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Christie’s und Sotheby’s : Große Kunst – und ein großes Tier

  • -Aktualisiert am

New Yorker Ergebnisse: Bei Christie’s und Sotheby’s in New York fallen alte Rekorde.

          3 Min.

          Seitdem Abendauktionen zu virtuellen Ereignissen geworden sind, die von einem globalen Publikum vom heimischen Sofa aus verfolgt werden, bieten sich den großen internationalen Auktionshäusern ganz neue Möglichkeiten der Inszenierung. Christie’s „20th Century Evening Sale“ in New York, ein neuer Oktober-Termin, verfolgten nach Angaben des Auktionshauses etwa 280.000 Zuschauer. Neben der Live-Übertragung, bei welcher der Auktionator Adrien Meyer Gebote von den Telefonbänken vor Ort sowie in London und Hongkong pflückte, gab es ein ganzes Rahmenprogramm mit vorausgehender Analyse mit Gästen im virtuellen Studio, Marketing-Video zum Auftakt, leise pulsierender Musik-Unterlegung und Live-Kommentierung des Geschehens durch zwei Christie’s-Mitarbeiter. Die Kamera glitt gelegentlich über die Ohrringe und Halsketten der Spezialistinnen an den Telefonen – sie modelten die Lose einer anstehenden Schmuck-Versteigerung.

          Auch das letzte Los der Auktion war ein wichtiger Teil der publikumswirksamen Vorstellung: Das riesige Skelett eines Tyrannosaurus Rex mit dem Spitznamen „Stan“. Wenigstens fünf Bieter stritten um das 67 Millionen Jahre alte, fast vollständig erhaltene Fossil, das ohne Reserve mit einer Taxe von sechs bis acht Millionen Dollar zum Aufruf kam. Der Hammer fiel erst bei 27,5 Millionen Dollar für einen ungenannten Käufer, der mit Aufschlägen 31,8 Millionen zahlt. „Stan“ trug damit beträchtlich zum Gesamtumsatz von 340,85 Millionen Dollar bei. Die Erwartung lag bei „wenigstens 300 Millionen“, die untere Gesamttaxe bei 277 Millionen. Insgesamt wurden 46 von 55 Losen im Angebot (das entspricht 84 Prozent nach Losen) vermittelt, wenigstens vierzehn waren mit Garantien abgesichert.

          Marktfrisch aus der Sammlung des Milliardärs Ron Perelman kam das attraktive Spitzenlos des Abends, Cy Twomblys große Leinwand, „Untitled (Bolsena)“, entstanden 1969. Das Werk war auf 35 bis 50 Millionen Dollar geschätzt, ging aber schon bei 35 Millionen am Telefon von Barrett White weg. Aus der Sammlung von Perelman kamen auch eine „Woman (Green)“ aus Willem de Koonings wichtiger Serie „Women“, die ihre untere Taxe von zwanzig Millionen Dollar erreichte, sowie Mark Rothkos Abstraktion „Untitled“ (30/50 Millionen) in dunklen Rottönen, bei der sich ein Bieter am Telefon mit einem Gebot von 28 Millionen durchsetzte. Das Everson Museum in Syracuse trennte sich von einem wichtigen frühen Gemälde von Jackson Pollock, das seine berühmten Drip Paintings einleitete. „Red Composition“ aus dem Jahr 1946 wurde zur unteren Taxe von zwölf Millionen Dollar zugeschlagen.

          Ein längeres Bietgefecht entspann sich um „Femme dans un fauteuil“ (20/30 Millionen) von Picassos aus dem Jahr 1941. Eine Handvoll Bieter trieb den Hammerpreis auf 25,5 Millionen Dollar. Einen neuen Rekord gab es für Emil Nolde. Die Taxe von sechs bis acht Millionen für Noldes „Herbstmeer XVI“ lag bereits im Rekordbereich, seine bisherige Höchstmarke bei 5,2 Millionen Dollar. „Herbstmeer XVI“ erzielte den Hammerpreis von 6,1 Millionen, mit Käuferaufgeld liegt der neue Rekord damit bei 7,34 Millionen Dollar. Mit Spannung erwartet wurde auch der Verkauf eines späten Stilllebens in Wasserfarben und Bleistift auf Papier von Paul Cézanne, „Nature morte avec pot au lait, melon et sucrier“ aus der Sammlung von Edsel und Eleanor Ford. Die Taxe lag um 25 Millionen Dollar, der Hammer fiel bei 26 Millionen.

          Sotheby’s blieb Anfang Oktober in New York mit einer weiteren Ausgabe seiner „Contemporary Curated“-Serie bei seinem üblichen Kalender. Der Modedesigner Virgil Abloh sowie Gorden Wagener von Mercedes-Benz waren diesmal die Ko-Kuratoren. Bei der Tagesauktion kamen 242 Lose zum Aufruf, von denen 182 (75 Prozent) verkauft werden konnten. Insgesamt wurden 30,6 Millionen Dollar eingespielt. Das Spitzenlos, „Ember“ von Kenneth Noland (2,2/2,8 Millionen), stieg auf 2,1 Millionen, gefolgt von Kerry James Marshalls Verarbeitung rassistischer Stereotypen in „The Wonderful One“ (500.000/700.000), das weit über seine Erwartung hinaus auf 1,45 Millionen stieg. Barkley L. Hendricks Porträt einer Afro-Amerikanerin „Latin from Manhattan ... the Bronx Actually“ (700.000/ eine Million) aus dem Jahr 1980 erzielte 1,2 Millionen. Für die Papiercollage „The Fortune Teller“ (150.000/200.000) von Romare Bearden aus dem Jahr 1968 bewilligte ein Sammler 620.000 Dollar.

          Wenige Stunden vor Christie’s New Yorker „20th Century Evening Sale“ hielt Sotheby’s seinen bisher größten „Contemporary Art Evening Sale“ mit internationalen und asiatischen Zeitgenossen in Hongkong ab. Die Auktion setzte umgerechnet 88,3 Millionen US-Dollar um. Auch diese Auktion wurde angeführt von einem Werk aus der Sammlung Perelman: Für „Abstraktes Bild (649-2)“ von Gerhard Richter zahlte das Pola Museum of Art in Hakone in Japan umgerechnet 27,7 Millionen US-Dollar (mit Käuferaufgeld) – weit mehr als die obere Taxe von achtzehn Millionen. Es ist der höchste Preis, der jemals mit dem Werk eines westlichen Künstlers bei einer Auktion in Asien erzielt wurde.

          Erst gestern gab Sotheby’s seine Pläne für die seine großen Herbstauktionen in New York bekannt. Die Abendauktionen mit Impressionismus, Moderne und Zeitgenossen sollen am 28. Oktober stattfinden, die zugehörigen Tagesauktionen im November. Weitere Termine in diesen Kategorien soll es im frühen Dezember geben. Phillips hat seine Abend- und Tagesauktionen mit „20th Century & Contemporary Art“ am 11. und 12. November angesetzt. Was Christie’s in New York bis Ende des Jahres an weiteren Großauktionen mit Moderne und Zeitgenossen plant, ist noch nicht bekannt.

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