild: EPA

Mit neuem Konzept begannen die Abendauktionen bei Christie’s und Sotheby’s bereits am Nachmittag. So konnte aus Asien und Amerika live mitgeboten werden. Ein Blick auf die Ergebnisse des Sommers.

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          Die Tradition der Londoner Sommersaison mit Moderne und Zeitgenossen blieb; das Format war, wie schon 2020, wieder ein neues. Sotheby’s schloss dem „Modern and Contemporary Art Evening Sale“ den sonst separierten „British Art Evening Sale: Modern/Contemporary“ an. Zusammen setzten die Abendauktionen 156,2 Millionen Pfund um; die Erwartung lag bei 119,7 bis 170,3 Millionen.

          Die junge Londoner Malerin Jadé Fadojutimi machte diesmal den Auftakt bei Moderne und Gegenwartskunst. Ihr Gemälde „I’m pirouetting the night away“ von 2019 stieg auf 320.000 Pfund (Taxe 80.000/120.000). Picasso war gleich siebenmal vertreten: Sein teuerstes Werk, „Homme et femme au bouquet“ von 1970, war garantiert und ging zur unteren Taxe von acht Millionen Pfund weg. Spitzenlos waren Wassily Kandinskys abstrakte „Tensions calmées“ von 1937, aus einer amerikanischen Sammlung eingereicht. Es wurden achtzehn bis 25 Millionen Pfund erwartet; der Hammer fiel bei 18,3 Millionen. Maria Lassnigs Fußball spielende Nonne in „Kampfgeist I“ erzielte 380.000 Pfund (350.000/450.000). Insgesamt wurden mit 53 von 57 Losen im Angebot 108 Millionen Pfund umgesetzt.

          Die britische Kunst führte Lucian Freuds marktfrisches Porträt seines Malerkollegen „David Hockney“ von 2002 an. Fünf Telefonbieter aus London, New York und Asien rangen zehn Minuten darum; der erfolgreiche Käufer bot 12,8 Millionen Euro (8/12 Millionen) dafür. Peter Doigs Gemälde aus den Neunzigern wurde schneller vermittelt: „Blue Mountain“ blieb mit 4,5 Millionen (5/7 Millionen) hinter seiner Erwartung zurück; Doigs „Bomb Island“ erzielte 3,6 Millionen Pfund (3/5 Millionen). Eine Keramikvase der in Kenia geborenen britischen Künstlerin Magdalene Odundo stellte mit 300.000 Pfund (60.000/ 90.000) einen Rekord auf.

          Monument für den Computer: Keith Harings „Untitled“ von 1984, Zuschlag: 3,9 Millionen Pfund (Taxe 3,9 bis 4,5 Millionen) bei Christie’s.
          Monument für den Computer: Keith Harings „Untitled“ von 1984, Zuschlag: 3,9 Millionen Pfund (Taxe 3,9 bis 4,5 Millionen) bei Christie’s. : Bild: Reuters

          Christie’s hatte an den „20th/21st Century: London Evening Sale“ zwei Abendauktionen in Paris angeschlossen und setzte mit dieser engen Verbindung der beiden Standorte ein Signal für die Zukunft – „Post-Brexit“. Insgesamt wurden mit 82 Losen 153,6 Millionen Pfund umgesetzt. Der Auktionator und Global President Jussi Pylkkänen machte den Auftakt in London; auf ihn folgten drei Auktionatorinnen in London und Paris. Gleich das erste Los, Stanley Whitneys bunte Quadrate in „Light a New Wilderness“ von 2016, stellte mit 420.000 Pfund (120.000/180.000) den einzigen Künstlerrekord des Abends auf; es ging an einen Bieter am Telefon der in Hongkong stationierten Elaine Kwok. Picassos „L’Étreinte“ von 1969 stieg mit dem finalen Gebot von 12,6 Millionen Pfund (11/16 Millionen) zum teuersten Los auf und verwies Alberto Giacomettis „Homme qui chavire“ von 1951 auf den zweiten Platz. Giacomettis Skulptur zog drei Bieter an und überwand mit 12,4 Millionen (12/18 Millionen) knapp seine untere Taxe. Basquiats „Untitled“-Figur in Grün von 1984 erzielte fünf Millionen Pfund (4/6 Millionen). Keith Harings gelbe „Untitled“-Komposition mit Computer von 1984 kam auf ihre untere Taxe von 3,9 Millionen (bis 4,5 Millionen): Das monumentale Werk war mit einer Garantie versehen, sein europäischer Einlieferer machte so wenigstens nur einen kleinen Verlust; er hatte es 2018 bei Christie’s in London aus der Sammlung des deutschen Galeristen Paul Maenz für 3,94 Millionen Pfund, inklusive Aufgeld, übernommen. Kandinskys „Noir bigarré“ blieb mit 7,8 Millionen knapp hinter seiner Taxe (8/12 Millionen) zurück; Ernst Ludwig Kirchners „Pantomime Reimann: Die Rache der Tänzerin“ von 1912 erzielte sechs Millionen Pfund (6/9 Millionen).

          In Paris ging es weiter, mit 24 Werken aus der Sammlung des 1992 gestorbenen Werbeunternehmers Francis Gross. Spitzenlos war René Magrittes „La Vengeance“ von 1936. Sechs Bieter trieben den Hammerpreis auf 12,5 Millionen Euro (6/10 Millionen). Beim dritten Teil des Abends, der „Paris vente du soir“, stellte Pierre Soulages das Spitzenlos, denn Basquiats „The Elephant“ (3,7/5,5 Millionen) war zurückgezogen worden. Soulages’ abstrakte „Peinture 162 × 114 cm, 17 avril 1972“ in Schwarz, Weiß und Blau stieg mit 1,7 Millionen knapp über die Obertaxe von 1,5 Millionen Euro. Kazuo Shiragas Komposition „T56“ von 1962 schwang sich mit dem Hammerpreis von 1,4 Millionen Euro (900.000/1,2 Millionen) zum zweitteuersten Los auf.

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